Durchkreuzen wir den Kreis aus Spannung, Gewalt und Angst

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Ich möchte auf zwei Filme zum Nahostkonflikt hinweisen, die derzeit über Internet angesehen  werden können. Bitte lesen Sie hierzu auch weiter unten im Artikel den Beitrag von Bernd Trautwetter zum Thema Krieg, Gewalt und Angst.  

Der erste ist ein animierter dokumentarischer Zeichentrickfilm in Kinolänge  ‚Waltz with Bashir‘ . Eine israelisch-deutsch-französische Koproduktion. Sie wurde in Cannes 2008 als außer-gewöhnlichster Film des Jahres ausgezeichnet. Der Regisseur Ari versucht seinen Alpträumen von 26 Monster-Hunden auf den Grund zu kommen und stellt fest, dass sie damit zusammenhängen, dass er seine traumatischen Erlebnisse im Libanonkrieg als israelischer Soldat verdrängt hat. Der Film läßt erkennen, was Krieg selbst mit Siegern macht und welchen Anteil führende Politiker am Zustandekommen der Massaker in Sabra und Shatila haben. Zum Ende gleitet der Film über in Original-Filmaufnahmen mit Bildern der Opfer aus den beiden Palästinenser-Lagern.  Hier ein Ausschnitt:

Der ganze Film kann angesehen werden in der Mediathek der ARD:
http://www.ardmediathek.de/das-erste/fernsehfilme-im-ersten/waltz-with-bashir?documentId=11681898


Ein Dokumentarfilm zur Atomkriegsgefahr durch den Nahostkonflikt: Israel und die Bombe kam im August in die Arte-Mediathek. Er zeigt, wie die Weltöffentlichkeit von Frankreich, den USA und Israel getäuscht wurde, bis Israel die Bombe unter Umgehung des Atomwaffensperr-vertrages hatte. Genauso unglaublich ist, dass die Welt durch den von Israel und den USA aus-geführten Selbstangriff auf das US-Spionageschiff MS Liberty im 6-Tage-Krieg 1967 um Haaresbreite einem Atomkrieg entkam, nur weil das Schiff zur Überraschung der Hintermänner nicht sank und deshalb die Bombe nicht ausgelöst wurde.

eingebunden mit Embedded Video

YouTube Direkt

(http://videos.arte.tv/de/videos/israel_und_die_bombe-6781120.html  =  ist derzeit auf arte nicht verfügbar; auf Youtube veröffentlicht am 15.08.2012 von XeRoc)

 

Durchkreuzen wir den Stromkreis aus Spannung, Gewalt und Angst!

Eine Ansprache von  Bernhard Trautvetter 01.09.2012 beim Antikriegstag 2012

Mit dem Antikriegstag erinnern wir an den Überfall Nazi-Deutschland auf Polen, der mit der Lüge begann, man schieße zurück. Die Wahrheit gehört immer zu den Verlierern im Krieg, sei es die damalige Mär von Massenvernichtungswaffen des Irak oder die von Freiheitskämpfern im Balkan, Nordafrika oder im mittleren Osten, die man schützen wolle, die aber selber Menschenrechte verletzen.

Foto aus Wikipedia: Bundesarchiv_Bild_146-2007-0037

Wer Vergangens vergisst, der lebt in der Gefahr, dass sie ihn wieder einholt. Der Titelspruch der Einladung zur heutigen Veranstaltung stammt vom ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann aus Essen. Er sagte: „Nicht der Krieg …, sondern der Friede ist der Ernstfall, in dem wir uns alle zu bewähren haben.“

Es ist für uns alle sehr erfreulich und wichtig, dass der Oberbürgermeister Herr Reinhard Paß auf unserer Seite ist, er ist auch den Mayors for Peace beigetreten, die in einer Kampagne, die Menschheit bis 2020 von der Geisel der Atomwaffen befreien wollen. Der einzige Weg, sagen die Mayors for Peace, die Bürger in den Städten vor Atomwaffenangriffen zu schützen ist ihre Abschaffung. Diese Bewegung, die von Hiroshima ausgehend die Bürgermeister der Welt gewinnen will, engagiert sich für international für Abrüstung und Frieden.

Wir danken dem DGB dafür, dass er heute unser Gastgeber ist. Die Arbeiter-bewegung ist eine Kraft, die der Friedensbewegung sehr wichtig ist, da wir nur gemeinsam die Vision einer friedlichen und atomwaffenfreien Welt verwirklichen können. Die Jugend steht für das Morgen, mit ihr teilen wir das Interesse an einer zukunftsfähigen Welt und die Antifaschisten wissen, wovon wir sprechen, wenn unsere Antwort auf den Krieg ein „Nie wieder“ ist. So danke ich allen Rednern und auch allen Besuchern hier im Raum dafür dass ihr da seid. Wenn wir uns die Nachrichten ansehen, wird schnell klar, wie wichtig die Stimme des Friedens in dieser konfliktreichen Welt ist.

