Ein bisschen Boes bei Maischberger

Ein Leserbrief zur Sendung: „Wer arbeitet ist der Dumme“ – bei Maischberger. Eigentlich wäre die Runde geeignet gewesen, um offen zu diskutieren, warum heutzutage harte Arbeit mit Niedriglohn, mit ein paar Euro abgegolten wird. Und dass aufgrund des Niedriglohnes Millionen Arbeitnehmer herabwürdigend noch um Hartz4 zum Aufstocken beim Amt betteln müssen. Und auch die Frage, warum früher im 20. Jahrhundert der Unterschied zwischen Niedrig- und Höchstlohn bei Faktor 30 lag und heute die Topverdiener das fünfhundert- oder sogar Tausendfache verdienen.

Da fällt mir doch die Geschichte vom Suppen Kaspar ein …

Es wäre also die Frage gewesen, ob es im Sinn eines demokratischen Gemeinwesens sein soll, dass der Graben zwischen Arm und Reich so stark auseinanderdriftet. Wir leben in einer Zeit, in der der Armutsbericht von der Bundesregierung gefälscht und entstellt wird und zugleich Bankster und ihre Lobbyisten in der Politik einen Reibach in der Krise machen und unsere Steuergelder direkt oder auf Umwegen in die Taschen der Großbanken landen.

Stattdessen gelang es aber der Runde eher einen Graben zwischen den normalen Erwerbstätigen und einem erwerbslosen Teilnehmer der Runde aufzumachen, der mit guter Absicht und vermeintlich für Gerechtigkeit und für das Wohl Aller mittels eines bedingungsloses Grundeinkommen streitet. Ralf Boes gelang es zwar, die Fehler der Hartz4 Politik unter Gerhard Schröder zu brandmarken, konnte aber mit seiner Grundhaltung wohl kaum eine große Zustimmung der Zuschauer erhalten. Ein böser Gedanke, meinte man, dies sei beabsichtigt gewesen, um einen an sich humanistischen Gedanken ins Reich des Abstrusen zu katapultieren?

So konnte wohl niemand überzeugt und positiv gestimmt werden, wenn Ralph Boes seine Kritik an einem bestehenden Unrechtssystem in aller Konsequenz formuliert, es aber nicht für erstrebenswert hält, zumindest das selbst finanziell zu verdienen, was möglich ist. Gehen wir heute von etwa 10- 20 Millionen Erwerbstätigen aus, die einfach zu wenig verdienen, dann sind es trotzdem die Abgaben auch dieser 10-20 Millionen Menschen, die die Sozialleistung Hartz4 erst ermöglichen!

Es sind die, die täglich aufstehen und zur Arbeit gehen, obwohl sie kaum mehr als ein H4-Abhängiger mit Wohngeld und sonstigem Zuschlag verdienen. Und sie gehen zur Arbeit, nicht weil sie es für gerecht empfinden, dass Bankster und schwarzlackierte Lobbyisten den Reibach machen, sondern weil sie sich für sich selbst und für die anderen verantwortlich und in einer sozialen Pflicht sehen.

Eine Systemkritik wird nicht ernst genommen, wenn man die Bodenhaftung verliert, sondern nur dann, wenn man sein Leben unter den gleichen Bedingungen wie alle Anderen in der Gemeinschaft organisiert. 

Jeder mache sich selbst sein Bild. Die Sendung kann in der Mediathek der ARD gesehen werden.
http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/311210_menschen-bei-maischberger/12678786_wer-arbeitet-ist-der-dumme-

Weitere kritische Kommentare :

http://www.hartz4-plattform.de/pdf/die-antwort.pdf
Brief von Brigitte Vallenthin (Hartz4-Plattform/BGE) an Ralph Boes

ND: http://www.neues-deutschland.de/artikel/806534.bild-attackiert-ralph-boes.html

http://www.freitag.de/autoren/dr-satori/menschen-und-mutanten-bei-maischberger 

http://www.nachrichtenspiegel.de/2012/12/01/ralph-boes-brigitte-valentin-und-die-dringende-suche-nach-totalsanktionierten-bitte-umgehend-melden/

http://www.themen-der-zeit.de/content/Aus_dem_OFF_Boes_bei_Maischberger.1680.0.html

 

W.K.

