Helikopter Eltern in der Verwöhnungsfalle – Interview mit Dr. Wunsch

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Herr Wunsch, vor gut zwei Monaten ist das Buch von Josef Kraus: „Helikopter Eltern. Schluss mit  Förderwahn und Verwöhnung“ auf den Markt gekommen. Nun ist es bereits in der dritten Auflage erschienen und hat auch schon einen Platz in der Spiegel-Bestsellerliste gefunden. Was unterscheidet sein Buch von Ihrer Verwöhnungsfalle?

A.W.: Da gibt es viele Gemeinsamkeiten. Auch der Verwöhnungsfalle folgten nach der Erstveröffentlichung im Jahre 2000 schnell etliche weitere Auflagen. Ebenso war das Medien-Echo recht groß. Viele TV- bzw. Radio-Sender und Zeitschriften brachten Beiträge oder Interviews und schoben damit das Leseinteresse kräftig an. Ein bedeutender Unterschied liegt wohl darin, dass Herr Kraus seine Beispiele vornehmlich auf den Schulalltag und den in diesem Umfeld zu beobachtenden Förderwahn legt. Außerdem hatte der recht provokante Begriff ‚Helikopter Eltern’ noch keinen Einzug in die deutsche Sprache gefunden. Dass schon vor gut 15 Jahren, als im Vorfeld der Buchveröffentlichung mein Artikel „Droge Verwöhnung“ in der Wochenzeitschrift DIE ZEIT erschien, reichlich Prinzen und Prinzessinnen in deutschen Kinderzimmern heranwuchsen, ist durch viele Fakten belegbar.

Übrigens reagierte Zeit-Mitherausgeber Helmut Schmidt auf den Beitrag vom 1.10.1998 mit: „Großes Lob, der Autor hat in allen Punkten recht“. Der Leitgedanke, mein ‚Kind soll es einmal besser haben’ wurde und wird mit der Maxime gleichgesetzt, dem Nachwuchs möglichst viele Hindernisse aus dem Weg zu räumen bzw. gezielt hürdenfreie Wege vorzugeben. So trieb der Kult um die immer weniger werdenden Kinder tragische Blüten. Dass damit gleichzeitig die Eigenverantwortung des Nachwuchses drastisch reduziert wird, scheint kaum jemand zur Kenntnis nehmen zu wollen.

Was ist nun genauer unter Helikopter-Eltern zu verstehen?

A.W.: Auch wenn der israelischen Psychologe Haim Ginott den Begriff der helicopter parents schon im Jahre 1969 ersonnen hatte, populär wurde er vor ca. 10 Jahren durch die amerikanische Familientherapeutin Wendy Mogel. In den USA wird, so Josef Kraus in seinem Buch-Vorwort, zwischen elterlichen „Rettungs-, Kampf- und Transport-Hubschraubern“ unterschieden. Wer die Vergleiche mit diesem fast überall starten und landen könnenden Fluggerät nicht mag, sollte trotzdem sein eigenes Verhalten kritisch überprüfen.  Denn dass Eltern ihren Nachwuchs in unangemessener Weise vor alltäglichen Gefahren schützen wollen, anstelle ihrer Kinder – ob am Sandkasten, in der Schule oder beim Nachwuchs-Fußballclub – in die Kampf-Arena steigen oder ihre Töchter und Söhne ständig herumchauffieren, ist zur ‚Normalität’ geworden. Der dänische Familientherapeut Jesper Juul, der als Verfechter einer entspannten Erziehung gilt, beschreibt in einem Spiegel-Interview die Folgen von Überbehütung noch drastischer: ‚Verwahrlosung, Ignoranz und Desinteresse’, so argumentiert er, ‚richteten gar weniger Schaden in Kinderseelen an als jener Narzissmus, der den Nachwuchs glücklich und erfolgreich sehen will, um sich selbst als kompetent zu erleben’. „In Dänemark nennen wir sie Curling-Eltern, weil sie wie beim Eisstockschießen alle Hindernisse vor ihrem Kind aus dem Weg räumen“, sagt Juul. „Sie ersparen ihren Söhnen und Töchtern sogar den Anblick eigener Trauer, etwa beim Tod der Großeltern. Solche Kinder wissen nichts über andere Menschen und nichts über sich selbst. Sie wissen nicht, was es heißt, traurig oder frustriert zu sein, sie kennen deshalb kein Mitgefühl.“

Und was hat sich in den 13 Jahren nach dem Erscheinen Ihres Buches getan?

