Die Welt nach der UN-Klimakonferenz

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In der wohl spannendsten Phase der Menschheitsgeschichte fragt sich, ob wir den Titanic-Effekt vermeiden können, der bedeutet, dass Vorhersehbares wie die Kollision mit einem Eisberg, überraschend eintritt. Wir fragen uns mehr oder weniger bewusst, wie können wir mit uns in diesen gefährdeten Zeiten umgehen, mit unserem Leben, mit ein ander und mit der Welt. Der Arche-Noah-Effekt bedeutet, dass Mitmenschlichkeit, auch Liebe genannt – im Sinn von ‚Gefühl für die Seele’ –  nicht aufgibt, solange es Menschen gibt. Apokalypseblindheit darf nicht Ursache für den Untergang sein.

uno-klimakonferenzWährend wir zwischen Titanic und Arche Noah an seidenen Fäden tanzen, tickt die Zeit. Damoklesschwerter schweben an seidenen Fäden. All das zerreißt meine Seele fast in die-ser immer noch so wunderschönen Welt. Wenn wir doch nur mehr auf die Welt und auf uns achten! Mein Herz pocht. Ich atme tief durch. Das fühlt sich besser an, als Luft anzuhalten.

Militärische, soziale, ökologische  und wissenschaftlich-technisch bedingte Umwälzungen, die sich gegenseitig durchdringen und wie viele sich vereinende Flutwellen gegenseitig zu verstärken drohen, erfordern neue Tsunami-Warnsysteme mit dem angepassten Gegen-maßnahmen, die am Überleben mehr als am Profit interessierte Menschen gemeinsam ent-wickeln, installieren und durchzusetzen versuchen sollten. Dabei gibt es kein Garantierezept, was wie und wann hilft, nur eins ist klar: gelähmt wie das Kaninchen vor der Schlange ver-harren heißt, der Titanic-Effekt tritt spätestens mittelfristig also viel zu bald ein. Die Zeit tickt.

Die Politiker, die 2012 auf der UNO-Umweltkonferenz in Doha mit Lippenbekenntnissen und Ankündigungen den Augen der Welt Geschäftigkeit vorspielten, lesen und hören wie wir alle, dass sich der Anstieg des Meeresspiegels deutlich verstärken kann und wohl definitiv auch wird, da das westantarktische Eisschild die Weltregion ist, die sich im Vergleich am stärksten erwärmt – mit 2,4 Grad Celsius in den letzten 50 Jahren drei mal stärker als der Welt-durchschnitt. Die thermische Erwärmung dehnt das Oberflächenmeer stärker aus als so genannte Alarmisten warnten. (‚Nature Geoscience’ laut stern.de/wissen/die-westantarktis-er waermt-sich-ungewoehnlich-rasch-1946372.html). Wirbelstürme werden verheerender, küstennahe Gebiete versinken schneller,… wir wissen nur schon alleine um die Tatsache, dass Atomkraftwerke wegen der Kühlerfordernisse bevorzugt am Wasser gebaut wurden …

