Lebensgefährliche Unarten

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Der Wahnsinn auf Deutschlands Straßen

Die Zahl der Unfalltoten steigt wieder. (1) Und das trotz all der Verbesserung der Fahrzeuge und der Assistenz-Systeme. Unachtsamkeit und Ignoranz sind auf dem Vormarsch. Was das eigene Verhalten im Straßenverkehr für andere Menschen und deren Unversehrtheit bedeutet, scheint in Vergessenheit zu geraten. Und jedes Jahr wird’s etwas schlimmer. Die Menschen am Steuer hinter der Scheibe sind beschäftigt mit Smartphones, Telefonieren, SMS-Schreiben, eMails, Facebook, Essen und Trinken, denken an alles Mögliche – nur die Konzentration aufs Fahren verkommt zu Nebensache.

• der Fahrtrichtungsanzeiger wird nicht betätigt

• Nichtblinken beim Linksabbiegen – gefährlich
• manche fahren vom Fahrtantritt bis zum Ziel völlig ohne Blinker.

Die Mit-Verkehrsteilnehmer können häufig nur raten, was der Vordermann so vorhat. Dabei ist der Straßenverkehr der am meisten reglementierte öffentliche Raum. Für alles gibt es Regeln und Vorschriften. (4) Für das Abstandhalten gibt es Formeln, die mühsam in den Fahrschulen gelernt werden. Trotzdem fahren die meisten viel zu dicht auf, bei schlechten Witterungsbedingungen, plötzlichem Nebel oder Schnee bleibt keine Chance zum Reagieren. (2) Für den Spurwechsel und fürs Überholen zum Beispiel ist „Fahrtrichtungsanzeiger betätigen“ Pflicht. Am Lenkrad Reißen mit Vollgasgeben, ohne darauf zu achten, was hinter oder neben dem Fahrer geschieht und ohne Rücksicht auf den Gegenverkehr, so sieht das Überholen zahlreicher Fahrspezialisten aus. Und die meisten Deutschen halten sich für besonders gute Autofahrer. (3)
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Beim Spurwechsel und Überholen werden andere Verkehrsteilnehmer nicht beachtet. Häufig gewohnheitsmäßig.

Ein Klassiker ist: auf dem Autobahnbeschleunigungs-Streifen ohne zu beschleunigen langsam auf die Autobahn „eiern“ und dann mit 30-50 km/h den fließenden Verkehr in Bedrängnis bringen. Und das sind nicht nur die „Alten mit Hut und Klopapierrolle“, die so fahren…
Auch die rollende LKW-Wand, die von menschlichen Autopiloten mit Tunnelblick gelenkt zu werden scheint, eskaliert alltägliche Fahrmanöver zur angsteinflößenden Herausforderung. LKW-Fahrer machen einem in die Autobahn einfahrenden Fahrzeug nicht immer den notwendigen Platz und fahren stur weiter. KFZ-Führer/innen mit PS-schwachen Vehikeln könnte während der Einfahrt in stark befahrene Autobahnabschnitte schon einmal der kalte Schweiß auf der Stirn stehen. Wird es heute
wieder gutgehen?

Sicherheitsabstände werden als Dränglerlücken missbraucht,

Sinnlos wird auf Stauenden und langsamere Fahrzeuge zugerast und die Vorderleute genötigt

Und Gegenstücke unsozialen Fahrverhaltens gleich dazu beim Verlassen der Autobahn: Vor dem Verzögerungsstreifen, also bereits auf der Autobahn, stark abbremsen und dann ohne zu blinken abbiegen und damit den rückwärtigen Verkehr gefährden. Oder gleich mit dem 4-Ringe-, Stern- oder Bayern-Boliden von der dritten Spur blinkerlos in die Ausfahrt oder in den Rasthofbereich dübeln.

Es ist nicht die Autobahn alleine, auf der täglich unzählige der gefährlichen und riskanten – jedoch meist vermeidbaren – Aktionen zu beobachten sind. Auf den Landstraßen geht’s nicht viel entspannter zur Sache. Hier ist sinnloses Dichtauffahren, ohne Überholabsicht, an der Tagesordnung, um dann noch leicht versetzt nach links über die Mittellinie in den Gegenverkehr zu ragen. „Ist cool“. Aber gefährlich und völlig sinnbefreit.

