Kriegsführung im 21. Jahrhundert – Der Tod, der aus der Steckdose kommt

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Unter dem Deckmantel des Schweigens, spielen die Militärs der Weltmächte, wozu auch die Nato-Macht Bundeswehr zählt, mit dem Risiko, der digitalen Geister, die sie programmieren. Die Möglichkeiten und damit die Gefahren übersteigen jedes Menschen Vorstellungsmöglichkeiten hinsichtlich vernetzter und sich beschleunigender Risiken. Ein Beitrag von Bernhard Trautvetter

Aber konkret: Die aktuelle Revolution im Kriegshandwerk findet in der Zeit statt, da die Frieden-PabloMenschheit ohnehin schon ‚reich’ an Zukunftsgefährdungen ist: Die Bevölkerungsexplosion, die Gefahren der militärischen und sogenannten friedlichen Atomindustrie, der drohende und immer schneller näher rückende Klima-Kollaps und das internationale Gewaltklima etwa im sogenannten Anti-Terror-Krieg… das alles droht hinsichtlich seiner Explosivität hinter den alles sprengenden Wirkungen der Digitalisierung zurückzutreten. Das ‚Kriegshandwerk’ – sie nennen es „Warfare“ – ist immer konkreter von Roboterisierung, Automatisierung und Fernsteuerung, bestenfalls derzeit noch durch Menschenhand gekennzeichnet. Wir können den Anfängen schon nicht mehr wehren, höchstens noch wenigstens jetzt Schlimmeres oder sogar das Schlimmste verhindern.

Das Schlimmste ist das Abtreten der Menschheit von der Erde. Der US-Pentagon legt auch angesichts dieser Zukunftsgefährdung Programme auf: Seine Strategie im Angesicht der Klimakatastrophe mit den dazu-gehörigen Kälterekorden, Trockenheiten und Orkanen, mit Ernährungs-Wasser- und Energie-Katastrophen besteht im Grenz- und im globalen Konfliktmanagement. (http://halfgeek.net/weblog/special/gwreport/ Pentagon.html Zugriff 18.10.09) Hier nennen sie ‚Krieg’ Management.

Die so genannte Sicherheitspolitik erweist sich immer klarer als ihr genaues Gegenteil; statt die Zukunftsgefährdungen anzugehen, nimmt man sie und ihre Konsequenzen hin und reagiert militärisch, solange es noch geht. Die NATO nennt den digitalen Krieg „ALI“, was Air-Land-Integration heißt. Cyberspace‘ geht begrifflich noch weiter, nämlich ins All und in unsere Online-Verbindungen im Wohnzimmer und in unseren Hosentaschen.
Digitalisierung heißt wie in der Realökonomie die Entkoppelung von menschlichen Aktivitäten und Abläufen im Steuerungsprozess.

Dass dadurch die Kriegsgefahr gesteigert wird, verdeutlicht der Anteil des sowjetischen Oberstleutnants Petrow an unserer aller Überleben; denn er hat 1983 die vorgeschriebene Handlung, den Atomkrieg auszulösen, nicht vollzogen, weil er beim Alarm eines Angriffs auf die UdSSR durch 5 Interkontinentalraketen vom gesunden Menschen-verstand geleitet davon ausging, dass fünf Raketen nicht für den Erst-schlag reichen, und so hielt er das für einen blinden Alarm ignorierte die Meldung. Und es war in der Tat eine Störung. Dieser Zivilcourage, sich über die Anweisungen und Abläufe hinwegzusetzen, verdanken wir alle – wohl auch hier im Saal – vermutlich wirklich unsere Unversehrtheit.

Und das wird jetzt gerade geändert, denn die Digitalisierung verkoppelt Mensch und Waffentechnik zu einem … „militärischen Mensch-Maschine-System, wobei die … Rolle des Menschen tendenziell abnimmt. Automatisierung und Digitalisierung der Kriegsführung charakterisieren den Hightech-Krieg des 21. Jahrhunderts“. So schreibt es Roman Schmidt-Radefeld in seinem aktuellen Buch über Digitalisierung des Krieges. (http://www.nomos-shop.de/_assets/downloads/978383297 1984_lese01.pdf )

Diese Entkoppelung von menschlicher Ablaufbeeinflussung und konkreter Praxis erobert bereits neben der Ökonomie auch unseren Alltag wirklich bis hin zu bedrohlichen Szenarien, die aktuell bereits Konturen annehmen: Samsung entwickelt Tötungsroboter für das Alltagsleben, einen Wachroboter zur Objekt-sicherung mit Aufklärungssensoren und einem Sturm- oder Maschinengewehren. (http://www.golem.de/0701/50167.html) In Russland tauchten auf dem Haushaltswaren-markt Bügeleisen und Teekessel aus China auf, die sich in die umliegenden WLAN-Netzwerke einloggen können. „Möglicherweise …sollten so Daten gesammelt werden und auf Server im Ausland geschickt werden.“ (Stern 49/2013)

