Betreuungsgeld: Wenn Bedarfsweckung als Bedarfsermittlung verkauft wird.

5. Mai 2012
By

Zur staatlich verordneten Lufthoheit über den Kinderbetten!

‚Neue Bedarfs-Analyse: ‚Stadt braucht viel mehr U3-Plätze’. So oder ähnlich titeln viele Tageszeitungen seit Wochen entsprechende Beiträge, besonders in Wahlkampfzeiten. Häufig ist der Unterzeile zu lesen: ‚Jüngere Kinder haben so das Nachsehen’.

Viele Menschen werden spontan denken: ‚Da muss halt noch kräftig nachgelegt werden, bei den Kleinsten sollten wir nicht sparen’. So sind insbesondere die Jugendämter gefordert, für die Umsetzung des gesetzlichen Anspruchs in der U3-Betreuung zu sorgen. Alles klar! Aber haben wirklich Babys und Kleinstkinder bei fehlenden Krippenplätzen das Nachsehen? Steigt der Bedarf tatsächlich von Jahr zu Jahr. Hoffentlich gibt es auch noch genügend Menschen, welche bei solchen Überschriften und Fragen kräftig ins Grübeln kommen. Auch wenn recht schnell deutlich wird, was hier gemeint ist, lohnt sich eine kleine Analyse des Sprach- bzw. Denkansatzes.

Wie können die Antworten innerhalb von Eltern-Befragungen im Stil: ‚Wer möchte / benötigt für sein Baby bzw. Kleinkind einen Betreuungsplatz’ als berücksichtigungswürdige Bedarfsaussage gewertet werden? Das kleine Einmaleins der Sozial- bzw. Markt-Forschung wird so jedenfalls außer Kraft gesetzt. Würden die die Städte z.B. fragen, wer in der Innenstadt zu 80% subventionierte Parkplätze haben möchte, die Datensammelstellen würden in Bedarfsmeldungen ertrinken. Fakt ist, dass unter dem Gesichtspunkt von Angebot und Nachfrage nur dann ein Bedarf annähernd ermittelt werden kann, wenn die Menschen für das Erwünschte auch den entsprechenden Preis zu zahlen bereit sind.

Ob das Strickmuster: ‚Horche, was die Menschen wollen und wir werden es umsetzen’ bald zur allgemeinen Handlungsmaxime wird? So könnten klamme Finanzpolitiker die Schüler fragen: ‚Möchtet / benötigt ihr überhaupt die Schule?’ Ohne das genaue Ergebnis abzuwarten würde ein riesiges Über-Angebot deutlich werden. Vielleicht greifen ja Chaospolitiker die Idee bald auf, um mit dem eingesparten Geld ihre Ziele zu verwirklichen.

Ein Zwischenfazit: Falsch angelegte Befragungen schaffen Verwirrung und bieten keine Planungsgrundlage.

Eine alternative – werteorientierte – Art der Bedarfsermittlung ist die Frage, was ein Mensch braucht bzw. wessen er bedarf. Auf das Thema Krippe bezogen würde das heißen: Braucht ein Kleinstkind eine Krippe? Hier würden alle Menschen, welche sich nicht der staatlichen Forderung nach der ‚Lufthoheit über den Kinderbetten’ unterworfen haben, mit einem klaren Nein reagieren. Denn gerade Babys brauchen als erstes umsorgende, fürsorgliche und für sie Zeit habende Mütter und Väter und keine staatlich organisierte Fremdbetreuung. Würde die Frage jedoch lauten: ‚Braucht ein Kind einen Kindergarten?’, würden die meisten Menschen und Fachleute dies mit einem eindeutigen Ja beantworten, weil ab dem Alter von ca. 3 Jahren eine zeitweise Gemeinschafts-Erziehung sehr förderlich ist.

Das es trotzdem sinnvoll oder notwendig sein kann, Krippenplätze bereitzustellen, ist selbstverständlich. Der Bedarf ergibt sich dann durch die Zahlungsbereitschaft der Eltern für die entsprechenden Dienstleistungs-Gebühren, welche für Krippen-Kinder zwischen 1.000,- bis 1.300,- Euro pro Kind und Monat liegen. Und wenn dann Menschen mit einem zu geringen Einkommen im Einzelfall eine staatliche Unterstützung erhalten, hat wenigsten die meist recht gut verdienende Akademiker- oder Manager-Familie die Chance, den Aufwand auch aus eigener Tasche zu bezahlen. Das ist echte – wie vom Bundesverfassungsgericht seit Jahren geforderte – Wahlfreiheit.