Es kann sein, dass der Zeitpunkt schon unmerklich  verstrichen ist oder gerade verstreicht, ab dem eine unkontrollierbare Zuspitzung der globalen Zukunftsgefährdungen nicht mehr zu verhindern ist. Jener 18. Weltklimagipfel in Doha/Katar hat ein skandalös „Mageres Ergebnis“ hervorgebracht hat; ein „kleiner Teil der ungenutzten Verschmutzungsrechte kann bis 2020 genutzt werden“, erklärte laut tagesschau.de der Greenpeacer Martin Kaiser am 8.12.12 am Konferenzort nach der Verlängerung des Kyoto-Protokolls, das Verschmutzungsrechte marktwirtschaftlich zu begrenzen versucht. Der Skandal ist vielschichtig: Das Ergebnis der Zukunftskonferenz der Menschheit bleibt auf gewohnte Weise hinter dem, was dringend erforderlich ist, zurück. Die verantwortliche ‚Elite‘ der Menschheit zeigt keinen Willen, keinen Ehrgeiz zu tun, was die Stunde schlägt. Die Menschheit nimmt es hin. Niemand steigt auf Barrikaden, es sind ja auch keine da, an denen man umkehren könnte. Das Protokoll von Kyoto mit seinen Verschmutzungsrechten gilt für die meisten Staaten der Erde noch ein paar Jahre länger als ursprünglich minimall festgelegt. Doch ist die Idee, den Kapitalmarkt für die Lösung der Krise zu nutzen so wie die, den Bock zum Gärtner zu machen. „Die Klimadiplomatie … hat nicht nichts erreicht: Sie hat es geschafft, um ein im Kern einfaches Problem eine hochkomplexe Politik aufzubauen und kaum noch durchschaubare Lösungsansätze wie das Emissionshandelsschema der EU anzuregen. UmweltökonomInnen haben Modelle entwickelt, die nur noch von den leistungsfähigsten Computern gerechnet werden können. All das ist von Nutzen: nützlich für die Politik, die behaupten kann, etwas zu tun, wo in Wirklichkeit nichts geschieht. Nützlich für die Industrie, die selbst Autos oder Ölheizungen mit grünen Argumenten verkauft. Und nützlich für die HaupttäterInnen des Klimawandels – die ProduzentInnen fossiler Energieträger –, die immer einen noch Schlimmeren finden, dem gegenüber sie sich als sauber präsentieren können.“ (WOZ 50/12) Der Markt ist ein kurzsichtig funktionierendes System privatwirtschaftlicher Bereicherung – orientiert an Terminen wie denen für Bilanzpressekonferenzen und Jahresabschlüsse, das Marktsystem wirkt allerdings letztlich volkswirtschaftlich; aus diesem Widerspruch ergibt sich, dass volkswirtschaftliche Schäden aus der Entscheidung im Betrieb oft an den Rand gedrängt werden oder ganz herausfallen. Ohne Eingriffe in dieses sozial und ökologisch blinde System wird die Lösung nicht kommen. Die Kraft für diese Eingriffe muss jetzt am Rande des Abgrunds wachsen. Der Abgrund naht, die Erdatmosphäre ist seit Kyoto weiter aufgeheizt worden und das Zwei-Grad-Plus-Ziel für dieses Jahrhundert ist realistisch gesehen auf den eingeschlagenen Wegen unerreichbar. Das weiß jeder informierte Zeitgenosse. New Scientist erklärt den Menschen für „unfähig zur Umkehr“ (Ausgabe 50/2012). Wer sagt, dass der Mensch immer so bleiben wird, wie er ist, der findet sich vor der Zeit damit ab, dass er sich aussterben wird.

Es stimmt, der Monstersturm Sandy etwa, der die Region von Cuba über Haiti bis New York vor den US-Präsidentschaftswahlen 2012 durcheinanderwirbelte und teils heftig überflutete, war zwar ein deutlich spürbarer Vorgeschmack für den Klimakollaps, er führte aber nicht dazu, dass die Weltklimakonferenz die gebotene Radikalität, Konsequenz und Aufklärung mit sich gebracht hat. Schon das Wort Klimawandel streut uns Sand in die Augen und lähmt. Denn es geht darum, ob wir uns die Zeit nehmen, den Versuch zu starten, doch noch die Zukunft zu retten, oder ob wir resigniert feststellen, dass die aktuelle Gesellschaft die finale Form menschlichen Zusammensterbens zu werden droht. Wenn wir unsere Sinne für die Schönheit der Welt und des Lebens auch jetzt noch offen halten, nur dann werden wir die Kraft für den notwendigen Einsatz entfalten, die das Überleben heute braucht. Die Zukunft ist noch offen, ob der Mensch fähig oder unfähig ist, das entscheidet sich in der vor uns liegenden mittelfristigen Periode und zunächst an uns selbst. Und ich glaube daran, dass wir mehr Fähigkeiten aufzubringen in der Lage sind, als wir tun.

Wir müssen gemeinsam die Nachrichten verknüpfen und vorausschauend nachdenken: Das in Japan havarierte Atomkraftwerk Fukushima lag am Meer; wegen des hohen Wasserbedarfs liegen viele dieser Strahlenfabriken am Meer, nicht nur in den hochentwickelten Staaten wie den USA, England, und Japan, sondern weltweit. Dies muss die menschliche Intelligenz mit den Prognosen über die Auswirkungen des Treibhausklimas auf den Meeresspiegel und auf Orkanstärme verknüpfen. Der Weltbank-Report des Potsdamer Instituts für Klimaforschung vom November 2012 „Turn down the heat“ besagt, dass der Meeresspiegel sich bei einer Erwärmung der Erde um 40 C um bis zu einen Meter steigt(S. 14). Doch müsse mit einem Anstieg um 60 C gerechnet werden, da die Verantwortungsträger der Menschheit nicht wirksam gegen die Ursachen des Problems angehen, sondern diese eher noch verstärken. Der Weltbank-Bericht endet mit den Worten, die vorhergesagten vier Grad dürfen einfach nicht real werden – die Hitze muss herunter geschraubt werden. Nur frühe, kooperative, internationale Aktivitäten können das geschehen lassen.(S.85) Doch die Erwärmug der Erde lässt die sogenannte Elite der Menschheit kalt. Die Klimaschutzziele werden regelmäßig verfehlt. Das Risiko steigt nicht nur an den küstennahen Atomkraftwerken. Der Bericht schreibt Seite 17, weltweit kommt es zu einer steigeneden Anfälligkeit  infolge des Hitze-Stresses mit einer Steigerung der Sterblichkeit und des Artensterbens…

