Peers Blechtrommel und das Buch OCCUPY MONEY von Margrit Kennedy

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CC Foto – Briefmarke aus Wikipedia ESM_Peer

Peer Steinbrücks Blechtrommel für den Bundestagswahlkampf wird gerührt. Eine Aufspaltung der Banken in Kundenbank und Investmentbank soll nun als Mittel gegen die Finanzkrise und gegen die Abwälzung der Finanz-crashs auf die Schultern der Bürger Europas wirken.

Welch ein Scharlatan !   Mit der Unterstützung des ESM-Vertrages durch genau seine SPD wurde den internationalen Finanzoligarchen von Goldman-Sachs, JP Morgan, Citigroup und wie sie alle heißen, ein riesiges Fass aufgemacht. Die verschuldeten Staaten müssen ihre Kredite an die Superbanken zurückzahlen und ihre maroden Banken hochpäppeln. Alle unsere ESM Gelder landen mittels dieser Ent- und Umschuldung in den Kassen der Finanzmonopole – Nicht beim Bürger. 

Bundespolitik, ESM, EZB und EU-Kommission betreiben europaweit diese Umschuldung; genauer gesagt die Enteignung der 99% in Europa – Der Erwerbstätigen, Klein und Großunternehmen, des Mittelstands und der Mittellosen.

Was hilft uns aus der Krise?
Fragen wir nach den Ursachen. 

Eine Geldwirtschaft, die mittels Zins und Zinseszins Geldwerte erzeugt, die in keinem Verhältnis zur gesamten Produktion stehen und mittlerweile das mehr als Hundertfache in Geld vorgaukeln von dem was wirklich produziert wird, kann kein Fundament stabiler Wirtschaft sein. Schon mit dem Kauf eines Produktes mittels Geld erzeugen wir einen zweifachen Wert. Schlagen wir auf eine für den Kauf notwendige Geldleihe einen Zins, dann erhöht sich der real nicht vorhandene Wert. Spielen nun die Geldverleiher dieses Spiel mit nicht vorhandenem Geld weiter, dass entwickelt sich automatisch eine steile Kurve bei den Finanzen. Alle Geschäfte der „Finanzmärkte“ sind an diesem verrückten Spiel beteiligt und Sie können sich denken, dass solch eine Paradoxie doch niemals eine Grundlage für stabiles Wirtschaften sein kann. Zu diesem Thema schrieb Prof. Margrit Kennedy ein aktuelles Buch „Occupy Money“.

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„Geld regiert die Welt”, die schnöde Weisheit unseres Alltags. Aber diese Formel ist allgegenwärtig. In unserem Verhalten in Betrieb und Gesellschaft,  in Altersabsicherung, in der Versicherung des Lebens, in Ausbildung, Medizin, Erstellung und Verzehr von Lebensmitteln, im Verhalten zu Natur und Mensch. Dieses Gefühl ist tief eingebrannt in die Hirne. Das Geld für sich arbeiten lassen” und von Zinsen profitieren, wenn etwas auf die hohe Kante gelegt wird. Das Verhältnis zum goldenen Kalb bestimmt sämtliche soziale Regeln und Verhaltensweisen unserer Gesellschaft. Aber es entwickelt sich auch ein mulmiges, ungutes Gefühl, welches durch die immer wiederkehrenden Finanz- und Wirtschaftskrisen bestimmt ist. Man fühlt und spürt die Begrenztheit dieser schnöden Wahrheit, weiß allgemein aber noch nicht den Weg daraus.

Im Mittelalter bestanden die Regeln des Zusammenlebens in Ehrfurcht und Angst der Menschen vor der Hölle, vor der Strafe Gottes. Die personifizierte Gottheit, das weltliche Papsttum und seine Kirche war Inbegriff der Instanz, der jeder gehorchen musste. Die Kirche, sie schwelgte und führte ein Leben in Saus und Braus. Sie profitierte von diesem Regelwerk des Alltags, dem sich die Menschen in Demut unterwarfen. Doch Worte der Wahrheit reichten aus, um dieses ganze Regelwerk als gottesfeindliches Machwerk aufzudecken. Luther entlarvte den Papst als den eigentlichen Antichristen. Die Reformation begann, eine bahnbrechende Bewegung, die den göttlichen Geist im Menschen verkörpert sah. Dieses neue Bewusstsein brachte die Menschen aus ihrer Unmündigkeit heraus, voran auf dem Weg zu ihrer Selbstverantwortung, ihrem Selbstbewußtsein und dazu, sich Selbst des eigenen Verstandes und der Vernunft zu ermächtigen.

Es braucht die richtigen Worte zur richtigen Zeit.