In unserer Vision einer atomwaffenfreien friedlichen Welt wissen wir Gustav Heine-mann auf unserer Seite; er argumentierte, dass es sich bei diesen Massenvernich-tungsmitteln wegen ihrer verheerenden Wirkung nicht um Waffen im herkömmlichen Sinn handelt, da sie nicht gezielt ein konkretes Ziel treffen, sondern hunderttausende Menschen auf einen Schlag mit langen Nachwirkungen durch die Strahlung. Zitat: „Die Weltgefahr, die nicht nur das gegenwärtige Geschlecht, sondern unsere Kinder und Kindeskinder bedroht, fordert den Einsatz jedes einzelnen, um das Ziel einer allseitigen Ächtung und Abschaffung der Massenvernichtungsmittel zu erreichen.“

Ein „Krieg, in dem alle Methoden erlaubt sind, ist“ laut Gustav Heinemann „mit dem Gewissen der Menschheit …nicht zu vereinen.“ Deshalb warnte er „davor, in dieser Sache mitzumachen oder sich … Gleichgültig-keit und Resignation zu überlassen. Denn jedes Risiko ist geringer als das … des Krieges.“ . Denn, so Heinemann weiter, der Untergang – das ist unsere Sorge – kann kommen, wenn nicht endlich wenigstens mit dem Wettrüsten Schluß gemacht wird…“
Es ist, so Heinemann „eine Illusion, von den Massenvernichtungsmitteln die Erhaltung von Frieden und Freiheit zu erwarten. … Darum verpflichten wir uns, auf dem Wege der atomaren Bewaffnung nicht einen einzigen Schritt mitzugehen.“ Es gibt wohl kaum einen Politiker von diesem Rang in unserem Land wie Gustav Heinemann, dessen Worte am Antikriegstag hier der Friedensbewegung von heute aktuell vergleichbar aus der Seele sprechen.

Wenn wir keinen einzigen Schritt mitgehen, gehen wir am 3. Oktober nach Kalkar. Die Nato, die noch sogenannte Atomwaffen auf Deutschem Boden hat und diese nicht abziehen sondern modernisieren will, was auch gegen den Koalitionsvertrag steht, sie betreibt in unserer Nähe Gedankenspiele über Krieg, aus denen leicht Ernst werden kann: Da, wo sie die Nato-Luftraumüberwachung für Europa nördlich der Alpen durchführt (das ist in Kalkar), da hält die NATO vom 9. bis zum 11. Oktober eine Konferenz über Kriegsführung im 21. Jahrhundert. Einlader der Konferenz unter dem englischen Titelthema Warfare in the 21st Century ist das Joint Air Power Competence Cetre der Nato in Kalkar.

Ein solches Nato-Zentrum steht den im 21. Jahrhundert für uns alle überlebens-wichtigen Zielen der Friedensbewegung entgegen und gehört aufgelöst. Dafür demonstrieren wir am 3.Oktober.
Die Politik der Nato, die die atomare Option offenhält und ein solches Tagungs-Thema wählt, dafür gelten Gustav Heinemanns aktuelle Worte: „Kriegführende ‚haben kein unbeschränktes Recht in der Wahl der Mittel.’ Die … sogenannten Waffen sind die prinzipielle Außerkraftsetzung ‚allen Rechts, sie sind das Ende aller Errungenschaften abendländischer Kultur.“

Und immer noch mit Gustav Heinemann haben wir „allen Anlaß, gerade auf unserem Boden das zu sagen, was den Stromkreis der Angst unterbrechen könnte“: Wir lassen von unserem Friedensenagement nicht ab, wenn Koalitionen sogenannter Williger auf Seiten von Nato-Staaten mit Propagandalügen Länder unter Bruch des Völkerrechts überfallen, sei es auf dem Balkan, wo Bürgerkriegsfotos missbraucht wurden, um ein Massaker vorzutäuschen, um die Kräfte gegen den Krieg mundtot zu machen. Damals manipulierte die Nato die Weltöffentlichkeit mit Fotos aus dem Bürgerkrieg, die sie als Massaker-Fotos ausgab, um dür den Krieg zu werben, der Völkerrechtsbruch war.

Genauso verhält es sich mit Libyen, wo das UNO-Mandat zum Schutz der Bevölkerung missbraucht wurde, indem es überreizt wurde, um einen Regierungs-sturz mit über 100 000 Toten zu erwirken. Die Rebellen sprachen von 50 000 Toten, was angesichts von weit über 20 000 Bombardements, die verharmlosend ‚Luftschläge’ genannt wurden, unglaubwürdig ist.
In Afghanistan erwirkte 2009 ein Oberst der Bundeswehr mit der Unwahrheit, an den Tanklastzügen seien nur feindliche Kräfte, einen Bombenangriff, der 141 Zivilisten das Leben kostete. Er wurde jetzt General.

Als immer wieder getäuschte Menschen werden wir Friedensfreunde hellhörig, wenn jetzt der Westen Syrien vor dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen und den Iran vor der Produktion von Massenvernichtungswaffen warnt. Solche Töne kennen wir aus dem Irakkrieg, der ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg war.

Wir werden nicht aufhören, alles für den Frieden zu tun. Das gilt auch für die un-gezählten deutschen Waffen weltweit, die unser Land zum Weltwaffenexporteur Nr. 3 auf diesem Planeten machen. Die Heuchelei, die damit verbunden ist, muss durch eine Politik des Friedens und des Dialogs nach innen und außen ersetzt werden. Wir haben die Aufgabe und das gemeinsame Ziel, das Teufelszeug (so einst Willy Brandt) von der Erde zu entfernen, bevor es uns abschafft. Das gilt auch für militärisches, rassistisches, rechtsradikales und imperiales Denken und Handeln.
Das wird in einer Welt der Krisenherde zwischen Schuldenwährungsverfall, Massenarbeitslosigkeit und Umweltkatastrophen immer wichtiger.

Wie Heinemann sagte: „Nicht der Krieg …, sondern der Friede ist der Ernstfall, in dem wir uns alle zu bewähren haben.“

Eine Rede von Bernhard Trautvetter beim Essener Friedensforum (EFF), 01.09.2012zum Antikriegstag2012

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