Wer Bedarfsweckung als Bedarfsermittlung betreibt bzw. verkauft, hat entweder keine Ahnung oder nutzt die zustande gekommenen Zahlen gezielt zur Untermauerung der eigenen Ideologie. Bei den agieren müssenden Kommunen ist dies noch etwas komplizierter, da sie – ob sie wollen oder nicht – staatliche Vorgaben von Oben, ‚koste es, was es wolle’ umzusetzen haben. So wandelt sich eine Überschrifts-Passage: ‚Jüngere Kinder haben das Nachsehen’ aus der Sicht eines Kleinkindes in die Feststellung: ‚Wie schön, dass ich bei Mama und Papa aufwachsen darf und nicht über Tag in eine Krippe gebracht werde.’ Denn Kinder brauchen in erster Linie Eltern und keine Verschiebebahnhöfe zwischen möglichst langer Tagesbetreuung und häuslichem Nachlager

Copyright: Dr. Albert Wunsch, 41470 Neuss, Im Hawisch 17

 


Weiterführende Artikel zu diesem Thema

  • Wenn Recht zu Unrecht wird – in Karlsruhe, der Residenz des Rechts !
    "Hans" ist Familienvater von drei Kindern, ein Vater von Tausenden, die in wirtschaftliche Not geraten und irgendwann nicht mehr in der Lage sind, die vollen Unterhaltsverpflichtungen zu erfüllen. Ein Fall für die Hilfe durch das Sozialamt denkt m...
  • Alle Kinder brauchen beide Eltern
    In blauen Weihnachtsmannkostümen haben geschiedene Väter und Mütter vor dem Amtsgericht in Lüneburg protestiert. Sie fordern, ihre Kinder endlich wiedersehen zu dürfen. Bericht des NDR. Der Filmbericht kann angesehen werden auf :  http://www.ndr.d...
  • Betreuungsgeld auf Pump?
    Argumentationsmuster zwischen Verdrängung und Herumtaktieren! ‚Keine neuen Schulden fürs Betreuungsgeld’? Dieses Argument, wie es seit Wochen - und in den letzten Tagen verstärkt - wieder quer durch die Parteienlandschaft zu hören ist, klingt i...
  • Das unwürdige Gezeter zum Betreuungsgeld
    Wie modernistisch-ökonomische Diktate das Kindeswohl ausblenden! Der öffentlichen Auseinandersetzungen um das ab 2013 geplante Betreuungsgeld liegt eine massive Fehleinschätzung der Leistungsfähigkeit von Kinderkrippen zu Grunde. Darauf ...
  • Familie Siala-Salame zusammenführen
    Innenminister Schünemann (CDU) Niedersachsen tritt Menschlichkeit mit Füßen. Er rechtfertigt unnachgiebig, streng nach Paragraf des Aufenthaltsgesetzes, warum die Familie Siala- Salame nicht zusammen leben darf.  Wie Panorama berichtet wurde F...
  • Prozess gegen Familienvater – Vermutungsurteil mangels Beweise
    17.Februar 2012 – ein trüber, feuchtkalter Tag in Stuttgart. Im Amtsgericht machen sich einige Polizisten, darunter eine Frau, fertig für die Leibesvisitation von Prozessbesuchern. Es geht um das Strafverfahren gegen Michael Mosuch, angeklagt wege...
  • Grundrecht auf Akteneinsicht: Jugendamt mauert und wird gedeckt
    Ansbach/Roth. Ein 37-jähriger Familienvater hat den Landkreis Roth auf Einsicht in alle dort über seine Familie geführten Akten verklagt. Das Akteneinsichtsrecht ist ein rechtsstaatliches verankertes Grundrecht im Rahmen des Rechts auf information...
  • Über die „rechtsmäßige“ Zerstörung von Familien in Deutschland
    Einer von tausenden Fällen in Deutschland. Scheidung, Verarmung des väterlichen Elternteils, Ausweglosigkeit für Kind und Vater angesichts einer Familienpolitik, die laut Grundgesetz zwar den Schutz der Familie zur Aufgabe hat, durch die Mühlen de...
  • Gezielte Stimmungsmache gegen das Betreuungsgeld!
    Wenn Argumente nicht mehr zählen müssen Halb-Wahrheiten herhalten. Ja, zurzeit gibt es eine Unisono-Koalition zwischen den politischen Wortführern gegen das Betreuungsgeld und den meisten Medien-Vertretern. Es erinnert fast an das traute Zusamm...
  • Folter-Sport in Deutschland: Das Stehlen von Eltern
    Gestalttherapeut Fiolka: "Leute, aus deren Feder diese Gesetze stammen, sind wohl kaum in Kontakt mit ihren Gefühlen gewesen… " Aufs Grausamste wird täglich 400 Kindern* ein Elternteil gestohlen. Diese moderne Art von Folter ist in Deutschland zu ...
Recommend to a friend

Tags: , , , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Loading

Translator

Neue Artikel ABONNIEREN

E-Mail:

Meine Favoriten

Spende an TV-ORANGE