In diesem Sinne sei auf das aktuelle Buch von Margrit Kennedy hingewiesen: OCCUPY MONEY. (1) Als Architektin, Städte- und Regionalplanerin, promoviert in öffentlichen und internationalen Angelegenheiten, stieß Prof. Margrit Kennedy durch praktische und theoretische Erfahrungen des Bauens, der Energiefrage und der Suche nach anderen Wirtschafts- und Lebensformen immer wieder auf einen zentralen Punkt: Der Einfluß des Geldes, insbesondere des Zinses, auf alle Bereiche der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Wirkens. Das Buch OCCUPY MONEY kann sich eine wissenschaftliche und engagierte Streitschrift für die OCCUPY-Bewegung nennen. Es gibt viele sehr wertvolle Einblicke, macht sach- und fachkundig durch wissenschaftlich fundierte, konkrete Untersuchungen. Das Buch ist trotzdem für alle verständlich, die auf der Suche nach seinem Ausweg sind, der aus der Finanz- und eigentlich aus der Gesellschaftsmisere führt. Und es enthält Berichte über schon existierende Banken-Projekte, sowie Ideen und Visionen, wie alles anders sein könnte.

Das Buch räumt mit unserem Selbstbetrug auf, wir alle würden von Zins und Zinseszins profitieren.

Wir sind gefangen in der Vorstellung durch Zins von Geldanlagen mehr Geld zu erhalten oder unser Geld so zumindest vor der Inflation zu schützen. Das Gegenteil ist der Fall. Während lächerliche zwei Prozent für unsere Spareinlagen in der Werbung angepriesen werden, zahlen wir jeden Tag 30 Prozent unseres Einkommens an Zinsen! Denn wir zahlen auch ohne Schulden Zinsen. In jedem Preis, den wir für Produkte und Dienstleistungen ausgeben, ist Zins enthalten. Zins, den die Erzeuger dieser Produkte und Erbringer von Dienstleistungen als Kredite den Banken zahlen müssen. Bei den Müllgebühren 12 Prozent, bei Trinkwasser 38 Prozent, im sozialen Wohnungsbau sogar 77 Prozent! Der durchschnittliche Zinsanteil in den Ausgaben deutscher Haushalte im Jahr 2007 betrug 35 Prozent.(2) Ohne diese Zinsbezahlungen von Jedermann und Jederfrau hätten wir ein um ein Drittel höheres Einkommen, oder könnten weniger arbeiten und dennoch unseren Lebensstandard halten. So gesehen sind die 2 Prozent unserer Spareinlagen wohl mehr als überschaubar. Arbeitet unser Geld, oder arbeiten wir nicht vielmehr um die Zinsen, die durch Banken auf alle Bereiche unseres Lebens aufgesattelt werden, zu bezahlen?

Entwicklungshilfe hört sich schön an, und manche zivilisierte” reiche Staaten wollen sogar den Ländern die Entscheidung über die Investition der Gelder selbst überlassen. Ganz schön selbstlos und edel, meinen wir. Aber die Kreditgeber wissen warum. Vielleicht verstehen wir dieses Warum, wenn wir auch nur einem Repräsentanten dieser Länder zuhören. Der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo sagte 2008 auf dem G8 Gipfel in Okinawa …wir haben bis 1985 oder 1986 etwa 5 Milliarden Dollar geliehen: bis jetzt haben wir 16 Milliarden zurückgezahlt. Jetzt wird uns gesagt, dass wir immer noch 28 Milliarden Dollar Schulden haben (…) wegen der Zinsraten der ausländischen Kreditgeber.Wenn sie mich fragen, was das Schlimmste auf der Welt ist, würde ich sagen, der Zinseszins.” (3)  2008 zahlten die Entwicklungsländer für jeden Dollar Entwicklungshilfe” 13 Dollar zurück.

Die Reichen müssen immer reicher und die Armen immer ärmer werden.

Eine wissenschaftliche Analyse auf zehn Haushaltsgruppen mit je 3,8 Millionen Haushalten in Deutschland vermittelt eine beeindruckende Übersicht. Diese Bilanz beweist, dass 80% der Bevölkerung direkte oder indirekte Zinszahlungen als Verlust ihres Einkommens verbuchen. Bei 10% der Haushalte, respektive Bevölkerung, gleichen sich Zinsbelastung und Zinserlös aus. Aber eine Minderheit der Bevölkerung, die Reichen und Superreichen, etwa auch zehn Prozent der Bevölkerung, erhalten durch Zins ihrer immensen Geldanlagen einen Betrag als Gewinn, welcher dem Verlust der erstgenannten 80 Prozent der Bevölkerung entspricht. Dieses System des Geldes, des Zins und Zinseszins auf Kredite aller Art ist also der Hauptfaktor für die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich.

Die Fürsprecher uneingeschränkter Finanztransaktion und Spekulationsanlagen preisen den Zins und Zinseszins als Triebkraft und Motor der Wirtschaft.

Doch Margrit Kennedy weist auch in diesem Punkt in ihrem Buch nach, dass genau die gegenteilige Entwicklung eintrifft. Sämtliche wirtschaftlichen, privaten oder staatlichen Projekte verwenden herkömmliche Kredite. Bei 3 Prozent Zinssatz verdoppelt sich eine Geldmenge durch Zinseszins in 24 Jahren, bei 6 Prozent in 12, bei 12 Prozent in 6 Jahren. Bei einer angenommen Zinshöhe von 8% behalten “unsere” Banken abzüglich der Bezahlung ihrer Angestellten etwa 6% der Kreditsumme pro Jahr. Dieses “erwirtschaftete” Geld fließt dann wiederum in alle möglichen Investitionen und Anlagespekulationen des Bankwesens.

