Mali – Die heimliche Agenda des Kriegs

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Das militärische Vorgehen in Mali wird im Westen begrüßt. Aus ähnlichen Einsätzen in Afghanistan oder dem Irak müsste aber inzwischen die Einsicht gewachsen sein, dass ausländische Interventionen letztendlich zu einem Zulauf der Islamisten führen. Warum wurden und werden stattdessen nicht mehr die dialogorientierten Bewegungen im Land unterstützt?

Ein Gastbeitrag von Sigrid Lehmann-Wacker

Mali – Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Azawad_Tuareg_rebellion_2012.svg, Autor: Carport und Northnordwest

Präsident Hollande behauptete in einer Fernseherklärung vom 11.Januar 2013, Frankreich würde in Mali keine eigenen Interessen verfolgen, sondern nur den Kampf gegen islamistischen Terror führen. Fast alle hiesigen Medien übernehmen seitdem kritiklos diese Behauptung. Es werden Gräueltaten der Islamisten aufgeführt, um, wie schon einst im Vorfeld von Einsätzen in Afghanistan, Somalia, Irak oder Nigeria, die westliche Bevölkerung auf Krieg einzustimmen. Die Brutalität und der millionenfache Tod, den die „westliche Wertegemeinschaft“ über ein halbes Dutzend islamische Länder seit dem „Krieg gegen den Terror“ gebracht hat, stellt allerdings die Gewalt, die von den „Islamisten“ ausgeht, um ein Vielfaches in den Schatten. Der französische Staat zerbombt Städte in Mittel- und Nordmali. Schon am ersten Tag der Bombardements hatte es nach ersten Meldungen über hundert Tote gegeben, innerhalb weniger Tage erhöhte sich die Anzahl der Toten nach Angaben der Le Monde vom 15.01. 2013 auf 2500. Ein Ende des Blutvergießens ist nicht abzusehen, es droht ein zermürbender Guerillakrieg wie schon in Afghanistan.

Wofür? Geht es um die seit Jahrzehnten trotz enormer Bodenschätze ausgebeuteten und verarmten Menschen in Mali? Frankreich als Atommacht hängt von der Versorgung vom Uran ab. Im Norden des Landes befinden sich beachtliche, noch ausbeutbare Bodenschätze: Phosphat, Gas, Öl und Gold. Und…Uran! Der Westen hat mit Kriegsbeginn nun, was er seit Jahren will – Soldaten im Land! Viele sind schon seit Jahren unter dem Deckmantel der Schulung in der Region und kommen jetzt militärisch zum Zug, damit ein Einfluss auf die Politik verstärkt stattfinden kann. Es geht bei dem von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich initiierten Angriffskrieg in Mali vor allem um die Erhaltung auf den Zugriff und die möglichst profitreiche Ausbeutung der Ressourcen des Landes. Es geht auch um den Schutz der westlichen Investoren, die sich durch das militärische Engagement Frankreichs private Sicherheitskräfte sparen können.

Aus der Erfahrung von vergleichbaren westlichen Interventionen kann davon ausgegangen werden, dass Frankreichs Einsatz die terroristischen Gruppen zusammenrücken lassen wird. Die westafrikanische Region stand bisher in der traditionell toleranten Tradition der sufistischen Mystik, die nicht viel mit der Sharia-Politik gemein hat. Durch die bewaffneten Auseinandersetzungen mit ihren vielen zivilen Opfern wird sich die ethnisch und linguistisch stark ausdifferenzierte malische Bevölkerung vermutlich eher mit den islamistischen Bewegungen solidarisieren und diese erstarken lassen als mit dem Westen, auch wenn uns mediale Bilder von der Trikolore schwingenden Afrikanern etwas anderes weismachen.

Sind im Vorfeld wirklich alle Verhandlungslösungen ausgenutzt worden? 1994 und 1995 fädeltenzivilgesellschaftliche Akteure von beiden Seiten der jetzigen Kriegsgegner Friedensgespräche ein, die im März 1996 zu der großen Waffenverbrennung von Timbuktu, der „flamme de la paix“, führte.

Dieses Foto wurde von freundlicherweise von TripAdvisor zur Verfügung gestellt. Quelle: http://www.tripadvisor.de/Tourism-g293812-Mali-Vacations.html

Es kam damals zur Auflösung der damaligen Tuareg-Guerillagruppen und erstmals zu leichten Verbesserungen der Lebensbedingungen im Norden. Leider wurde und wird in den Medien sehr wenig über die zahlreichen Antikriegsinitiativen in Mali berichtet, so dass der Eindruck entsteht, eine militärische Lösung wäre alternativlos. Es gab in Mali zahlreiche kriegsgegnerische Demonstrationen von Jugendlichen, Aktionen von Frauenrechtlerinnen und zahlreichen anderen regierungsunabhängigen Gruppierungen.

Anders als in der hiesigen Berichterstattung wünschen sich immer noch viele Malier eine dialogorientierte Lösung. Die Stimmung ist kurz aus dem Wunsch, „etwas“ möge doch endlich passieren, umgekippt. Diese Stimmung wird sich aber wohl kaum lange halten, sieht man sich z.B. die „Beliebtheit“ der westlichen Militärs in Afghanistan z.B. an. Die Initiatoren von „Afrique-Europe-Interact“ sammeln immer noch für den „Weißen Marsch“, als Friedensmarsch von Mopti nach Douentza geplant, um kriegsverhindernde Verhandlungen zu unterstützen. Die Aktivisten engagieren sich immer noch dafür, die aktuelle Doppelkrise nicht nur mit den nomadischen Tuareg, sondern auch den verschiedenen Islamisten im Dialog zu lösen.

Alassane Dicko, Sprecher der Vereinigung der malischen Abgeschobenen (AME), die zum „Marche Blanche“ (Weißen Marsch“) in Mali aufruft, am 16.01. gegenüber dem Neuen Deutschland: „Das Unterstützerkollektiv setzt sich aus Gruppen der Koalition der Alternativen für eine Entwicklung, aus Basisvereinigungen und Organisationen, die Teil von Afrique-Europe-Interact sind, dem Block der Journalisten, dem nationalen Jugendrat, den traditionellen Kommunikatoren und feministischen Organisationen zusammen .Es gibt auch gute Verbindungen zu den Bauernorganisationen in den nördlichen Gebieten, zu den Fischern und zur großen Versammlung der Enteigneten, die gegen Landraub kämpfen, sowie zu den Gruppen der Vertriebenen, wie Studenten und Frauen, die aus dem Norden geflohen sind.“ Der geplante Marsch wird nach Aussagen der Organisatoren mindestens 40.000 Euro kosten, wobei die jeweils individuell getragenen Ausgaben der TeilnehmerInnen nicht eingerechnet sind. Die Kosten würden vor allem „für die aufwändige Logistik in der wüstenähnlichen Umgebung sowie Verpflegung und Transport.“ entstehen.

http://www.afrique-europe-interact.net

Spenden für den Weißen Marsch: Spendenkonto Afrique-Europe-Interact, Name: Globale Gerechtigkeit e.V. Kontonr: 2032237300, Bank: GLS Gemeinschaftsbank, BLZ 43060967

1 comment for “Mali – Die heimliche Agenda des Kriegs

  1. Markus Weber
    31. Januar 2013 at 23:55

    Stellt euch mal folgendes Szenario vor:
    Nicht Frankreich schickt seine Soldaten nach Mali, sondern
    China – mit dem Argument den „islamistischen Terror“ zu bekämpfen! Also ganz im Sinne der NATO…oder doch nicht…?????

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