Frieden-Kunst

Unvorstellbares wird auch im Kriegshandwerk direkt sichtbar: Die Drohnen-Debatte dreht sich um Geräte, die noch eher als Ausnahme wahrgenommen werden. Wer weiß schon, dass heute in der US-Armee mehr ‚Piloten für die Fernsteuerung von Drohnen ausgebildet werden, als für bislang als normal angesehene bemannt Flugzeuge? (Arte-Doku ‚Drohnen – Von der Überwachung zur Waffe´, 7.11.13)

Drohnen sind nur ein Element der Kriegsführung im 21. Jahrhundert, ein Unterpunkt. Denn es geht um viel mehr als um dessen Fernsteuerung, wie sich schon jetzt deutlich zeigt, um eine Neudefinition der Rolle des Menschen dadurch, dass er sie im Zuge der Übernahme von geistigen Prozessen durch Programme und elektronisches Gerät zunehmend verliert.

Ex-Innenminister Gerhard Baum hält diese Entwicklung für gefährlicher als die Erfindung der Atombombe, er ergänzt, die Digitalisierung mit der Erfindung des Buchdrucks zu vergleichen, sei eine Untertreibung.
( ARD: ASPEKTE 19.07.2013)

Wie konkret der Prozess vorangeschritten ist, lässt sich erahnen, wenn man sich Einzelheiten zum Computerwurm der USA und Israels Stuxnet gegen iranische Atomanlagen verdeutlicht. Im Iran waren nach der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 26.9.2010 30 000 Rechner in Industrieanlagen von Stuxnet infiziert, weltweit sollen es weit über 50 000 gewesen sein.

Die US-Website „how stuff works“ (http://computer.howstuffworks.com/ cyberwar.htm) kein-gerechter-kriegverdeutlicht, was alles von digitaler Zerstörung betroffen sein kann: Alle Notfall-Systeme, Bankleistungen, Kraftwerke, die Wasser- und Gasversorgung, Waffen-Systeme, Computernetzwerke, alle Systeme, auf deren Funktionieren unsere Gesellschaft aufbaut. Was sich hinter unseren Augen abspielt, übertrifft den Sprung im Kriegshandwerk vom Pferd zum Panzer um Welten. In den USA kursiert das Motto ‚Vom Blitzkrieg zum Bitskrieg‘, und es wird in Deutsch geschrieben, so wie auch die Begriffe Kindergarten und Berufsverbote. „Cyberwar kann im 21. Jahrhundert das werden, was Blitzkrieg im 20. Jahrhundert war, …Netzkrieg kommt in gesellschaftlichen Kämpfen zur Anwendung.“ (http://www.rand.org/pubs/reprints/RP223.html)

Passend dazu ist dieses Zitat aus dem Netz: „Scriptkiddies haben schon mehrfach bewiesen, daß sie allein eine Menge Schaden anrichten können. Es ist auch nicht… haufenweise Geld notwendig, …. Ein kompetentes und gut vernetztes Kollektiv allerdings schon.“ (http://aka.blogsport.de/?p=1116)

Was diese Kinder treiben, haben Nato und Bundeswehr sehr gut verstanden:
„Mit der Neuausrichtung wird die Bundeswehr …über ein breites und flexibles militärische Fähigkeitsspektrum verfügen.“ (Broschüre ‚Neu-ausrichtung der Bundeswehr‘)

In der Nato-Buchveröfftlichung ’Technical, Strategic and Legal Implications of Using Automatic Methods in Cyber Conflicts‘(http://ccdcoe.org/cycon/532.html) geht es darum, dass sich die Grenzen verwischen zwischen Cyber (=Net-) und normalen physikalisch-kinetischen Angriffen hin zu automatischen >>Operationen Cyberwar<< lesen wir im Netz, dass alle mit dem Netz verknüpften oder verknüpfbaren Systeme ein mögliches Angriffsziel sein können: Notfallsysteme, Finanzmärkte, Kraftwerke und Energiesysteme, Wasser- und weitere Pipelines, Waffensysteme und Kommunikationsnetzwerke. http://computer.howstuffworks.com/cyberwar.htm Und es heißt da dann weiter: Das ist lediglich der Anfang im Zeitalter der Informationsrevolution.

