Was hat BILD mit den Salafisten gemeinsam?

Ein Kommentar von Evelyn Hecht-Galinski   Beide verteilen werbewirksam Geschenke um auf sich aufmerksam zu machen. Während die Salafisten Koran-Exemplare in den Fußgängerzonen verschenken (Sollten wir uns nicht eher fragen, wer bezahlt diese Aktion und wer steckt dahinter – vielleicht unsere Freunde und Verbündeten, die Golfstaaten?), will die Bild-Zeitung am 23.Juni, zu ihrem 60. Geburtstag, die deutschen Briefkästen mit verschenkten Exemplaren beglücken. Man kann sich gegen beides wehren. Wenn ich kein Koran-Exemplar möchte, dann nehme ich es eben nicht. Wenn ich keine Bild-Zeitung möchte, unterstütze ich die Campact Aktion im Internet und untersage dem Springer Konzern mir die Jubiläums Bild-Ausgabe zuzustellen!

Klick hier, um dem Springer- Verlag zu verbieten, mit dem Jubiläums- Exemplar von BILD beglückt zu werden.

Gehört die Bild-Zeitung zu Deutschland? Ich sage nein, aber die Leser!

Kam nicht kurz vor der sogenannten Islam-konferenz heraus, dass Innenminister Friedrich und sein Ministerium eben mal die Unwahrheit gesagt hatten und entgegen einer Falschauskunft auf eine Anfrage von Abgeordneten, ein Vorabexemplar einer Studie über „ach so integrationsunwillige Muslime“ von der Pressestelle des Ministeriums an die Bild-Zeitung gegangen war. Angeblich um ein Minister-Interview vorzubereiten. Allerdings war die Studie schon am 1. März online gestellt, muss also dieses Vorabexemplar an die Zeitung vor dem ersten Bild-Bericht verschickt worden sein.

Ein gezieltes Zusammenspiel um junge Muslime zu diskreditieren. Glücklicherweise distanzierten sich die Autoren dieser Studie von der verzerrten und falschen Auslegung. Haben wir hier wieder einen „CSU-Lügenminister?“, also einen Minister, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt? Ist ein Innenminister dieser Güte eigentlich auf diesem Posten noch hinnehmbar?

Braucht Deutschland solche Minister?

Hatte Friedrich nicht kurz nach seinem Amtsantritt durch Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht, die sein „christliches“ Weltbild zeigten? Jetzt provozierte sein Fraktionskollege Kauder, immerhin der Fraktionschef der Union, erneut mit einem Spruch, der uns das Fürchten lehrt: „Der Islam ist nicht Teil unserer Tradition und Identität in Deutschland und gehört somit nicht zu Deutschland“. Volker Kauder hat sich wohl nicht weiter mit dem Islam befasst, sonst hätte er bestimmt nicht soviel falsche und provokante Aussagen gemacht, um sich bei dem rechten Rand der Wähler beliebt zu machen. Sarrazin lässt grüßen!

Brauchen wir die Inszenierung einer Islamkonferenz? Nein, aber wir brauchen eine offene Gesellschaft, die nicht durch Konferenzen und Politiker zerredet wird.

Ist nicht das Zusammenleben viel normaler und besser, als es von vielen Leid/Leitkultur-Vertretern präsentiert wird? Passt eine Partei mit einem C, wie christlich noch zu Deutschland? Wir Wähler sollten dagegen protestieren. Ist es mit unserem Grundgesetz vereinbar, dass bewusst Politik und Religion trennen wollte, wenn mit religiösen Aussagen im Namen einer Partei geworben wird? Ist diese Partei noch wählbar für Andersgläubige und Nichtgläubige? Auch die CDU-Vorsitzende und Kanzlerin Merkel bezieht sich ständig auf christliche Traditionen und das christliche Menschenbild in der CDU. Es ist zu fragen, ob diese Traditionen wirklich so vorzeigbar sind, um sie hervorzuheben. Hier könnte der Nachfolger von Bundespräsident a.D. Christian Wulff, Ex-Pfarrer und Ex-DDRler Joachim Gauck anknüpfen und den Islam als zu Deutschland gehörend zu bezeichnen. Stattdessen trat er aber schon wieder ins Fettnäpfchen und meinte bei seinem Antrittsbesuch bei der EU in Brüssel, dass er keine Probleme mit dem Bundesverfassungsgericht sehe, wenn es um den Rettungsschirm ESM geht. Hier hätte er sich als Verfassungsorgan besser zurückhalten müssen.