A.W.: Auf das Buch bezogen sind zwei Ereignisse zu nennen: Die Übersetzungen für Korea und China, weil sich in diesen Ländern ebenfalls die Verwöhnung rasant ausbreitete und die im Februar dieses Jahres als 14. restlos überarbeitete und wesentlich ergänzte Neuauflage des Longsellers. Bezogen auf das verwöhnende Verhalten im Umgang mit Kindern verdeutlicht ein Blick ins Helikopter-Eltern-Buch: Das erzieherische Unvermögen im Umgang mit unseren Kindern ist extrem steigerungsfähig. Der Irrglaube, dass eine Ausgrenzung von kindgerechter Anstrengung und Mühe den Start ins eigenständige Leben erleichtern könne, verbreitet sich rasant. Aber wie können sich Kinder auf die Herausforderungen des Lebens als Erwachsene in Beruf, Familie und Freizeit vorbereiten, wenn ihnen das notwendige Einübungsfeld verwehrt wird? So verdeutlichen die alltäglichen Realitäten immer wieder neu: Wer Selbstverantwortung und Eigenständigkeit nicht erlernt, kann nicht zielorientiert und erfolgreich Handeln, wird kaum zu einer zufriedenstellenden Selbstwirksamkeit gelangen. Insofern führt dieses allgegenwärtige Vorenthalten von altersgerechten Herausforderungen unsere Kinder gezielt zu Nichtkönnen und Versagen. Viele Probleme in Beruf und Partnerschaft haben hier ihren Ursprung.

Herr Kraus geht davon aus, dass ca. 15% der Eltern zu den Überbehütenden zu zählen sind. Teilen sie diese Einschätzung?

A.W.: Was den ‚harten Kern’ betrifft, mag diese Zahl vielleicht stimmen. Da aber die Grenzen sehr fließend sind, gehe ich von einem wesentlich größeren Anteil verwöhnender Erziehungspraktiken aus. Insgesamt existieren zu viele Wattepolster im Umfeld von Kindern, sie werden gezielt in ihrem eigenständigen Aktionsraum durch ‚das mach ich schon für Dich’ behindert. Auch eine altersgerechte Einbeziehung in Hausarbeiten fehlt weitgehend. Eine Folge ist, dass Kinder sich kaum Brote schmieren können oder ihre Betten in der Jugendherberge nicht machen wollen oder können. Zu Häufig wird anstelle der Betroffenen gehandelt. So wird getragen und gefahren, wo eigene Fortbewegung notwendig wäre. In Großstätten wurde z.B. herausgefunden, dass ca. 30% der zur Schule gefahrenen Kinder einen Fußweg von unter 800 Metern hatten, andere werden trotz ÖPV-Ticket mit dem PKW von Papa oder Mama zur Schule oder den diversen Freizeit-Aktivitäten gebracht. Auch bei auftretenden Konflikten beteiligen sich zu Eltern eher als Konflikt-Löser und zu selten als Lösungs-Moderatoren. Bei gesundheitlichen oder schulischen Belastungen wird nicht das Durchhalten trainiert, sondern es werden Entschuldigungen fabriziert. So teilte mir eine Schulleiterin aus dem Raum Frankfurt mit, dass im Sportunterricht immer mehr Mädchen bis zu drei mal im Monat – wenigsten nach Aussage der schriftlichen Entschuldigungen der Mütter – ihre Mensis hatten. Eine Analyse der Erziehungspraxis verdeutlicht, dass überbehütende Umgangsstile insgesamt auf dem Vormarsch sind. Ist es hier die fehlende Bereitschaft von Eltern, normale Widerstände oder Meinungsdifferenzen auf dem Weg zur Eigenständigkeit der Kinder aushalten zu wollen  bzw. zu können, scheuen dort die Fachkräfte in den Kindergärten den möglichen Konflikt mit den Eltern. Insgesamt werden pädagogische Einrichtungen immer stärker als Dienstleitungs-Institution gesehen, in welchen Eltern selbst festgesetzte Leistungen erwarten bzw. bestellen. Das Erlernen von Eigenständigkeit, Verantwortungs-Bewusstsein oder sozialem Verhalten, besonders in Konfliktsituationen, wird nur dann akzeptiert, wenn das eigene Kind dabei geschont wird. Und auch in der Schule wird auf demselben Hintergrund zu Vieles durchgehen lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Fähigkeit von Eltern und anderen Erziehungskräften, Kindern adäquate Unterstützung bei ihren Vorhaben geben zu können, immer mehr abnimmt.