Genauso sinnlos ist das permanent zu beobachtende Knapp-Abbiegen ohne Blinker unter Gefährdung des Gegenverkehrs

Es steht in der Straßenverkehrsordnung – allerdings erreicht es die Hirne weitgehend nicht mehr: In Deutschland gilt das Rechtsfahrgebot. Das bedeutet tatsächlich Weitreichenderes als die rechte Fahrbahn benutzen zu sollen:

Das Rechtsfahrgebot besagt, dass „stets und unter allen Umständen möglichst weit rechts gefahren werden soll“. (4)

Dennoch, das lässige Kurvenschneiden hat sich zu einer der gefährlichsten Landplagen entwickelt, kann es doch zu einem geschwindigkeits-addierenden Frontalschaden mit dem Gegenverkehr führen.

Auf Landstraßen die Kurven schneiden, „sehenden Auges“ trotz Gegenverkehr, bedeutet achtlos mit der Unversehrtheit und dem Leben anderer zu spielen!

Autofahrer denken bisweilen selbstherrlich, dass Zweiradfahrer keine ganze Spur benötigen. Was es für einen Zweiradfahrer bedeutet, wenn diesem in der Kurve ein Auto auf seiner Fahrbahnseite entgegenkommt, vergessen viele. Fahrrad-, Roller- u. Motorradfahrer haben keine Knautschzone und selten Fahrassistenten. Der Zweiradfahrer muss in Kurven mit den Fliehkräften umgehen und – je nach Fahrpraxis, Können und Beschaffenheit des Asphalts- können Kurvenkorrekturen, Bremsen sowie Ausweichmanöver zum sofortigen Sturz mit erheblichen Folgen führen. Das schlimmste dabei ist, dass viele Autofahrer, die so unbedacht das Leben anderer Verkehrsteilnehmer gefährden, selbst Zweiradfahrer sind und das alles eigentlich wissen müssten.
Auch die Umsicht beim Überholt-Werden lässt zu wünschen übrig. Wenn man überholt und das überholte Fahrzeug währenddessen einfach spontan, ohne ersichtlichen Grund nach links zieht, wird der ein oder andere Motorradfahrer schon mal „abgeschossen“ oder überholende Autofahrer in die linke Leitplanke geschickt. Aber auch wenns glimpflich agbeht bleibt die Frage: Warum geschieht das immer wieder?

Wer z.B. mit allen 4 Rädern seines Fahrzeuges in einer Kurve ohne Acht auf die Gegenfahrbahn fährt, um einer Fahrbahnverschmutzung auf seiner Seite auszuweichen, begeht einen Anschlag auf das Leben anderer – Man nennt das „Gefährdung des Straßenverkehrs“. (4)


In der abgeschwächten Form kann man dieses Verhalten jederzeit innerorts beobachten. Hindernisse auf der eigenen Fahrbahnseite werden einfach umfahren, indem man den Gegenverkehr zu Notbremsungen zwingt. Eigentliche eine klare Vorfahrtsverletzung, doch vielen völlig egal. Unvorsichtiges Abbiegen – an der Tagesordnung

eingebunden mit Embedded Video

YouTube Direkt http://www.youtube.com/embed/sVtP66ch3VE


Ständige Wachsamkeit ist geboten,
wenn man an seinem eigenen Leben hängt. Und man muss stets mit allen Unarten und Fehlverhalten rechnen. Das ist sowieso klar und doch ist man jeden Tag aufs Neue überrascht – Wenn jemand z.B. mitten auf der Fahrbahn spontan wendet und einen auf der Linksabbiegerspur herannahenden Radfahrer mitnimmt, wenn jemand innerorts an stehenden Fahrzeugen vorbeirast (siehe Bild) und ein zwischen den Autos hervorlaufendes Kind niederfährt. Nur Randnotizen im Lokalteil der heimischen Zeitung. Und so völlig vermeidbar, mit mehr Respekt vor dem Leben anderer und etwas Achtsamkeit.
Die obige Aufzählung von Unarten ist willkürlich und könnte beliebig erweitert werden. Jeder hat bestimmt seinen eigenen ungeliebten Favoriten, lauernder, vermeidbarer Gefahren im Straßenverkehr.

Schreiben Sie uns Ihren persönlichen „Favoriten des Irrsinns“ einfach im Kommentar zum Artikel!