5 comments for “Ein bisschen Boes bei Maischberger

  1. 7. Dezember 2012 at 04:35

    Ralkph Boes ist durch sein Verhalten und seine Worte ein Symbol der Wahrhaftigkeit – auch wenn es dazu notwendig ist, sich zumindest geistig schon aus der Mainstreamdenke auszuklinken. Er hat das super gemacht und wenn es mehr menschen gibt, die von ihm die seriöse Seite sehen wollen, dann besuchen sie seine Seite und suchen sich da Anregungen für sich selbst – ein Mutiger wie Boes, der auch vom Mainstream besser verstanden wirdm kann jederzeit auf den Plan rücken und es B(o)esser machen!

  2. 7. Dezember 2012 at 04:32

    Diesen „graben“ zu erschaffen, hat aber nicht der von Anne Will und Maischberger arg umkämpfte Ralph Boes zu verantworten – er ist zu letzgenannter gegangen und hat viel gesagt, was weiterbringt… Katja Kipping hat sehr gut geholfen… auch wenn de Sendung insgesamt ziemlich typische Spalterei-scheiße war, hat Maischberger bewiesen, dass sie offen ist für Neues (sie präsentierte ALT ihre Filmchen und die skurrilen Gäste waren da nur Verstärkungsfaktor für ihre eigenen Späßchen im Hintergrund). Ich sehe das als HILFERUF – noch deutlicher wird das in Bild – die können nicht anders, als Ralph niedermachen, dennoch drucken sie einige seiner schönen Zitate – wer ohren hat, der höre!

  3. Gegen H4 für BGE, aber nicht so !!
    6. Dezember 2012 at 19:49

    Wenn man nicht ernst genommen wird, liegt es nicht an den anderen, sondern an einem selbst, lieber Uwe. Es ist wohl nicht spießbürgerlich zu arbeiten, und für den eigenen Unterhalt zu sorgen. Und noch schlimmer wenn man dies mit Leichtigkeit könnte, aber elitär über die Köpfe der Niedrigverdiener hinweg kluge Reden hält. So erweist man dem BGE einen Bärendienst. Wikipedia: Die Redewendung „jemandem einen Bärendienst erweisen“ bedeutet, jemandem (u. U. guten Willens) einen Dienst zu leisten, dessen Resultat für den Empfänger negative Folgen hat.

  4. 6. Dezember 2012 at 16:27

    Ich finde es albern, hier einen Leserbrief zum Thema zu bringen. Es gab zahlreiche auch anderslautende Leser-, Zuschauer- und Blog-Kommentare, vor allem auch solche, die die bis in die Sendung hinein geübte Ignoranz und Intoleranz gegenüber der Hartz4-Systemkritikern wie Boes brandmarken. Herr Söder und die Edel-Avon-Beraterin mit der Echtgold-Creme haben doch systematisch Boes in die Ecke gedrängt, in die er von Bild gestellt wurde und jetzt ist mit dem Feature dieses Leserbriefes leider auch tv-orange! Auf der Schiene: „Passt euch an und guckt mal, ob ihr dann noch Zeit habt für einen Mucks gegen das System!“. Das ist der Versuch der Unterdrückung und Mundtotmachung von Aktivisten, die das System berechtigt infrage stellen und ernsthaft anklagen, nämlich da wo es seinen eigenen Grundwerten, den Grundrechten (!) widerspricht!

    Die ganze Kritik der aktuellen Protestbewegungen mit Aktionen wie „das Bundespräsidialamt mit Grundgesetzen zu bewerfen“ wird ignoriert von den Medien, die Boes in die Außenseiter-Ecke abschieben mit ober-spießigen Statements wie diesem „Leserbrief“. Ich will nicht sagen „Dokument deutscher Schande“, aber gewiss ein Dokument deutscher Spießbürgerlichkeit.

    • ich-hartz4
      6. Dezember 2012 at 19:37

      Ich bin Hartz4! Es bleibt Herrn Boes unbenommen Leistungen einfordern, Menschen wie er sorgen für die Vorturteile gegen Hartz-IV-Bezieher. Mir ist nicht verständlich, warum er in die Sendung eingeladen wurde.

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