Welche Folgen dieser Entwicklung sehen sie?

A.W.: Hier geht es gar nicht darum, was ich sehe, sondern was wir insgesamt erkennen können. So bescheinigt die deutsche Wirtschaft den Schulabgängern seit Jahren Motivationsschwäche, unzureichenden Wettbewerbswillen sowie die Unfähigkeit, Probleme eigenständig zu lösen. Gleichzeitig werden händeringend qualifizierte Arbeitskräfte gesucht. Lehrlinge als ‚potentielle Störfälle‘ sind jedoch nicht erwünscht. Ausbilder sind es leid, anderer Leute ungeratene Kinder erziehen zu sollen. Als Gründe der Probleme werden schwierige häusliche Verhältnisse, Lernfrust, Arbeitsentwöhnung und ein allgemeines Desinteresse angegeben.  Je nach Branche brechen 20–30 % der Jugendlichen eine begonnene Berufsausbildung in den ersten Monaten ab, meistens jedoch nicht  wegen einer möglichen beruflichen Fehlentscheidung, sondern aus Gründen fehlender Belastbarkeit bzw. Einsatzfähigkeit. Im Bereich des Studiums sieht es nicht anders aus. Insgesamt haben 28 % derjenigen, die 2006/2007 an Fachhochschulen ein Bachelor-Studium angefangen haben, dieses abgebrochen. Zwei Jahre zuvor waren es 25 %. Ob die Reduzierung der Abbrecher-Quote im Jahrgang 2010 auf 19 % Bestand hat, wird sich nach dem Abschlussexamen zeigen. An den Universitäten, wo die Studiengänge in der Regel später als an den Fachhochschulen umgestellt wurden, sind die Abbrecherzahlen innerhalb von vier Jahren von 25 % auf 35 % angestiegen.

Ist das eine deutsche Entwicklung oder sieht dies in anderen Ländern ähnlich aus.

A.W.: Da die verwöhnende Entwöhnung von wichtigen Erfahrungsfeldern auf dem Weg des Erwachsenwerdens überwiegend ein Phänomen von Wohlstandgesellschaften ist, meist in der Kombination mit einer geringen Kinderzahl, sieht es in den entsprechen Ländern sehr ähnlich aus. Ein aus Nigeria stammender Hochschullehrer berichtete von seinem Start an einer USA-Universität: „Die Studenten können/wollen gar nicht mehr in Vorlesungen mitschreiben oder bei Diskussionen mitdenken. Sie kommen in die Seminare zum ‚Material-Shopping’. Alles soll auf den PC gebracht werden, um es für Prüfungen kurzzeitig reproduzieren zu können.“

Die FAZ vom 19.9.2913 titelt auf der Seite „Beruf und Chance“: „Jung, gebildet, arbeitsscheu? Die Generation Y erobert die Welt“. So hat die Zeitschrift „Time“ den Millennials gerade eine Titelgeschichte gewidmet. Eine junge Frau blickt dabei bewundernd auf ihr Smartphone, offenbar kurz davor, ein Foto von sich selbst zu schießen. „Faul, narzisstisch und mit großer Anspruchshaltung“, nennt das Magazin diese „Me Me Me Generation“, der es offenbar nur um sich selbst gehe. Jason Dorsey – ein Kenner der  Generation Y – verdeutlicht, dass die Millennials ein übersteigertes Selbstbewusstsein mitbringen. Das heißt zum Beispiel: Sie haben den Anspruch, einmal Vorstandsvorsitzender zu werden, aber nicht unbedingt die Bereitschaft, die nötigen Anstrengungen zu investieren.