Das Teilnehmen am Straßenverkehr macht unter diesem sich einschleichenden Gesamtverhalten immer weniger Freude und birgt immer mehr unnötige, gravierende Gefahren. Und irrwitziger Weise sind die meisten dieser kritisierten Betreiber von Fahrzeugen – wenn man sie außerhalb ihrer Blechummantelung trifft und mit ihnen spricht – vernünftige, sympathische Menschen mit den gleichen Sorgen und Nöten wie man selbst.
Und selbst ertappt man sich sicher auch dabei, dass einem solche Verhaltensweisen zu eigen werden. Zum Beispiel, wenn einem fortwährend andere in den Sicherheitsabstand hereindrängen, wird man die Lücke irgendwann schliessen und selbst zum Dichtauffahrer werden, der sich und seinen Vordermann gefährdet. Und Fahr-Fehler macht jeder zusätzlich. Gerade dann ist es besonders wichtig, dass Spielräume bleiben.

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Dieser Appell richtet sich:

an alle Verkehrsteilnehmer, sinnlose Gefährdungen zu unterlassen und toleranter bei Fehlern anderer zu reagieren.

•  an die Fahrschulen, eindringlicher und nachhaltiger auf die Gefährlichkeit alltäglicher „Verkehrs-Verhaltensstörungen“, ignorantem Verhalten und Rücksichtslosigkeit hinzuweisen.

Was haben die Absolventen von Fahrschulen wirklich gelernt?
Und: Was wissen die Fahrer nach Jahren wirklich noch von den tatsächlichen Regeln?

Verkehrserziehung und die Wiedereinführung des 7. Sinn tut not!
(Beispiel 7. Sinn – Abstand halten – LKW-Bremsweg)

eingebunden mit Embedded Video

YouTube Direkt http://www.youtube.com/embed/rFLkSqcfpQI

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an die Polizei und Polizeibehörden
, die Verkehrsteilnehmer durch aktive Kontrollen und „Streife-Fahren“ mehr zu „erziehen“ und Ahndung bei Verstößen, anstelle reiner Geld-Abzocke durch Blitzer und Kameras.
„Streife fahren“ anstelle Technik-Teams, die sich nur um das Funktionieren von Geld-Fallen kümmern – Polizei zum Schutze aller anstelle finanzieller Abzocke zur Erhaltung eines bürokratisierten, von seinen Aufgaben entfremdeten Systems, einer aufgeblähten Verwaltung, die lieber Briefe und Rechnungen schreibt, anstelle die Verkehrsteilnehmer zu schützen.


an den ADAC, diese Thematik stärker in den Vordergrund zu stellen anstelle Lobbyarbeit für Auto-Hersteller zu betreiben. Die Verkehrssicherheit wird nicht nur durch bessere Autos und Motorräder erreicht, sondern insbesondere durch eine Weiterentwicklung ihrer Fahrer und ihrem Fahrverhalten.

Für TV-Orange „Moment-Mal“ von Hans-Udo Sattler

 

Quellen / Hinweise:

(1) Zahl der Unfallopfer steigt, NTV:http://www.n-tv.de/auto/Zahl-der-Unfallopfer-steigt-article4823386.html

(2) Massenunfall in Cloppenburg

http://www.focus.de/panorama/welt/autobahn-massenunfall-mit-50-fahrzeugen-auf-a1_aid_704931.html

(3) Deutsche halten sich selbst für die Besten Autofahrer Europas: http://www.motor-talk.de/blogs/andyrx/deutsche-sind-beste-autofahrer-in-europa-t2063729.html

(4) Verkehrslexikon: http://www.verkehrslexikon.de/Lexikon.php

Bildquellen :
© Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V., Bonn.

 

6 comments for “Lebensgefährliche Unarten

  1. fentaro
    4. April 2012 at 08:28

    Vielen Dank für den guten Artikel.
    Nur leider wird er nichts bewirken weil die betreffenden Täter (Fahrer mag ich dazu nicht sagen) solch einen Artikel nicht lesen werden.
    Ich finde auch das die Aggression im Straßenverkehr immer mehr zunimmt. Es scheint wohl auch für viele ein Ventil zu sein ihren Frust über das eigene, jämmerliche Dasein an anderen auszulassen.
    Am schlimmsten finde ich das Drängeln bzw beiseite schubsen. Solchen potentiellen Totschlägern würde ich den Führerschein abnehmen, das Fahrzeug als Waffe beschlagnahmen und zu Gunsten der Verkehrsopferhilfe versteigern.
    Leider beobachte ich auch bei mir manchmal Reaktionen über die ich im nachhineien noch den Kopf schütteln kann.

