Zur Geschichte von Palästina und Israel und Joachim Gaucks Staatsbesuch

Unser Bundespräsident Joachim Gauck relativierte erfreulicherweise  bei seinem Staatsbesuch Merkels Aussage, wonach die Sicherheit Israels zur deutschen «Staatsräson» gehöre. «Ich will mir nicht jedes Szenario ausdenken… Deutschland sollte das allerletzte Land sein, das Israel seine Freundschaft und Solidarität aufkündigt… Das Eintreten für die Sicherheit und das Existenzrecht Israels ist für die deutsche Politik bestimmend.» Nun das ist schon mal eine andere Sichtweise.

Herr Gauck formulierte Kritik an der israelischen Siedlungspolitik auf palästinensichen Gebiet vorsichtig und sehr zurückhaltend mit der Formulierung, Israel solle mehr Flexibilität zeigen. Die Führung der Palästinenser wolle den Frieden…“ und sprach für die Zwei-Staaten-Lösung und die Berücksichtigung der «berechtigten Anliegen des palästinensischen Volkes» in einem Interview mit Haaretz.

Und auch die Äußerungen von Literaturnobelpreisträger Günter Grass, Israel bedrohe den Weltfrieden, bewertete er als dessen persönliche Meinung. Ebenso legte er einen Kranz am Grab von Theodor Herzl, des wichtigsten Vertreters des Zionismus, nieder. Herr Gauck öffnet sich unvoreingenommen verschiedensten Position der Geschichte und des Nah-Ost Konfliktes.

Die Suche nach Wahrheit und die Unvoreingenommenheit bei der Betrachtung der Geschichte scheint für Herrn Joachim Gauck der Schlüssel zu sein, wie ein Weg in die Zukunft aussehen könnte. Am 31.Mai reiste Herr Gauck in die sogenannten „palästinensischen Gebiete“.

Betrachten wir also unvoreingenommen die Geschichte Palästinas,

die Entstehung des Staates Israel und die Vertreibung der Palästinenser.

Das war 1947 - Orange=israelische Siedlungen im großen Palestine, Quelle:http://de.wikipedia.org/wiki/UN-Teilungsplan_f%C3%BCr_Pal%C3%A4stina

Bis 1947 gab es ein britisches Mandat über ein Gebiet vom Mittelmeer bis zum Jordan, nachdem 1923 das heutige Jordanien östlich des Jordan als „Transjordanien“ abgetrennt und 1946 als Königreich Jordanien gegründet wurde. Das Gebiet des britischen Mandats entstand nach der Niederlage des osmanischen Reiches im 1. Weltkrieg und trug den Namen Palästina. Hier lebten Palästinenser, Araber, Juden, Christen, Muslime. Das britische Mandat hatte die Bezeichnung „Völkerbundsmandat für Palästina“.(1) Die Grafik links zeigt diesen historischen Zustand im Jahr 1947. Die orange gefärbten Gebiete sind die wenigen israelischen Siedlungen zu dieser Zeit.

Nach dem 2. Weltkrieg und der Flucht vieler Juden aus Europa nach Palästina flackerten immer mehr Konflikte zwischen den Ansässigen und den Neuankömmlingen auf. Es begannen auch gewaltsame Konfrontationen von Juden gegen Palästinenser und Araber. Die UN beschloß am 29.November 1947 einen Teilungsplan von Palästina. Zwei gleichberechtigte Staaten Palästina und Israel sollten entstehen.(2)

Aber am 14.Mai 1948 gründeten jüdische Politiker und Prominente einseitig mit einer Unabhängigkeitserklärung den Staat Israel. Die Unterzeichner dieser Erklärung waren 37 Personen! (3) Auf diese Unabhängigkeitserklärung folgte unmittelbar der erste Palästinakrieg. Damit waren die Pläne einer friedlichen, gleichberechtigten Lösung durchkreuzt. Die Chance für Frieden vertan und die Expansion des sich verteidigenden israelischen Mini-Staates führte mit jeder weiteren militärischen Konfrontationen zu einer kompletten Umkehrung der politischen Lage und der Aufteilung des ehemaligen Palästina.

Anfangs umfassten die jüdischen Siedlungen im britischen Mandat Palästina gerade etwa 10 % des Gebietes. Heute nach 50 Jahren hat der Staat Israel dieses Verhältnis geradezu umgedreht. Die Vertriebenen ehemaligen Anwohner des großen Palästina sind heute im Westjordanland und in Gaza auf etwa 10 % des ursprünglichen Palästina zurückgedrängt. Der Staat Israel beansprucht mit seinem eigenen Staatsgebiet, den vielen israelischen Siedlungsgebieten in Westjordanland den größten Teil des ursprünglichen Palästina.

