Günter Grass – was gesagt werden muss

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Günter Grass sieht sich angesichts der immer weiter eskalierenden Drohgebärden und Kriegsvorbereitungen gegen den Iran gezwungen, sein Schweigen zu brechen.
Als  eine Stimme aus dem Land, in dem im letzten Jahrhundert unfassbare Greuel an Juden und all denen, die angeblich “nicht zur deutschen Rasse gehörten”, an allen Menschen, die für Freiheit und Frieden eintraten, geschahen.
Aber er kann jetzt nicht schweigen, in einer Zeit, in der wieder unsägliches Leid droht. Grass hat sein Empfinden in ein Gedicht gefasst. Kaum veröffentlicht, wird er als Antisemit verschrieen.
Doch Grass will etwas ganz anderes – ein tolerantes friedliches Zusammenleben zwischen allen Nationen und Staaten.
Bitte lesen Sie auch, wie bereits 1980 das Nuklearprogramm Israels aufgedeckt wurde. Über die Verschleppung und Inhaftierung des israelischen Nukleartechnikers Vananu. http://tv-orange.de/2012/04/vanunu-was-nicht-gesagt-werden-darf-israels-atomprogramm/
Wir drucken dieses Gedicht ab, damit auch Sie sich selbst direkt eine Meinung bilden können.

 

 

 

 

Was gesagt werden muss

Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten –
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er mißachtet wird;
das Verdikt „Antisemitismus“ ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muß.

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muß,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir – als Deutsche belastet genug –
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Dimona  Atomwerke in Israel

http://de.wikipedia.org/wiki/Dimona Atomwerke in Israel

 

Information über israelische Atomwaffen von Clemens Ronnefeldt – Internationaler Versöhnungsbund seit 1914.
http://www.versoehnungsbund.de/sites/default/files/cr_atomwaffen.pdf

Weitere Hintergrundinformation dazu in Wikipedia
http://de.wikipedia.org/wiki/Dimona Atomwerke in Israel

3 comments for “Günter Grass – was gesagt werden muss

  1. PT
    12. April 2012 at 15:45

    Was ist das für eine Demokratie, wo man für mit Sicherheit aus echter Besorgnis ausgesprochenen Kritik (keiner hirnlosen Hetze !!) sofort beschimpft und verleumdet wird. Da wird in der Vergangenheit rumgewühlt, weil man als 17jähriger ne falsche Entscheidung traf. Wer von den ach so schlauen und selbsgerechten Meckerern war sich im Alter von 17 Jahren über alle Konsequenzen seines Tuns völlig im Klaren ? Wenn jetzt einer „Ich“ sagt – sage ich: „Lügner – kannst du gar nicht !!“ Also, was soll das ?
    Ihr könnt ja anderer Meinung sein – warum nicht. Akzeptiere ich. Wenn alle auf eine Meinung getrimmt werden sollen, sind wir wieder in der DDR oder noch früher gelandet. Danke, das wollte ich nicht mehr.

  2. Dr. Wedekind, Paul
    9. April 2012 at 23:25

    Jeder Satz im Prosa-Gedicht von Günter Grass findet meine uneingeschränkte Zustimmug – bis auf die Bemerkung „…mit letzter Tinte…“, die mich Günter Grass fragen läßt: Warum er erst mit „letzter Tinte“ Wahrheiten verkündet und damit erst jetzt öffentlich Anklage erhebt gegen alle Kriegstreiber dieser Welt mit den USA und Israel an der Spitze? Hätte das ein Günter Grass, ein Nobelpreisträger, nicht schon viel, viel früher tun müssen? Und wenn ja, weshalb musste es eben erst seine „letzte Tinte“ sein, um dieses viel zu lange Schweigen zu Israels Politik und seinen Atombombenarsenalen zu brechen? Reichten die von den Israelis begangenen Kriegsverbrechen und Verletzungen des Völkerrechts und der Menschenrechte, begangen allein schon mit mörderischen konventionellen Waffen, nicht schon aus, um den Staat Israel öffentlich anzuklagen mit dem Ziel, ihn von der Völkergemeinschaft auch zu verurteilen? Ob Herr Grass uns Bürgern und vor allem seinen Unterstützern nicht erklären könnte, welche Gründe es für ihn gab, so lange zu warten, bis nur noch dieser „letzte Tropfen Tinte“ aus seinem Füllfederhalter floss? Aber, zum Glück floss er noch, dieser „letzte Tropfen Tinte“…

  3. k
    5. April 2012 at 10:28

    Wer irgendetwas gegen Israel sagt, wird als Nazi diffamiert. Dieses Volk hat aus seiner eigenen Vergangenheit in der NS Zeit nicht gelernt. Sie sperren die Palästinenser ein, sie bombardieren in den siebziger Jahren eine Atomkraft Werk im Irak. Aber immer klagen sie nur über ihre schlimme Vergangenheit. Seit der Staat Israel besteht, ist in dieser Region kaum Frieden. Darüber sollten wir alle einmal nachdenken – ob sie eventuell nicht etwas verkehrt machen.

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