    • hus
      5. April 2012 at 09:16

      Vielen Dank für Ihre Antwort! Mit Ihren Ausführungen zeigen Sie bereits, dass der Artikel etwas bewirkt – dass wir uns als Verkehrsteilnehmer unserer eigenen Verhaltensweisen in diesem Zusammenhang klar werden. Vielleicht tut es not, es einmal auszudrücken, dass – wie ich glaube – die große Mehrheit der Verkehrsteilnehmer, das was auf den Straßen so geschieht nicht einfach stillschweigend gutheisst. Und die Appelle am Schluss des Artikels richten sich an alle, die man diesbezüglich erreichen kann, die Verkehrsteilnehmer selbst, die Fahrschulen, die Polizei und den größten Automobilclub. Man kann durch kleine Dinge aus dem täglichen Wahnsinn auch aussteigen, indem z.B. man den Blinker nach rechts setzt, Drängler-Cluster einfach ziehen lässt, sich dem Druck entzieht und seine eigene Balance behält. Geht nicht immer, aber gelegentlich. Die „Wahnsinnigen“ können wir nicht ändern, aber unsere Reaktion darauf schon – und selbst nicht genauso werden.

  2. chip59
    3. April 2012 at 17:42

    …meine absolute Nr.1 ist das telefonieren/surfen/simsen während der Fahrt, das ist zu einer richtigen Seuche geworden und gehörte mit Fahrverbot bestraft.

    In diesem Sinne
    Chip (via biker.de)

  3. Thommy
    3. April 2012 at 16:01

    Harry,
    das sehe ich ein bisschen anderst.
    Es ist allgemein gesellschaftliche, dass wir immer rücksichtsloser weden.
    Im Straßenverkehr fällt es uns halt mehr auf.
    Die Rücksichtslosigkeit lässt sich kaum mit solchen Mitteln bekämpfen.

    Mein Favorit ist:
    Wenn ein Auto ein Hindernis auf seiner Seite hat (z.B. parkende Autos) Und trotzdem ausschert und dran vorbei fährt obwohl man mit dem Moped entgegenkommt. So nach dem Motto…“Der ist ja schmal…der kann zur Seite fahren“.

    Nr 2 ist der Klassiker:

    Man möchte mit dem Moped mehrere Autos überholen, und es schert einer aus ohne zu schauen und ohne zu blinken.

    Ich bezweifle ob man da mit elektronischen Helferlein eingreifen könnte.
    Eine sog. Blackbox, die das Fehlverhalten dokumentiert, und im Falle eines Unfalls wenigstens die Schuldfrage leichter geklärt werden kann hielte ich für Sinnvoll.

    Grüssle Thommy (via biker.de)

  4. HarryHeilbutt
    3. April 2012 at 10:44

    Oh ja, auch ich kann von vielen Situationen die im tv-orange.de gebrachten Beitrag genannt worden ein Liedchen singen, was genau die Ursachen sind die die Menschen vom Verkehr ablenken, ist vielfältig, aber eins trärgt ganz sicher mit dazu bei und das sind die ganz vielen kleinen Helferlein, die uns vorgaukeln, wir bräuchten eigentlich nur noch gas geben und lenken, alles andere wird uns von der Elektronik abgenommen.
    Das dies ein riesen Trugschluss ist, merken viele erst wenn es zu spät ist, ich finde, die Autohersteller sollten lieber ein Fahrerüberwachungssystem entwickeln, der bden Fahrer warnt wenn er zum Beispiel zum Telefon greift, sollte die Warnung nicht unmittelbar fruchten, wird automatisch die Geschwindigkeit unter Beachtung des Verkehrs bis zum Stillstand veringert und der Motor lässt sich erst wieder starten, wenn die Elektronik durch den Hersteller über Mobilanschluss entsperrt wird, automatisch wird der Grund der Sperrung automatisch den Ordnungsbehörden gemeldet.
    Technisch ohne großen Mehraufwand machbar und würde die Verkehrsteilnehmer mehr disiplinieren, weil einmal das Auto erst wieder entsperrt werden muss, was zum einer Zeit in Anspruch nimmt und die Herrsteller das sicherlich entsprechend honnurieren lassen und zum anderen kommt ja automatisch noch ein Busgeldbescheid von den Behörden. (via Biker.de)

  5. 2. April 2012 at 16:35

    Guter Artikel, der viele gefährliche Gewohnheiten illustriert und fatale Nachlässigkeiten anspricht. Raser und Drängler gehören zur Raison gebracht. Aber genauso sollte der Nötigungsparagraf auch auf sinn- und grundlos als Verkehrshindernis Herumrollende angewendet werden, denen entweder der Mut oder der IQ zur notwendigen Geschwindigkeit fehlt.

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