Dazu dieses aktuelle Beispie aus Japan: Die Gesundheitsbehörde der Präfektur Fukushima entdeckte bei 36 Prozent von fast 40 000 untersuchten Kindern Zysten und Knoten in der Schilddrüse. (netzwerk-regenbogen.de/ akwjap120705.html, Zugriff 18.11.2012) Normal ist hier eine Zahl unter zwei Prozent. Den Eltern wurde mitgeteilt, 99,5 Prozent der untersuchten Fälle seien ‚problemlos’. Wenn Menschen so dreist sorglos mit Kindern umgehen, dann wundert es nicht, wie Menschen mit der Um-Welt, mit ihrem Lebensraum umgehen. Uns wird Atomstrom als billig verkauft, dabei weiß niemand die Kosten der ‚Endlagerung‘ genannten Wegschaffung des ‚Müll‘ genannten strashlenden Materials nach Entfernung aus dem Reaktor. Was die Gentechnit, Insektensterben durch die Landwirtschaft, Computerentwicklung,… bedeuten, ist offen.

Die wenigen mächtigen Menschen belassen die gesamte Menschheit über diese Probleme im Unklaren, teils aus mangelndem Problembewusstsein, teils aus der selbstüberschätzenden Hoffnung, das wird schon wieder, teils in der Hoffnung, sie können ihre Stellung noch auskosten und nach uns die Sintflut. „Das Versagen der Politik spiegelt sich auch darin, dass … in den Auftragsbüchern der großen … fossilen Energiekonzerne etwa das Fünffache der CO2-Emmissionen weltweit verbucht ist, die die Atmosphäre bei Berücksichtigung des Zwei-Grad-Limits noch aufnehmen kann. (Weitblick 5/2012). Es ist ein Überlebenserfordernis geworden, dass diese Machtelite kein Vertrauen erhält, sondern dass die Menschheit ohne Garantie für einen guten Ausgang nach konkreten Auswegen aus der aktuellen Lage sucht, da ein Weiter-so uns mit immer größerer Sicherheit dem frühzeitigen Ende näher bringt. Ans Lenkrat gehören die Vorsichtigen und keine Draufgänger. Denn es stehen Entwicklungssprünge an, die alle Lebensbereiche komplett auf den Kopf stellen: Aufgrund der Mischung aus Globalisierung, Klima-Umwälzung, Energiekrise, Wirtschafts- Struktureinbruch und Medienumbrüchen, Demographiewandel und ‚Sozial’politikimplosion kommt es zu Entwicklungen, die im Augenblick so unscheinbar wirken können, dass wir sie verschlafen. Dass vielleicht Sozial-demokraten, Kommunisten, Konservative, Reiche, die Transferleistungsempfänger, Ausländer, Alten,… personalisierte Sündenböcke für Strukturprobleme werden, von denen man vielleicht sogar bewusst ablenken mag, statt selbstverantwortlich zu tun, was eben getan werden kann. Das ist einer der Gründe für die Apokalypsegefahr. Daniel Elsberg, der die Pentacon-Papiere über die USA im Vietnamkrieg zwischen den neunzehnhundert-sechziger- und –siebziger Jahren veröffentlichte, sagte damals sinngemäß: ‚Die Leute hören uns zu, sie verstehen vieles, und dann ignorieren sie, was sie verstanden haben.‘

Schlimmer noch: Wie Brecht beklagt, die Erinnerung der Menschheit ist verdammt kurz. Und imme noch mehr: Das Denken der Menschheit in Zeithorizonten bleibt so sehr im Momentanen verhaftet, wie es für die Zukunftsfähigkeit, das heißt für das Überleben unserer Gattung möglicherweise intolerabel ist. Zusätzlich erzieht die Klassengesellschaft den Menschen unter Außerachtlassung langfristiger Folgen seinen kurzfristigen Vorteil zu suchen – selbst über Leichen oder koste es was es wolle; nach uns die Sündflut. Und das geschieht teils – zumindest was Teile der ‚Elite‘, die es besser weiß, sehenden Auges. Aber wie leicht vergisst mensch selbst was er im Augenblick sogar begreift!  Wir brauchen einen bewussten Umgang mit möglichen Verknüpfungen des Augenblicks mit der auf ihn folgndenden unüberschaubar langen Zeit. Es geht um die Verbinung der Geistes- und Naturwissenschaft.