Das hat auch die Bundeswehr verstanden. Im Text des aktuell zur Abstimmung anstehenden Koalitionsvertrages heißt es: „Mit ihrer Neuausrichtung wird sie auf die veränderten sicherheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts aus-gerichtet. Wir werden diese Neuausrichtung konsequent fortsetzen und zum Erfolg führen.“
Und siehe da: am 6.12.13 stand bei Spiegel online: „Digitaler Truppeneinsatz: Bundeswehr meldet sich bereit zum Cyberwar http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/bild-836991-35745.html 5.6.12

Kommando Hack: Mit Angriffen auf gegnerische IT-Netze kann die Bundeswehr nun auch im Cyberwar mitmischen, heißt es in einem Bericht an den Bundestag. Doch wann die Informatiker-Truppe überhaupt zur Tastatur greifen darf, bleibt unklar.“
Wo die Reise hingeht, das zeigt die „Geschichte der Cyberangriffe – eine Zeitleiste* Auf der NATO-Website Unter ‚APRIL 2007’ finden wir, was schon längst möglich ist: Die Regierung von Estland – wie später auch Georgien – war im April 2007 Cyber-Opfer mit dem zeitweisen Zusammenbruch der Regierungs-Websites und des online-banking. (http://www.nato.int/docu/review/2013/Cyber/timeline/DE/index.htm)

Am 4. Juni des laufenden Jahres 2013 vereinbarten die zuständigen Nato-Minister in ihrem ersten Treffen zum Thema Cyberwar, dass die auf dem Chicago-Gipfel letztes Jahr beschlossene Zentralisierung der Cyber-Aktivitäten unter dem Begriff “Computer Fähigkeit” im Herbst 2013 vollzogen sein soll. http://www.hq.nato.int/cps/en/SID-75F7F24F-5A0D2A66/natolive/topics_78170.htm?

Man ist sich dabei nicht nur der Tatsache bewusst, dass hier die Grenzen zwischen physisch-realem und digitalem Netz-Krieg verwischen, sondern damit die Grenzen zwischen Krieg und Frieden.

Das geht – wie wir gesehen haben – bis zu einem Cyber-Netz-basierten Atomkrieg ohne Bombe durch die Umwandlung von Kraftwerken in Waffen: (http://www.welt. de/wissenschaft/article11188805/Wie-Computerviren-Atomanlagen-manipulieren.html)
Und dabei verwischen auch noch die Grenzen zwischen dem Grundgesetz und der Realität, wenn das Bundeswirtschaftsministerium mit dem Bundesministerium für Verteidigung eine gemeinsame Tagung zur Integration von Space (also All, derzeit Satellitensysteme) bis zum Cyperbereich (also dem Internet) durchführt, wie am 27.6.13 in Kalkar. Dort tagte eine sogenannte Programmkommission zum Thema.

Man scheint sich auf die netzbasierte Atom-Option nicht zu verlassen, denn in Chicago vereinbarte die Nato auch, 5 113 Atomwaffen für hunderte Mrd $ zu „renovieren“ .
Im Koalitionsvertragstext dazu steht: „Gemeinsam mit unseren NATO-Partnern setzen wir konsequent der Beschlüsse von Chicago zur strategischen Neuausrichtung … um.“ (CDU CSU SPD Vertragsentwurf)

In Kombination mit den offensiven Cyberspace-Optionen, die man weiterentwickelt, ist das ein Gefahrenmix für das Überleben der Menschheit, der – wie wir mehrfach sehen mussten – allzu leicht außer Kontrolle zu geraten droht. Und dann wird kein Gott der Menschheit Gnade erweisen. NSA, die Rüstungsprogramme und teilweise bekannt gewordenen Skandale zeigen: Was technisch möglich ist, wird dann auch von Fachidioten und Unverantwortungsträgern in die Realität umgesetzt, wenn wir es nicht verhindern…
Konsequenzen aus der Digitalisierung für die Friedensbewegung: Wir müssen das menschliche DENKEN UND HANDELN ändern, ehe wir der Geister nicht mehr Herr werden, die es hervorgebracht hat.

Cyberwar und Roboterisierung sind in einer UNO-Konvention und hier in Deutschland zu verbieten. 

Die Friedensbewegung muss auf eine möglichst effektive Koordination in sich und mit den ökologischen und sozialen Bewegungen der Gewerkschaftsbewegung hinwirken. Für den Augenblick heißt das: Wir verstärken jetzt die Anti-Drohnen-Kampagne, die aktiv in der Gesellschaft besonders Umstrittenes aufgreift

..Wir müssen ins immer den neuralgischsten Punkt für unsere Friedensarbeit heraussuchen, das breite Bündnis aller am Leben Interessierten konkret über die vorhandenen Organisationsformen schmieden, aufklären, den Herrschenden keine Ausflucht oder Nebelkerze abkaufen, und beharrlich die Infrastruktur aufrechterhalten und vo immer möglich ausbauen- mit der Konsequenz der Ostermarsch-Bewegung, die seit der Kampagne „Kampf dem Atomtod“ bis heute die Glut in unseren Herzen und Aktionen am Glimmen hält, um im Falle des nächsten Aufschwungs der Bewegung einen Erfahrungsschatz zur Verfügung stellen zu können, der sogleich überregional und vor Ort die Kräfte mobilisiert. …

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