Sämtliche Investitionen ob Privat, in der Wirtschaft oder im Staat unterliegen bei ihrer Finanzierung einer gewaltigen Summe von Kreditrückzahlungen. Die jüngsten Staatskrisen in Griechenland, Irland, Italien und Portugal sprechen Bände. Der fieberhafte Umgang mit “freiem” Geld zeigt sich auch in den ausgefuchsten Trading-Programmen, womit Währungsschwankungen genutzt werden, indem zusätzlich Gewinne durch schnelle Umverteilung herausgeschlagen werden. Täglich in einer Größenordnung von 4,5 Billionen US-Dollar. Das Buch OCCUPY MONEY beleuchtet noch viele weitere Aspekte dieses Finanzsystems. Es entsteht dadurch ein Einblick in die Untiefen dieses Geschäfts und auch ein Verstehen über die Zwangsläufigkeit weiterer Chrashs, die in der Moderne mit der ersten Weltwirtschaftskrise 1929 begonnen haben.

Alternativen wie die JAK Bank in Schweden und andere Projekte und Visionen

Das Buch gibt aber auch Ausblicke, wie ein anderes Geldsystem funktionieren kann. Ausführlich wird das Wesen und die Organisation der JAK-Bank in Schweden beschrieben, welches auf genossenschaftlicher Basis nur eine Bilanz kennt: Gewinn für alle! Im Buch wird ferner verwiesen auf eine Vielzahl von historischen Beispielen aus dem Judentum, dem Islam und auch dem Christentum, wie versucht wurde, das System des Zinses und der daraus folgenden Verschuldung der Gesellschaft zu umgehen. Die Bilanz aller dieser Beispiele weist nach: ein anders Geldsystem ist möglich und es ist heute in der globalen Welt nötiger als jemals zuvor.

Der wissenschaftliche Einblick, den uns das Buch von Frau Kennedyvermittelt, endet mit einem Zitat von Albert Einstein: Die reinste Form des Wahnsinns ist, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.”

Dieses Zitat drückt die Gewissheit all derer aus, die den Irrsinn von Zinseszins und Wuchersystem erahnen und tiefer erfassen. Es ist auch die Erkenntnis, die Zehntausende auf der ganzen Welt in der OCCUPY Bewegung auf die Straße gegen die Allmacht der Banken gehen lässt. Frau Margrit Kennedy sei Dank für diese aufschlußreiche Arbeit.  Und es macht Mut von einer weiteren sozialwissenschaftlichen Analyse zu erfahren: Die meisten Menschen glauben, dass sich Veränderungen nur herbeiführen lassen, wenn eine Mehrheit sich dafür einsetzt. Dem ist aber nicht so. Wenn nur zehn Prozent der Bevölkerung etwas verstehen und sich deshalb anders verhalten, folgen alle anderen nach, wie die Ergebnisse einer amerikanischen Forschungsprojektes belegen.” (5)

Wolfgang Theophil

(1) OCCUPY MONEY von Margrit Kennedy, erschienen im Kamphausen Verlag als 1. Auflage 2011

(2) Seite 29 des Buches OCCUPY MONEY

(3)  http://www.globaljusticemovement.net/articles/terrorismofdebt-0308.htm

(4) http://monneta.org/upload/pdf/Zinsumverteilungs-Ermittl.%202007%20-%208%20u%202%20Gr..pdf und Seite 31 in OCCUPY MONEY

(5) http://arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/1102/1102.3931v2.pdf  Social consensus through the influence of committed minoritie

(7) Der Blog von Margrit Kennedy http://occupy-money.de/occupy-money

2 comments for “Peers Blechtrommel und das Buch OCCUPY MONEY von Margrit Kennedy

  1. daniel
    11. Mai 2012 at 16:43
  2. OCCUPY
    2. Januar 2012 at 20:41

    Occupy Wallstreet: Bewegung baut eigenes Facebook. http://business.chip.de/news/Occupy-Wallstreet-Bewegung-baut-eigenes-Facebook_53554743.html
    Radikal demokratisch
    Was man sich unter dem eigenen sozialen Netzwerk vorstellen soll und wie es funktionieren müsste, hat eine Gruppe von Aktivisten auf einer Website der Occupy-Plattorm kundgetan. Mit „Global Square“, so der Name des Projekts, möchte man den weltweiten Protest der Bewegung gegen die Auswüchse des Finanzkapitalismus koordinieren und gleichzeitig deren internationaler, dezentralisierter und führerloser Struktur Rechnung tragen.

    „Die existierenden sozialen Netzwerke werden immer restriktiver“, schreiben die Autoren. „Während Facebook und Twitter bei der Verbreitung von Basisinformationen und der Mobilisierung der Massen sehr hilfreich waren, bieten sie uns nicht die Werkzeuge, um unser System der Teilnahme und Entscheidungsfindung zu erweitern. Was wir momentan brauchen ist eine Plattform, die uns erlaubt, unsere weltweiten Organisationsbemühungen radikal zu demokratisieren.“

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