Wähler, die einen als Geschäftsmann verkauften reichen sogenannten Experten zum Regierungschef machen, weil sie sich von ihm im Moment für sich mehr versprechen, als zum Beispiel von einem sozialen Ökologen als Gegenkandidat, sie handeln so verständlich und zuglieich ignorant, wenn wir Sandy’s Botschaft verstehen. Kinderliebe kann helfen, dass der Mensch über seine individuelle Existenz hinaus denkt. Dann entscheidet auch nicht mehr der aktuelle Geldbeutel darüber, wen oder was die WählerInnen wählen.

Von der Evolution her sind wir Wesen, die lange noch klar zu kommen versuchen, wenn auch die Welt um uns aus den Fugen gerät. In Bedrängnissituationen ist der Jäger überraschend kreativ beim Finden eines Ausweges aus bedrohlicher Enge Viele Zeit-genossInnen funktioneren auch heute noch nach genau diesem Muster. Der Mensch, der seine längste Zeit auf der Erde Jäger und Sammler war, kann hervorragend flexibel und willensstark im Moment höchster Gefahr gerade eben noch seinen Kopf aus der Schlinge ziehen und dabei überraschend kreativ sein. Diese momentane Handlungsfähigkeit korrespondiert mit der Augenblicks-Orientierung des Denkens und Handelns. Wir wissen im Prinzip, dass Strahlung, Dioxin, … Leben gefährdet und letztlich tötet. Die Sinne nehmen das nicht direkt wahr. Wir müssten unsere exisiterende Fähigkeit zu denken als Sinnesorgan mit nutzen. Das geht. Was das Auge sieht, macht nur Sinn, weil es das Gehirn dechiffriert. Eine Halbwertzeit von 20000 Jahren etwa übersteigt die Verarbeitungsfähigkeit unserer Sinne.

Es ist die offene Frage, ob wir die Intelligenz praktizieren werden, an der gefährlichsten Stelle der Menschheitsgeschichte innezuhalten, mit analytischem Blick auf die Geschichte mindestens seit der Industrialisierung vorzudenken und am Rande des Vulkans umzukehren. Die Frage ist offen, und das bietet Raum für Hoffen und Bangen.

Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte haben eine so gemeinte Politisierung der Mensch-heit immer mehr zum Erfordernis werden lassen, damit sie sich nicht im kurzfristigen und oft nur vermeintlichen Vorteil verliert. Gleichzeitig ist alledings das glatte Gegenteil geschehen: Orientierungslosigkeit, Ohnmachtsgefühle, Existenzängste und Selbstvorwürfe über verpasste Chancen, Personalisierung struktureller Entwicklungen, Rassismus und eine oberflächliche Betrachtung gesellschaftlicher Prozesse, all das ist einer der Erfolge der Manipulation der Medienzare und ihrer Geldgebermilliardäre, die aus der Jugendrevolte, die unter dem Begriff 68er und aus den sich sozialistisch nennenden Revolutionen des 20. Jahrhunderts ihre Lektion gelernt haben..

So verständlich das ist, so gefährlich ist es, das Feld den Apologeten und Mitläufern des Systems gegen die Menschlichkeit und Natur zu überlassen, zumal solange keiner wissen kann, ob es  nun für uns schon kurz nach und nicht mehr fünf vor zwölf ist.

In der Zeit gebotener höchster Achtsamkeit ist die Lobby der fossilen Energieträger, die für den Treibhauseffekt hauptverantwortlich zeichnet, weltweit führend in den Listen der Reichsten und Mächtigsten (unter den Fortune Global 500 sind unter den sieben führenden Betrieben Shell, Exxon, BP, Chevron und Total). Alleine das ist intolerabel.