Dorsey sieht in der Generation „ein um drei bis fünf Jahre verzögertes Erwachsenwerden“, das sich darin zeige, dass sie länger studieren und später Familien gründen. Viele amerikanische Millennials seien von wohlmeinenden Eltern verwöhnt worden, die wollten, dass ihre Kinder es leichter haben. Das erkläre die hohen Erwartungshaltungen. Ein Fazit: „Die Generation Ich-ich-ich ackert nur am Smartphone“. Auch in China hat sich laut FAZ das Phänomen der Überbehütung etabliert. Wie alles in China ist auch die Generation Y dort riesengroß, sie umfasst mindestens 200 Millionen Personen. Sie kamen nach der Kulturrevolution zur Welt, haben wegen der Einkindpolitik zumeist keine Geschwister, genießen in der Ausbildung, im Arbeitsleben und im Privaten größere Freizügigkeit und mehr Auswahl.

Aber sie werden auch früh gedrillt und getriezt, um gute Schulen und Universitäten besuchen zu können. Der Bildungsgrad ist viel höher als früher, aber viele Einzelkinder gelten als verhätschelt. Viele Junge lehnen das überkommene Arbeitsethos der Älteren ab, nach dem man viel arbeiten, sich bescheiden, sparen und gehorchen soll. Aber Geld zu haben ist den Nachwachsenden mindestens ebenso wichtig wie den Generationen zuvor. Junge Chinesen wollen so schnell wie möglich an die Spitze kommen, viel verdienen, das auch nach außen zeigen, etwa mit Statussymbolen wie schicken – zumeist deutschen – Autos, und sie streben ein hohes gesellschaftliches Ansehen an. Gibt es im Land der aufgehenden Sonne bald nur noch „gedrillte Einzelkinder mit Hang zu Statussymbolen?“

Wie erklären Sie sich diesen Trend?

A.W.: Ein wichtiger Aspekt, um zu verstehen, warum diese junge Generation so ist wie sie ist, scheint mir auf unser Land bezogen Folgendes zu sein. Den nach 1980 geborenen Kindern ist sehr viel auf dem Silbertablett serviert worden. Sie haben selten die Konsequenzen ihres Verhaltens überhaupt zu spüren bekommen. Bei eindeutigen Regelverstößen gab es anstelle von Konsequenzen Nachsicht und eine Faulheits-Fünf in Mathe löste im Zweifel keine Auseinandersetzung bzw. klare Lernziel-Vereinbarung aus, sondern eine elterlich finanzierte Nachhilfe. Häufig wurden auch die Schulen für solche Minderleistung verantwortlich gemacht. So entwickelte sich eine Generation, welche zwar dauernd unter Strom steht, der aber trotzdem oft die notwendige Lebens-Energie fehlt.

Eine Zeitungsüberschrift titelte diese begrenzte Einsatzfähigkeit so: „Satte Bäuche mögen keine Leistung!“ So wuchsen und wachsen anstelle von Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung deutliche Ansprüche, bei gleichzeitiger Anstrengungsverweigerung. Alle wollen sich viel leisten aber zuwenige wollen dafür auch Leistung erbringen. Das sich die Nachwuchs-Generation selbst in einem zum Bestseller gewordenen Buch als „Generation doof“  bezeichnet bzw. diese Etikettierung locker zur Kenntnis nimmt, verdeutlicht, dass Selbstbild und Außeneinschätzung nahe beieinander liegen. Auf diesem Nährboden halten Viele ein anstrengungsloses Leben für selbstverständlich. Diese Auswirkungen einer solchen Lebens-Maxime habe ich in dem Buch: „Abschied von der Spaßpädagogik“ anschaulich  – inklusive der vielen Risiken – beschrieben.

Auf den Schulalltag bezogen bietet das Buch von Josef Kraus reichlich Beispiele. Kennen sie Fälle aus anderen Bereichen?

A.W.: Hier einige Fakten aus Auswertungsgesprächen mit Verantwortlichen für Kinder- und Jugend-Ferienfreizeiten: Wenn die TeilnehmerInnen, wie in diesem Fall vorher in den Anmeldebedingungen festgelegt, ihre Handys bzw. Smartphons nach der Ankunft am Ferienort – meist widerwillig – abgeben, kommen sie nach kurzer Zeit mit zitternden Händen, um Ihr Multi-Gerät doch mal ‚ganz kurz’ nutzen zu dürfen. Schließlich gäbe es Zuhause gar keine Begrenzungen. Aber auch die Eltern scheinen mit dem Leben in Ferienfreizeiten ihre Probleme zu habe. Da holt eine Mutter ihre zwei Töchter in der Nacht von einem Zeltplatz ab, weil ein Mädchen aus der Zeltgemeinschaft nach Info durch die Töchter ‚doof und übergriffig‘ sei.

