Mediale Rattenfänger

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Zum Jahreswechsel haben uns die Medien mit dem Fall Wulff täglich auf allen Sendern des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und Rundfunks, den Privaten inkl. der Printmedien mit immer neuen Gerüchten und Erkenntnissen genervt. Selbst den Menschen, die Wulff nicht für einen geeigneten Bundespräsidenten hielten, ging dieser mediale Hype zu weit. Talkshows befassten sich mit dem Thema, im Hörfunk schien es auch nur ein Thema zu geben, Wulff kam einem wortwörtlich aus den Ohren heraus.

Es sind nur wenige Wochen vergangen, Wulff ist mittlerweile zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn, es herrscht ansonsten „Funkstille“. Die zweite Welle der Empörung nach dessen Rücktritt schwappte durch die Medienlandschaft, als es um die Zuteilung eines Ehrensolds ging und um weitere Vergünstigungen in Form von Büro, Personal, Fahrer, Dienstwagen und Chauffeur. Die rekordverdächtig kurze Amtszeit des letzten Bundespräsidenten, der im Alter von 52 Jahren nun auf Staatskosten abgesichert ist wie kein anderer, wird in die Geschichtsbücher eingehen.

Medien

Über die medial verzerrte Wirklichkeit – Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers Marco Marilungo

Dass die öffentlich-rechtlichen Medien nun genauso schweigen, wie deren private Konkurrenz ist sehr zu kritisieren. Das Thema, das wochenlang die Gemüter erregte, seine Auswirkungen auf das Gerechtigkeitsempfinden der deutschen Bürger und Steuerzahler darf jetzt nicht einfach totgeschwiegen werden, wie es zuvor übertrieben in die Köpfe gehämmert wurde.

Es bleibt der fade Nachgeschmack bei der Beobachtung der Behandlung des Themas Wulff, dass die Medien andere als öffentliche Interessen verfolgten. Genau so kann man das heutige übertriebene Schweigen deuten.

Wulff wurde aus dem Amt getrieben, Gauck spricht nun öffentlich für Deutschland von Freiheit, Demokratie und Glauben. Während Millionen Deutsche in den letzten Tagen ihre Steuererklärungen abgeben mussten und dabei penibel jeden Cent Einkünfte auflisteten, und bangen, was ihnen noch alles abverlangt wird, kassiert ein privilegierter junger Ex-Bundespräsident aufgrund der Entscheidung des Bundespräsidialamtes, also Wulffs ehemaliger Kollegen und Untergebenen, lebenslangen Sold und bekommt zum Abschied den Großen Zapfenstreich mit extra Musikwunsch. Und das alles während noch gegen ihn ermittelt wird.

An anderem Ort zur gleichen Zeit kassiert die Europa-Abgeordnete Koch-Mehrin öffentliche Gelder für eine Amtsausübung, die man auch als komplette Arbeitsverweigerung beschreiben könnte. Weiß man in den Regierungen und in den Medien nicht mehr wie die Menschen ihr Geld verdienen? Man mag es kaum glauben, berichten doch die gleichen Medien gleichzeitig über die Insolvenz-Welle, Arbeitslosigkeit und Verschuldung der Bürger in den Ländern, sprechen doch die Arbeitsminister über die Millionen von Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen oder ohne Arbeit, in Hartz4 oder von jungen Menschen ohne Ausbildungsplatz und ohne Perspektive.

Solche politische Rohrkrepierer auf dem Rücken der Vielen leisten wir uns, doch die Forderungen nach Gerechtigkeit verhallen ungehört.

Irgendwer brauchte uns – die Massen – einmal kurz. Und die Massenmedien putschten uns auf. Jetzt legen sie uns wieder schlafen. Wir sollen alles vergessen. Die öffentlich-rechtlichen Medien werden von uns allen direkt bezahlt. Die Privaten existieren durch unseren Konsum. Wessen Lied wird da gesungen – wem und was sind die Medien verpflichtet?

Wer die Zeche zahlt – das zumindest scheint klar, das braucht man nicht zu fragen.

Ein Kommentar von Hans-Udo Sattler

 

Weiterführene Information über den gesetzlichen Auftrag der Medien: Der Rundfunkstaatsvertrag nennt in § 11 den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Er beschreibt u.a. Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit. Quelle http://bit.ly/ao8Qjj

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