Der größte Atomenergiekonzern der Welt ist Tepco, der für Fukushima die Verantwortung trägt. Tepco entschuldigte sich im Dezember 2012 für die Havarie mit dem Verweis auf menschliche Schwächen und schlechte Angewohnheiten als Ursachen für die Verstrahlung der Umwelt. Diese Selbstkritik ist so scheinbar rückhaltlos im Umgang mit sich selbst, wie sie beschwichtigend ist. Eine Technik, die nie einen Stromausfall erleben darf, damit auch lange nach Abschaltung der Brennstäbe kein Austritt des Supergifts ins Ökosystem erfolgt, diese Technologie würde Zeuge menschlicher Schwächen. Wir müssten Tepco zufolge nur härter an der Selbstdisziplin machen, das ist die verborgene und heuchlerische Subtextbotschaft, damit das große Geschäft auch nach Fukushima weiterläuft. Nicht die Atomkraft ist demzufolge das Bedenkliche, sondern der Mensch, von dessen Schwächen und schlechten Angewohnheiten die Gefahr ausgeht. Es handelt sich hieraber um Stoffe, von denen gewährleistet sein muss, dass sie über eine Millionen Jahre sicher hermetisch vom Ökosystem separiert bleiben müssen. Das kann ohnehin keiner garantieren. Aber mit dieser Technik im Kapitalismus zu hantieren geht gar nicht, also in einem System dessen erster Zweck auch bei bei volks- und sogar menschheitswirtschaftlich wirksamen Fragen der private Profit einzelner und ihrer Aktionäre ist. Das heißt nicht, dass ein demokratischer Sozialismus hier die alleinige Lösung wäre, denn der kann auch nicht so weit im Voraus planen und sicher stellen, wie es die Atomkraft gebietet. Er kann allerdings am Vorteil der Gemeinschaft orientiert entscheiden und nicht am Ertrag zugunsten weniger. Die Atomkraft gehört komplett abgeschafft, ehe der Kapitalismus überwunden ist. Das wird auch daran deutlich, was Arte 2009 berichtete: Atommülltransporte Frankreichs nach Russland führten dazu, dass dort Container unter freiem Himmel der Erosion preisgegeben sind (spiegel-online 13.10.09). Aber es geht mitnichten nur um Atom oder um das Treibhausgas CO2.  „Deepwater Horizon“ steht für ein ähnlich weitreichendes Problem: Auf der Ölplattform, die BP für offshore-Förderung nutzte, wurden Warnhinweise laut N.Y.Times übergangen, ehe sich im Rahmen der Havarie mit apokalyptischen Ausmaßen wochenlang sprudelndes Öl ins Meer ergoss.

Auch der fossile Energieträger Kohle wird als ‚Lösung‘ der Energieprobleme forciert, so in Polen, wo RWE ein Steinkohle-kraftwerk für 1,5 Mrd. € baut, so in Indien, wo Essar Energy Ende 2011 acht neue Kohlekraft-werke ankündigte (vgl. Klimaretter.info), so in China, von wo die FAZ am 10.7.07 berichtete, dass alle 2,1 Tage ein „ernstzunehmender“ CO2-Produzent den B>etrieb aufnahm; wir erleben eine Weltenergiekrise, die wir uns nicht leisten können: In den bekannten Lagern für Kohle und Öl sind Fossilien nachgewiesen, deren Verbrennung knapp 3000 Gigatonnen Kohlendioxyd in die Eratmosphäre bringen würde. (Greenpeace-Magazin 6.12 S. 21). Die USA steigen durch die Fracking-Methode, die umweltschädliche Gase in Boden eintreibt, um Öl auszupressen zur Weltölmacht Nr. eins auf auch andere westliche Staaten folgen den USA mit der Anwendung dieser Umwelt-zerstörenden Methode.

So funktionierte auch der Klimakompromiss von Kyoto mit seiner marktwirtschaftlichen Regulation von Verschmutzungsrechten, um die Umwelt zu retten.Trotz seiner Halbherzigkeit war Kyoto bis zu Kanadas Austritt 2011 ein minimaler Hoffnungszweig, die Staaten finden vielleicht doch noch zusammen, zu tun, was zu ist, solange die Prozesse nicht gänzlich außer Kontrolle geraten sind. Diese Hoffnung sieht sich gezwungen, nun gemeinsam mit der stärker werdenden Erwartung, dass wir nichts mehr verhindern, weiterzuleben. Dieses Wechselspiel zwischen Hoffen und Bangen zerreißt nicht nur meine Seele. Das Sprachrohr der kapitalen Klasse, die FAZ schrieb zu Kanadas Schritt am 14.12.2011: „Die Entscheidung zeigt, dass Umweltschutz Kosten verursacht, die im Interesse von Arbeitsplätzen nicht jeder bereit ist zu tragen – um so mehr, wenn wichtige Länder sich als Trittbrettfahrer Umweltschutzabkommen entziehen. Der Regierung in Ottawa gebührt deshalb Lob. Schonungslos legt sie offen, dass der Kyoto-Kaiser gar keine Kleider anhat.“ Dieses Denken prägt die einflussreichsten Entscheidungsträger weltweit, wenn man durch ihre Propagandablasen hindurch hört. Man kritisiert Halbherzigkeit und Heuchelei, propagiert zugleich Rücksichtslosigkeit und lenkt seinen Blick und sein Denken und Handeln nur bis zur nächsten Bilanzpressekonferenz oder als Politiker bis zum nächsten Wahltermin.