Auch das Thema der Islamkonferenz, diesmal schwerpunktmäßig „Zwangsehen und häusliche Gewalt“ gehört in die gesamte Gesellschaft.

Gibt es keine Zwangsehen bei orthodoxen Juden und fundamentalen Christen? Ehrenmorde, nur heißen die bei uns Beziehungstaten. Oder warum gibt es Frauenhäuser und schlagende Männer, bis in alle Berufe und Kreise in der Gesellschaft? Passt das vielleicht zum christlich/jüdischen Weltbild? Sicher gibt es noch viel zu tun im Staate Deutschland für die Gleichstellung der Frau. In einem Land, wo Frauen z.T. noch 30% weniger Lohn und Gehalt für dieselbe Arbeit bekommen, ausgenommen Politikerinnen. Daran müssen wir arbeiten. Auch ein Grund warum ich an jedem „Equal Pay Day“, einmal im Jahr aus Solidarität mit meinen Geschlechtsgenossinnen eine rote Tasche trage.

Ausgesprochen bedauerlich finde ich es auch, dass das Bundesinnenministerium vor dem Bundesverwaltungsgericht Recht bekam und dass der Hilfsverein IHH verboten wurde.

Dieser Hilfsverein, der auch die Gaza-Flotte unterstützte und enorm wichtige humanitäre Arbeit leistet, wurde als islamistisch und der Hamas nahestehend schon 2010 durch den damaligen Innenminister de Maizière verboten. Somit stellte sich das Gericht hinter das heutige Innenministerium unter Innenminister Friedrich, der einen Vergleich im letzten Jahr abgelehnt und „Beweise“ gegen den Verein vorgelegt hatte, um dessen Verbindung mit der Hamas zu beweisen.

Schlimm genug, dass eine Hamas, die immerhin eine demokratisch gewählte Regierung des Gazastreifen repräsentiert, hier von deutschen Gerichten und deutschen Politikern als Terrororganisation, ganz im Sinne von Israel und den USA eingestuft wird.

Warum schaut man sich nicht auch mal andere Spendenaktionen von jüdischen Hilfsorganisationen an und fragt, wofür die dort gesammelten Gelder verwendet werden? Ich selbst befasste mich auch schon einmal mit diesem Thema, stehe dafür demnächst vor Gericht und werde über den Verlauf berichten.

Kurz noch was zum Holocaust Gedenktag, der von Ministerpräsident Netanjahu und Staatspräsident Peres wieder mal als „Holocaust Instrumentalisierungs-Tag“ missbraucht wurde – indem sie erneut den Iran mit den Nationalsozialisten verglichen und den angeblich vom Iran drohenden Holocaust bewusst falsch für die Bevölkerung inszenierten.

Propaganda fällt inzwischen in Israel auf fruchtbaren Boden, da immerhin 40% der Bevölkerung mittlerweile daran glauben, dass vom Iran aktuell ein neuer Holocaust drohe. Sogar 64% der israelischen Bevölkerung meinen, dass israelische Atomwaffen dies verhindern könne. Damit hat es eine faschistisch-rassistische Regierung geschafft, auf diesem Gebiet zu punkten, um ihre Expansions- und Angriffspolitik zu verkaufen. Schade nur, dass der Vorsitzende des deutschen Zentralrats der Sinti und Roma, Romani Rose, auf Einladung der israelischen Regierung auch an dieser Propaganda Veranstaltung teilnahm und sich dazu  missbrauchen ließ, in das gleiche Horn zu blasen und sagte: „Wer das Sicherheitsbedürfnis Israels nicht begreift, der hat den Holocaust nicht begriffen.“ Gerade Präsident Rose sollte gegenüber so billiger Propaganda immun sein und sich nicht benutzen lassen! Waren Sie denn auch in den besetzten Gebieten, Herr Rose?

