Guy de Maupassant über die Verlogenheit

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Die Rechtsbeugung durch “honorige” Personen in Amt und Würden,
die Dreistigkeit und Verlogenheit der Politikdarsteller seit Jahrzehnten,
ausnahmelos aller Bundesregierungen und “Realpolitiker”,
die Bespitzelung der Bürger und das Brechen des Postgeheimnisses,
die Umtriebe von Verfassungsschützern seit den Zeiten der Gestapo, Stasi bis heute,
das ganze System von Versprechen und Wortbruch, von Lug und Trug,
den Steuersündern in Aufsichtsräten und ihren jovialen Freunden und Gesinnungsgenossen …

es-stinkt

Alles dies veranlasste mich, kurz aus einer Novelle von Guy de Maupassant zu zitieren:

In der Novelle “Die Tote” beschreibt Maupassant den Verlust eines Liebenden, seine Trauer, der ihn zwingt die erste Nacht nach dem Begräbnis seiner Liebsten auf dem Grabe zu verbringen. Nahe, ganz nahe, so nahe wie möglich… Und was er dann erlebte, sah und empfand schilderte er in diesen Worten:

“… Plötzlich schien es mir, als ob die Marmorplatte, auf der ich saß, sich bewegte. Ja, sie bewegte sich, als hätte man sie emporgehoben. Mit einem Satz sprang ich auf das benachbarte Grab und sah, sah wie der Stein, auf dem ich eben gesessen, sich emporrichtete und der Tote erschien, ein nacktes Skelett, und den Marmor aufhob mit dem gekrümmten Rücken. Ich sah, sah es ganz deutlich, obgleich die Nacht dunkel war. Und auf dem Kreuze konnte ich lesen: »Hier ruht Jaqueau Olivant, gestorben im einundfünfzigsten Jahr seines Lebens. Er liebte die Seinen, war brav und gut, und starb im Frieden Gottes.«

Nun begann auch der Tote zu lesen, was auf dem Grabe stand. Dann nahm er einen Stein vom Weg, einen kleinen, spitzen Stein, und begann emsig an der Schrift zu kratzen. Langsam löschte er sie fort, indem er mit seinen leeren Augenhöhlen die Stelle betrachtete, wo die Buchstaben noch eben gestanden hatten. Und mit der Spitze des Knochens, der sein Zeigefinger gewesen war, schrieb er mit flammenden Lettern, wie Zeilen, die man mit einem Streichholz an die Wand malt:

»Hier ruht Jaqueau Olivant, gestorben im einundfünfzigsten Lebensjahr. Er trieb durch seine Härte, seinen Vater, den er zu beerben wünschte, in den Tod; er quälte seine Frau, peinigte seine Kinder, betrog seine Nachbarn, stahl wo er konnte und starb eines elenden Todes.«

Als der Tote fertig war, betrachtete er unbeweglich sein Werk. Und wie ich mich umwandte, bemerkte ich, dass alle Gräber offen standen, dass alle Leichen herausgestiegen waren, alle die Lügen weggelöscht hatten, die auf den Grabsteinen von den Hinterbliebenen eingegraben worden waren, um statt dessen die Wahrheit hinzuschreiben.

Und ich sah, dass alle, alle Henker ihrer Mitmenschen gewesen, voller Hass, Unehrlichkeit, Heuchler, Lügner, Betrüger, Verleumder, Neider, dass sie gestohlen, betrogen hatten, alles Schmachvolle und Böse vollführt. Sie alle diese guten Väter, diese treuen Gattinnen, diese liebevollen Söhne, diese keuschen, jungen Mädchen, diese ehrlichen Kaufleute, – alle diese Männer und Frauen, denen man nachsagte, dass sie tadellos gewesen.

Alle schrieben sie zu gleicher Zeit auf die Schwelle ihrer Erdenwohnung die grausame, furchtbare, heilige Wahrheit, die alle auf der Erde nicht kennen oder tun, als ob sie nichts davon wüssten …”

1 comment for “Guy de Maupassant über die Verlogenheit

  1. Josch
    8. August 2013 at 20:15

    Aber keiner von ihnen war so schlecht, dass er wirklich gar nichts taugte

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