Die Kosten der Klimakatastrophe – und das ist es, um was es geht (Climate-change /Klimawandel ist eine Verharmlosung, die rechtzeitiges Gegenhandeln lähmt) – sind schon zu unseren Lebzeiten immens bis unbezahlbar und insofern zeigt der FAZ-Text die Über-lebtheit des Kapitalismus. Wir müssen ihn mit seinem paritkularen Insteressensblick überwinden, bevor er uns (mit sich) abschafft. Die Kräfte, die es dafür braucht, sind weltweit verstreut und im Klassensystem sozialisiert, voller Sorgen und Hoffnungen, motiviert oder verzweifelt. Jeder und jede ist wixchtig. Im Kleinen beginnt, was die Welt im Ganzen braucht.

Der in Kyoto vereinbarte Verschmutzungsrechte-Handel zur Reduktion des Treibhaus-effektes, dieser marktwirtschaftlich versuchte (Selbst)Betrug zur Absicherung der Stellung der Hauptverantwortlichen und damit des Kapitalismus solange die Zeit (also wir alle) es noch erlaubt erweist sich als das, was die Realpolitiker nie sehen wollten, die den Spatz in der Hand der Friedenstabube auf dem Dach bevorzugten. Sie übergingen die Tatsache, dass man mit einem Spatz in der Hand sterben kann, und das vielleicht vor dem Ablaufen der natürlichen Lebenszeit. Die CO2-Werte lagen 2011 höher denn je. Europas Krise ließ z.B. den Verschmutzungsrechtepreis im November 2012 von ca. 30€ pro Tonne auf ca, 7 zusammenbrechen, weil das Spiel von Angebot und Nachfrage erbarmungslos ist. Der Markt rettet das Klima (also uns) sicher nicht. Eine grüne ist wie die soziale Marktwirtschaft ein schönes Wort für krisenarme Aufschwungjahre. Und derartige Worte sind Waffen im Meinungsstreit um die Zukunft der Menschheit. Solche Wortwaffen entpuppen sich am Ende als so etwas wie ein übertragener Gürtel eines Selbstmordattentäters; und hier besteht Hoffnung, dass die Verantwortungsträger für das Leben zu gewinnen sind. Sie müssen mit uns über den eigenen Schatten springen, erkennen, dass wir alle nur einen biologischen Körper haben, der Wasser und Luft braucht und dass wir unsere Kinder lieben, von denen wir die Erde geliehen haben. Sie ist nicht unser Eigentum, das wir zugrunderichten dürfen. Das mag moralisch daherkommen, aber es wird dadurch nicht falsch.  Der moralische Impetus hängt damit zusammen, dass ein solcher Appell angesichts der Machtverhältnisse ins leere läuft, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Eintscheidungsträger bei Strafe ihres Untergangs durch das Konkurrenzprinzip zu geldarmer Investition getriegben werden.Die WAZ berichtete am 7.12.2012, dass Thyssen-Krupp sich für ein Stahlwerk in Brasilien entschieden hat, da dort keine „lästigen Umweltauflagen“ drohen wie in Westeuropa. Passend dazu drehte Fatih Akin den Film ‚Der Müll im Garten Eden’, um zu zeigen, dass die Erde zugrunde gerichtet wird, wenn rücksichtsloses Profitstreben regiert. Das Problem, dass der kurzfristige Profit Entscheidungen prägt und dass der Geldbeutel der Wähler und der Werbekampagnen-Finanziers demokratische Wahlentscheidungen mehr prägen, als nachhaltige Überlegungen, dieses Problem bedeutet, dass kurzfristiges Denken über die Langzeitfrage der  Rettung der Welt vorzuentscheiden droht.  Die Antwort darf nicht Ökodiktatur lauten, da dann die Seele des Lebens ihr Überlebensmotiv einbüßt.

Die FAZ…-Art zu denken offenbart einen Tunnel-/ oder Fließbandblick, den wir uns näher anschauen müssen, wenn wir einen Ausweg finden wollen. Denn es wird nicht reichen, zu zeigen, wie nahe wir an der Unkontrollierbarkeit der Prozesse sind und was wir tun müssen, um die Kontrolle zurückzugewinnen. Wir müssen uns mit der Frage befassen, warum der modern genannte Mensch so leichtgläubig dazu neigt, für das Überleben der Gattung Relevantes zu ignorieren, wenn kurzfristige Vorteile winken.