Es droht kein neuer Holocaust, sondern es droht eine Verdummung der Gesellschaft, die die Aufmerksamkeit ablenken soll von Angriffskriegen, gezielten Morden durch Drohnen und anderen Menschen- und Völkerrechtsverletzungen, die immer mehr an uns abprallen sollen, indem sie als Normalität verkauft werden.

Die Abstumpfung gegenüber Unrecht nimmt ständig zu und darf besonders bei der Jugend nicht zur Normalität werden. Auch aus diesem Grund brauchen wir keine Bild-Zeitung im Briefkasten, keine christlichen Leitkultur-Vertreter und keine Parteien mit „Weltanschauung“, und wir brauchen auch keine Friedensnobelpreisträger wie Obama, die werbewirksam Kriege und Morden und Menschenrechtsverletzungen als Recht verkaufen wollen. (PK)

2 comments for “Was hat BILD mit den Salafisten gemeinsam?

  1. demokrat
    9. Mai 2012 at 00:01

    Die Organisation „Pro NRW“ wird vom Verfassungsschutz in NRW als rechtsextrem eingestuft und deswegen beobachtet. Ihren Ursprung hat die Gruppe in der 1996 gegründeten Vereinigung „Pro Köln“. 2007 entstand „Pro NRW“. Drei Jahre zuvor war „Pro Köln“ erstmals in den Stadtrat eingezogen. Bei der Landtagswahl 2010 kam „Pro NRW“ auf 1,4 Prozent der Stimmen. Beide Gruppen missachten laut Verfassungsschutz mit ihren Aussagen die Menschenrechte – Ausländer würden pauschal herabgesetzt und diffamiert, Feindbild sei vor allem der Islam.

  2. Theodor Lay
    8. Mai 2012 at 11:37

    Es gibt Volksweisheiten, die sind so bekannt wie die Menschheit selbst.
    Eine davon heißt, jede Lüge hat stets weitere in ihrer Gefolgschaft.
    Genau hingeschaut, will der Lügner eigene Vorteile durch seine Schauspielkunst erzielen, ohne dafür eigene Opfer erbringen zu müssen.
    Wie das funktioniert, sieht jeder sachlich, gute Analytiker sofort nach den Wahlen und die Belegung einzelner, wichtigen Posten.

    Dass das Kapital die Politik bestimmt, das pfeifen schon die Spatzen von den Dächern.
    Diese stehen sofort Schlange und haben inzwischen gute Erfahrungen und eine lange Liste über Einfluss- und Manipulationsmöglichkeiten, wie die Politiker vereinnahmt und für ihre Interessen gewonnen werden können.
    Es ist unschwer zu übersehen, dass nur sehr wenige Politiker, Verantwortung und Rückgrat haben, um diesem raffinierten und praxiserprobten Machtwerk die Stirn zu bieten.
    Ein ganze Volk zu belügen und zu manipulieren, ist wohl einfacher und nicht mit so großen Gefahren verbunden, wie der Weltfinanz einen Korb zu erteilen.
    Doch ich denke mir, wir sind mitten in der Zeit der Offenlegung aller negativen Ursachen und die Zeit der Wirkungen auf alle Saaten und so werden nun auch all jene getroffen werden, die an dieser schlechten Saat mitgewirkt haben.
    Denn jede Saat, sowohl die Gute wie auch die Schlechte, wird aufgehen und ihre Früchte entsprechend der Resonanz tragen und auch diejenigen treffen die sie verusacht haben.

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