Wohl bekomm’s

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Der CDU-Politiker Jens Spahn fordert, Eltern von Komatrinkern an den Behandlungskosten zu beteiligen. Richtig so, denn Veränderungen im Verhalten setzen erst ein, wenn man die Folgen spürt.

Nein, es geht weder um das Verteufeln von Alkohol noch um Gesundheitsfanatismus. Aber dass ein exzessiver Alkoholkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen für viele zum Freizeitsport wird, ist nicht hinnehmbar. Ob Karnevals-Treff, Wochenend-Fete oder Kneipenbesuch, immer häufiger sehen Jugendcliquen einen Anlass, sich – häufig schon „vorgeglüht“ – mit alkoholischen Getränken bis zum Umkippen volllaufen zu lassen. Innerhalb einer Trinkwette hatte sich beispielsweise ein 16-Jähriger in Berlin in einer Kneipe mehr als 45 Gläser Tequila reingeschüttet. Als Toter wurde bei ihm ein Alkohol-Pegel von 4,4 Promille ermittelt.

Dieses Jahr werden die Kosten auf bis zu 22 Millionen Euro steigen

Die Zahl der wegen Alkoholvergiftung eingewiesenen Kinder und Jugendlichen steigt beständig, wie Krankenkassen und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung berichten. „Alkohol ist bei Jugendlichen immer noch das am weitesten verbreitete Suchtmittel“, so Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise stiegen die Fälle einer vollrauschbedingten Einlieferung ins Krankenhaus vom Jahre 2000 bis zum Jahre 2009 um fast 170 Prozent, von 2003 bis 2012 um 60 Prozent an.

Laut Berechnungen der Krankenkassen liegen die stationären Kosten pro Fall bei circa 550,- Euro, plus die Kosten für den Einsatz der Rettungskräfte in Höhe von 200,- bis 400,- Euro. Während beispielsweise ältere Menschen schnell in eine Mangelversorgung geraten, kann ein von Jahr zu Jahr sprunghaft ansteigender Kreis von jungen Leuten ganz entspannt innerhalb der Maximen einer Spaßgesellschaft den nächsten Sauf-Exzess ansteuern. Für dieses Jahr werden die Kosten nach Berechnungen der Krankenkassen auf 20 bis 22 Millionen Euro ansteigen.

Bei allen Diskussionen und Präventionsinitiativen wird aber ein wichtiger Aspekt bisher konsequent ausgeklammert. Während die Krankenkassenbeträge steigen und die Leistungen reduziert werden, übernimmt der Sozialstaat – trotz leerer Taschen – großzügig die Rechnung der Vollrausch-Trinker für die medizinische Notintervention. Diese leichtfertige Übernahme der Folgekosten von Spaß-Saufen durch die Allgemeinheit ist zu stoppen. Einerseits sollen die teuren Präventionsprogramme der Bundesregierung dieses den Einzelnen und die Gesamtgesellschaft schädigende Verhalten des Nachwuchses reduzieren, aber gleichzeitig bleibt der Missbrauch von Hilfeeinrichtungen folgenlos und die Solidargemeinschaft tritt auch inkonsequenterweise für die finanziellen Folgen ein. Das grenzt fast an staatliche Beihilfe zum Missbrauch.

Daher wird hier gefordert, dass für diese Vorfälle unbedingt das Verursacherprinzip greifen muss: Wenn es sich herumgesprochen hat, dass die so gerne groß sein wollenden Jung-Trinker (erwachsene Vollrausch-Zeitgenossen sind natürlich gleich zu behandeln) vor ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus erst einmal ihre Rechnung zu begleichen haben, wird dies schnell in der Szene Wirkung zeigen. Und falls dem jungen Konto die Bonität fehlen sollte, können die Eltern ja mit einem Kredit aufs zukünftige Taschengeld einspringen.

Kaum war der Vorstoß des CDU-Politikers Jens Spahn, Eltern an den Behandlungskosten zu beteiligen, in der Öffentlichkeit, setzte die Abwehr ein. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung „hält eine Kostenbeteiligung für keine geeignete Maßnahme, um junge Menschen vom Rauschtrinken abzuhalten“. Das mag in Einzelfällen sein. Aber dann zahlen die Verursacher wenigsten die Kosten. DieNRW-Gesundheitsministerin geht noch weiter und lehnt „elterliche Strafzahlungen“ ab. Wie eine Ministerin die Übernahme der Folgekosten als Strafe bezeichnen kann, ist nicht nachvollziehbar. Da wird Nachhilfe zum Unterschied zwischen Zivil- und Strafrecht offensichtlich. Aber dieser Denkansatz wird – besonders von Politikern – immer dann eingebracht, wenn es um das Zulassen spürbarer Konsequenzen geht. Hier wird angemerkt, dass diese Idee zwar die wichtige elterliche Mitverantwortung ins Blickfeld rückt, aber auf keinen Fall die sich per Alkohol erwachsen zeigen wollenden Verursacher ernst nimmt.

Die Konsequenzen des Fehlverhaltens müssen deutlicher erfahren werden

Der Alltag lehrt uns immer neu: Veränderungen setzen meist dann ein, wenn uns die Folgen unguten Verhaltens an den Nerv gehen. Noch ist es recht selbstverständlich, dass Jugendliche für Vandalismus-Schäden altersgemäß in die Verantwortung genommen werden. Ob demnächst die Reinigungs- bzw. Wiederherstellungskosten von jugendlichen Sprayeraktionen auch über die Krankenkassen abgerechnet werden, weil sie Ausdruck einer punktuellen geistigen Verwirrtheit sind?

Ständige Appelle, in die Aufklärung investieren zu müssen, verdeutlichen nur, die Augen vor wichtigen Zusammenhängen zu verschließen. Dass Fett dick macht, Rauchen schädigt und Alkohol das Reaktionsvermögen reduziert bzw. ausschaltet und alle Suchtpraktiken die Gesundheit ramponieren, wissen die Betroffenen. Was fehlt, ist der Wille, diese Fakten auch zu berücksichtigen. Die Motivationsforschung lehrt uns, dass wir meist nicht aus Einsicht, sondern aus dem Vermeiden-Wollen deutlich spürbarer Nachteile lernen. „Den Schlaf des Geistes weckt der Schmerz“, sagt der Volksmund. Also müssen die Konsequenzen des Fehlverhaltens viel deutlicher erfahren werden. Die Kostenübernahme ist ein erster Schritt. Bei „Mehrfach-Tätern“ ist dann ein Verfahren wegen Behinderung von öffentlichen Notfalldiensten einzuleiten. Und wenn andere Jugendliche oder Erwachsene sich durch Alkohol-Überlassung, Anfeuern oder ausbleibende Stoppversuche an solchen Sauf-Aktionen beteiligen, sind diese sowohl zivil- als auch strafrechtlich in die Mitverantwortung zu nehmen.

Ein Beitrag von Albert Wunsch

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