Was klein anfängt, wächst sich global aus, wenn niemand Einhalt gebietet. Die Klimakatastrophe etwa wurde und wird lange Zeit verharmlosend Klimawandel genannt; Schon können wir es besser aushalten, was sich da immer noch in den Anfängen aufstaut. Es ist natürlich schon eine Katastrophe, deshalb verharmlost der Begriff –wandel ja auch. Aber es ist in der Expertenschaft einhellig, dass die Katastrophe ins Haus steht, in den Garten Eden; wann der Punkt kommt, an dem wir  den Bereich der Kontrollierbarkeit verlas-sen, ist überhaupt nicht abzuschätzen, auch wenn es schon ganz krasse Studien gibt, welche konkreten Auswirkungen das für welchen Teil der Erde und die Menschheit insgesamt haben wird. Die nicht nur in Kanada und Katar beobachtbare mal mehr mal weniger ausgeprägte freiwillige Blindheit, die diesem Tunnelblick innewohnt, droht zur Vorentscheidung über das Überleben ganzer Staaten – beginnend mit den Inselstaaten – zu werden, mit unabsehbaren Folgen für die gesamte Menschheit. Ich halte es kaum aus, wenn ich lese, was Tafue Molu Lusama von der evangelischen Kirche der Inselgruppe Tuvalu sagt: „Wir werden untergehen.“ (waz 10.12.11) Lusama weiter: „Das eindringende Salzwasser hat unsere Trinkwasser-Reserven erreicht. Zugleich erleben wir …die schlimmste Trockenheit seit Menschengedenken.“ Und: „Die Wissenschaftler sagen uns, dass es für eine Rettung zu spät ist.“ Lusama endet mit dem Versuch, trotzdem Mut spendenden Trost der Verzweiflung zu vermitteln: „Wenn wir der Beginn des Problems sind, dann können wir hoffentlich der Anfang einer Lösung sein.“

Es drohen Kriege, nicht nur um Wasser, Nahrung, Rohstoffe und Land, sondern auch eskalierende Abwehrgefechte gegen Klima-Flüchtlingsströme… Ein Krieg kann heute jederzeit zum Inferno überkippen, wie jede atypische Zelle im Körper sich plötzlich in Krebs mutieren kann. Die Übergänge sind wie unmerklich, die Auswirkungen werden absolut immer ‚demokratischer‘ in dem Sinne, dass sie letztlich uns alle gleichermaßen in Mitleidenschaft ziehen können. „Nirgendwo schmelzen die Gletscher schneller als in den Anden, dem Wasserspeicher Südamerikas. In Lima, der Hauptstadt von Peru, ist die Wasserversorgung in Gefahr. Befürchtet werden erst Überschwemmungen, dann Trockenheit, Lawinen und Seuchen – zuletzt ein Bürgerkrieg um Wasser. … Ganz Südamerika brennt die Urwälder des Amazonas.“ (ZDF, Machtfaktor Erde, Zugriff 16.12.11) In Lima wohnen acht Millionen, wo sollen sie hin? Wo soll die Bevölkerung von Tuvalu hin? Die Europäische Flichtlingsabwehr-Gesellschaft Frontex würde sie jedenfalls als Illegale abweisen. Wohin sollen bald vielleicht schon wir Menschen? Wie wir mit der Erde umgehen, so gehen Menschen auch mit Menschen um, die sich nicht wehren können. Das Ende des Menschlichen kann leicht zur Vorentscheidung über das Ende der Menschheit werden. Das wissen die weisen Sprüche der Indianer aus der Zeit, als der weiße Mann in ihre Lebenswelt eindrang: „Bei den roten Männern ist der reich zu nennen, der viele Geschenke macht; Bei den weißen Männern kommt es darauf an, immer noch mehr anzuhäufen und bloß nichts wegzugeben. Der rote Mann liebt die Natur, weil er ein Teil von ihr ist. Der weiße Mann tötet die Natur, obwohl auch er ein Teil von ihr ist. DAS nenne ich verrückt..“ SUVATE……Dog Soldier… (Quelle: strunk02.de/cms/index.php?id=7,0,0,1,0,0)

Das verrückte Denken und Handeln wird sichtbar bis in die Konferenzen der Menschheit zur Rettung der Erde:  Im Dezember 2007 brach der Leiter der UNO-Welt-KlimaKonferenz in Bali Herr de Boer verzweifelt in Tränen aus, er vergrub sein Gesicht  in beide Hände, da sich die führende Macht der Umweltverschmutzung bis kurz vor Ende jeglicher Einigung – und das heißt auch Festlegung – gegenüber verschlossen zeigte: De Boer stand kurz vor der Auf-gabe seiner Funktion. 2012 fand die Konferenz in Quatar statt, einem Ölstaat, der die Ver-schmutzung der Atmosphäre zum Beispiel dadurch betreibt, dass er bei einer Bevölke-rungsgröße von circa Hamburg die Fußballweltmeisterschaft schultert mit Stadien in der Wüste ein Beton/Asphalt/Sand/Hitze-Gemisch. Das ist Ausdruck fossiler Machtverhältnisse, die mit den Überlebensinteressen der Menschheit unvereinbar sind.