Über das Nahost Problem (Israel-Palästina) gibt es ausreichend Informationen. Einen guten Überblick bieten Artikel im Internetlexikon Wikipedia. Wikipedia ist ein in demokratischer und transparenter Weise erstelltes weltweites Internet-Nachschlagewerk und darf absolut als neutral angesehen werden. Quellenhinweise am Ende dieses Artikels.

Grün=Palästinagebiet, Weiß=Israelische Gebiete, von 1945 bis heute


Die Geschichte spricht für Gleichberechtigung von Palästinensern, Juden und Arabern.
Es sind historische Fakten.

Die Geschichte spricht nicht Recht für die einseitige Gründung des Staates Israel und die Vertreibung der ehemaligen Anwohner. Sie spricht für eine friedliche Lösung, die in einer gleichberechtigten Zwei-Staatenlösung entsprechend des UN- Vertrages  Resolution 181 vom 29.Nov 1947 erfolgen kann.

Und wenn der Wahrheit Raum gelassen wird, dann wird man erkennen, dass die Bevölkerungen von Palästina und Israel, Juden, Araber, Muslime einer gemeinsamen Familie angehören, die der Semiten. Es ist eine teuflische und schizophrene Propaganda, die eine Parteinahme für die palästinensischen Vertriebenen oder eine Kritik an der Politik des Staates Israel als antisemitisch bezeichnet. Solche Unterstellung von Antsemitismus ist das Ergebnis einer rassistischen Geschichtsfälschung, die ihre Parallele in der Propaganda des „Herrenmenschen“ Europas findet.

Und es ist ein Angebot der Geschichte, dass allen Menschen in diesem ehemaligen Völkerbundsmandat Palästina sämtliche Wege offen stehen, in einem gemeinsamen Palästina in Zukunft friedlich zusammenzuleben. Auch in Zentraleuropa gab es mehrere Epochen, in denen Christen, Muslime und Juden friedlich zusammenlebten. Es waren die Zeiten europäischer Hochkultur in Toledo und anderen Städten Spaniens, als sich die Religionen, die Philosophie, die Kulturen und Wissenschaften gegenseitig ergänzten und vorwärtsbrachten. Es kommt nur darauf an, sich von den politischen „Brandstiftern“ zu trennen und den Weg des Friedens und des Miteinander einzuschlagen. Ein politisches Klima, in dem gemeinsam gelebt und unbelastet miteinander umgegangen werden kann, in dem es auch erlaubt sein darf und ganz normal sein sollte, über Witze christlicher und jüdischer Eigenarten lachen zu dürfen.

Wie aber kann es Frieden geben, wenn ein Staat Israel mit dem Argument des Selbstschutzes seine Grenzen ständig erweitert, illegale jüdische Siedlungen auf verbliebenem palästinensischem Gebiet bauen läßt und die vertriebenen Palästinenser in einem Gaza-Streifen regelrecht einpfercht, vom Ausland abschneidet und dort in regelmäßigen Abständen Städte zerstört und im Westjordanland die verbliebenen palästinensischen Siedlungen durch eine 10 Meter hohe Mauer einkesselt.

Niemand, der eine gleichberechtigte Lösung für Juden und Palästinenser anstrebt, akzeptiert die terroristischen Angriffe einzelner Desperados auf die israelische Bevölkerung. Aber dies ist das Werk einzelner Terroristen, nicht die Politik der Hamas. Die Hamas wurde demokratisch als politische Vertretung in Gaza gewählt.

Vor dem Hintergrund der Geschichte und dieser Tatsachen ist es ein verantwortungsloses Unterfangen unserer Bundeskanzlerin Merkel, die Politik Israels pauschal zu verteidigen und diese Haltung zur Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland zu erklären. Das ist eine Schmähung der heute Vertriebenen und eine Provokation gegenüber allen Menschen, die ein gleichberechtigtes und friedliches Palästina und Israel fordern.

Drei aufschlussreiche Artikel mit vielen historischen Quellen:

(1) Das ursprüngliche Völkerbundsmandat nach dem 1. Weltkrieg
http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerbundsmandat_f%C3%BCr_Pal%C3%A4stina

(2) Der Plan der UN von 1947 über zwei gleichberechtigte Staaten
http://de.wikipedia.org/wiki/UN-Teilungsplan_f%C3%BCr_Pal%C3%A4stina

(3) Die einseitige Gründung des Staates Israel und der erste Palästinakrieg
http://de.wikipedia.org/wiki/Israelische_Unabh%C3%A4ngigkeitserkl%C3%A4rung

 

 

 

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