Status Quo oder Sicherung des Friedens – von Gero Jenner Teil 4

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Putin weiß, was auch Europa begriffen hat, nämlich dass für alle Teile nichts günstiger ist als der derzeitige Status Quo einer unabhängigen Ukraine, die als Puffer zwischen den beiden Blöcken liegt. Die Ukraine selbst könnte dadurch sogar am meisten gewinnen: Indem man abwechselnd die eine oder die andere Seite begünstigt, bereichert man sich bei beiden, so wie das einmal meisterhaft von Tito in Jugoslawien praktiziert worden ist.

Solche Argumente sind allerdings unbedeutend gegenüber dem einzig entscheidenden: der Wahrung des Friedens unter atomar gerüsteten Gegnern. Seit Ende des Kalten Krieges war der Weltfrieden nie so akut gefährdet wie heute. Und nie wurde auf eine unmittelbare Gefahr auf so leichtsinnige Art reagiert. Ja, glaubt man denn allen Ernstes, die Bedrohung mit Sanktionen verhindern zu können, die den Präsidenten der mächtigen russischen Föderation wie einen ungezogenen Schulbuben vor aller Welt abkanzeln? Mit derart kindischen Maßnahmen bewirkt man das Gegenteil und Europa schneidet sich zudem noch ins eigene Fleisch. Man demütigt Russland und seinen Präsidenten und stärkt dort die Kräfte eines irrationalen Widerstands, der nicht mehr kühl und möglicherweise auch nicht mehr nüchtern sein wird.

Vergessen wir nicht: Deutsche und Österreicher haben aufgrund einer nicht weit zurückliegenden Geschichte am wenigsten Recht, die moralischen Besserwisser zu spielen. Ihre Aufgabe sollte es sein, mäßigend auf die Amerikaner einzuwirken, indem sie eine Brücke der Verständigung zwischen den beiden Lagern bilden. Schon aus Gründen der Klugheit: Europa kann ohne russisches Gas nicht leben, aber die Russen haben in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, wie ungeheuer leidensfähig sie sind. Sanktionen werden sie erst richtig zusammenschweißen. Dann wird Putin alle auf seiner Seite haben, auch seine ehemaligen Gegner.

Nicht Sanktionen sind das Gebot der Stunde, sondern eine Politik, welche die eigenen unverzichtbaren Interessen klar im Blick behält, aber ebenso bereit ist, die berechtigten Interessen des anderen zu akzeptieren.

Gero Jenner

Lesen Sie hier weiter:

Teil1 http://tv-orange.de/2014/04/gero-jenner-ueber-putin-die-ukraine-und-europa-teil-1

Teil2 http://tv-orange.de/2014/04/eine-zerrissene-ukraine-von-gero-jenner-teil-2

Teil3 http://tv-orange.de/2014/04/putins-wurf-von-gero-jenner-teil-3

Teil4 http://tv-orange.de/2014/04/status-quo-oder-sicherung-des-friedens-von-gero-jenner-teil-4

Erstveröffentlichung unter http://www.gerojenner.com/portal/gerojenner.com/Putin.html

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