Wie die so genannte Elite der Welt ver-handelt, zeigte die UNO-Klimakonferenz auch in Durban im November/Dezember 2011:  In der Vereinbarung steht, dass das nächste Abkommen ein ‚verbindliches Instrument‘ oder ein anderes bindendes Ergebnis sein wird. Die Wortakrobatik offenbart den schwach spürbaren Willen zur Umkehr und die starken Widerstände der realen Machtverhältnisse und der sie durchsetzenden ‚Eliten‘. Der Beschluss, bald etwas zu beschließen und in ca. 9 Jahren (2020) dann aber wirklich mit der Umsetzung  zu beginnen, ist SelbstBetrug, Heuchelei und oder Ohnmacht, die man nicht eingestehen möchte, um die eigene ‚Macht‘ nicht zu gefährden. Man hat in Durban einen Klimafonds für Klimaopfer beschlossen, der spätestens ab 2020 jährlich einhundert Mrd. $ umfasst, dessen Finanzierung aber ungeregelt ist. Wenn es ums Geld geht, wird es konkret.

Die Fragen der sozialen Gerechtigkeit und der persönlichen Menschenrechte dürfen nicht von den ökologischen und militärischen Zukunftsgefährdungen getrennt werden. Wir brauchen den Mut, das Schattenlicht der Gefühle zuzulassen. Nur dann, wenn wir sie nicht zensieren, sondern ihnen Ausdruck verleihen, nur in aktiv-solidarischer Auseinandersetzung können wir die Kraft frei setzen, uns zu empören und zu engagieren. Das Gemeinschaftserlebnis dabei beugt Zynismus, Depression und Ohnmacht vor. Die Glut der Hoffnung wärmt nach dem Feuer weiter; das kann Mut machen, wenn die Bewegung ein Wellental durchläuft,…

 Bernhard Trautvetter

2 comments for “Die Welt nach der UN-Klimakonferenz

  1. Carlos Castaneda
    3. Dezember 2014 at 16:52

    Es ist wahr wir schaden diesem Planeten.Aber CO2 ist nicht der Auslöser für Erderwärmung.
    Das ganze ist eine Lüge.Um angeblich den Planeten zu retten werden wir bereit sein auf demokratische Rechte und Freiheiten zu verzichten.
    Das ist das einzige Ziel dieser Klimalüge unsere demokratischen Freiheiten zu beschneiden.
    Und ganz nebenbei abzukassieren um den nächsten Krieg zu finanzieren.
    Informiert Euch hier.
    http://vademecum.brandenberger.eu/themen/klima/beobachtung.php

  2. Heiderose Manthey
    9. Januar 2013 at 01:16

    „Apokalypseblindheit darf nicht Ursache für den Untergang sein.“ … und weder darf Apokalypse noch Blindheit das Bild der Zukunft in unseren Herzen sein !!!

    Ein Bravo dem Autor Bernhard Trautvetter besonders für seinen letzten Absatz mit der klaren Botschaft: „Wir brauchen den Mut, das Schattenlicht der Gefühle zuzulassen.“ Welch ein Bild !

    Ich selbst bin fest der Meinung, dass wir es gemeinsam schaffen werden. So viele Menschen, die mir begegnen und immer mehr offenen Herzens ansprechen, was sie selbst meinen und denken und nicht mehr das aussprechen, was die anderen ihnen bislang vorgaben denken zu müssen und danach dann handeln zu müssen.

    Wir können es schaffen, wenn wir Licht in unseren eigenen Schatten bringen und mit Klarheit und Entschiedenheit die an der Hand nehmen und uns gemeinsam mit denen verbinden, die jetzt schon festen Willens sind, ein anderes WIR auf dieser Welt zu leben. Dann ist es keine Glut mehr, die von Hoffnung gespeist wird, sondern ein Feuer der Gemeinsamkeit und der Gemeinschaft, das jedermanns Aufbruch und Mitwirken bestimmt.

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