Der hauptamtliche Sozialpädagoge konnte die plötzlich aufgetauchte Mutter durch nichts stoppen. „Wenn meine Töchter sagen, ‚die‘ sei unmöglich, dann hole ich sie nach Hause und dann gibt es auch mit Ihnen nichts zu reden.“ Gleichzeitig hatte sie die Mutter einer Freundin der Töchter entsprechend informiert, welche ebenfalls zur Zeltgemeinschaft gehörte. Auch diese kam nachts, um ihre Tochter aus solch unsäglichen Bedingungen zu befreien. Die gezielte Recherche des Sozialpädagogen ergab, dass es bei einem abendlichen Fangspiel in einem nahen Wäldchen zu einer ‚Konfrontation’ gekommen sei. Fakt war, dass das ‚doofe’ Mädchen die Geschwister-Mädchen ‚per Abschlag‘ als gefangen erklärte (so die Spielregel dieses Programmpunktes), weil die beiden Mädchen der eigenwilligen Mutter halt zur ‚gegnerischen‘ Mannschaft gehörten. Dieser Körperkontakt wurde als tätlicher Übergriff gewertet. Eine andere Mutter versorgte mehrfach während der Freizeit die Tochter mit ihrem Lieblingsessen, weil ihr einige Produkte der Freizeit-Küche doch recht fremd seien und sie diese eigentlich nicht mochte.

Eine Mutter kam, die Ferienfreizeit war nicht so weit vom Wohnort, täglich abends vorbei, um sich zu vergewissern, dass das Handy der Tochter auch noch aufgeladen sei. Wenn nicht, hatte sie ein Austauschgerät dabei. Bei diesen mütterlichen Aktionen wurde ein Kontakt zu den Leitungskräften gezielt vermieden. Als eine Leitungskraft die ‚Handy-Mutter‘ gezielt bei ihren abendlichen Aktivitäten ansprach, wieso sie denn ständig komme, schließlich würden die Leitungskräfte bei Bedarf doch wichtige Infos an die Eltern geben, kam der Kommentar: „Sie als Mutter müsse immer überprüfen können, wie es ihrer Tochter gehe.“ Die Kinder selbst schienen die mütterlichen Aktionen eher hinzunehmen. Das Gesamtfazit der Leitungskräfte: Mit den Kindern und Jugendlichen sind wir – nach einer kurzen Einfindungsphase –  recht gut klar gekommen, wenn nur nicht die Eltern (Mütter) dauernd gestört hätten. Auch wenn diese Begebenheiten aus der Perspektive der Jugendarbeit nicht als repräsentativ anzusehen sind, sie werfen aber deutliche Frage zur Erziehungsfähigkeit der Beteiligten auf. Wenn jedoch Ängstlichkeit und eigenes Unvermögen zum Maßstab des Handelns werden, wird eine in die Zukunft führende ermutigende Erziehung vereitelt.

Copyright: Dr. Albert Wunsch, 41470 Neuss, Im Hawisch 17

Noch eine aktuelle Buchempfehlung: 

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„Wenn Angela Merkel in Verbindung mit Pippi Langstrumpf im Bundestag zum Thema wird, ist dies ein genaueres Hinsehen wert. Auch wenn der als Agitation initiierte Vergleich der deutschen Bundeskanzlerin mit der schwedischen Kinderbuch-Romanfigur zum Heiterkeit auslösenden Fehlgriff wurde, bei genauerem Hinsehen ergeben sich etliche Gemeinsamkeiten. Beide prägt ein lebensbejahendes Selbstwertgefühl, eine Gewissheit, mit allen Anforderungen und Herausforderungen des Lebens irgendwie umgehen zu können“, so der Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch und fügt hinzu: „Während Pippi Langstrumpf  sich das kindliche Ur-Vertrauen bewahrt und das Wissen verinnerlicht hat: ‚Es ist schön, dass ich da bin‘ und sich eine Welt schaffte, wie sie es möchte, muss die Kindheit von Angela Merkel in der Abgeschiedenheit der Uckermark durch viel Zuwendung und Zutrauen – ganz ohne Kinder-Krippe und Hort – geprägt gewesen sein. Sie muss sich  innerlich und äußerlich gehalten und getragen gefühlt haben.“   

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