Aufruf von OCCUPY Frankfurt – Protest nach Berlin tragen

Im Folgenden veröffentlichen wir einen Aufruf von jungen und älteren Menschen, die unabhängig und aus eigener Kraft als OCCUPY-Frankfurt den Protest gegen die gesellschaftliche Misere formulieren. Mit zahlreichen Aktivitäten, Veranstaltungen z.B. auch gegen die „Spekulation mit Nahrungsmitteln“, gegen „ACTA und CISPA“, mit einem Zeltlager vor der Bankenzentrale in Frankfurt fordern sie eine Umkehr zu einer menschlichen Gesellschaft. Die OCCUPY Bewegung versteht sich als offene und demokratische Bewegung. Ihre Forderungen sind kein Parteiprogramm, sondern Aufforderung zur Diskussion.

„Protestmarsch nach Berlin ! Es ist so weit. Das Camp an der EZB hat am 15.04.2012 seinen halbjährigen Geburtstag gefeiert.

Vor der Zentrale der Hochfinanz in Frankfurt

Es ist uns gelungen, unter einer unglaublichen Anstrengung unserer Kräfte, dieses halbe Jahr zu bewältigen. Damit haben wir den Protest gegen die Krise des herrschenden kapitalistischen Weltwirtschaftssystems in eine der Schaltzentralen des Finanzkapitals getragen.

Es ist kein Spaß, kein Karneval, kein Freizeitvergnügen.

Wir geben den Traum von einer gerechten, solidarischen Gesellschaft, in der es keine Diskriminierung nach Herkunft der Rasse  oder Klasse, nach Geschlecht oder Religionszugehörigkeit gibt, nicht auf.

Wir brauchen eine Gesellschaft der Solidarität und nicht den Kasernenhof der Lohnarbeit. Wir stehen ein für eine Gesellschaft, in der jeder Mann und jede Frau , den Anspruch auf einen humanen menschenwürdigen Arbeitsplatz  verwirklichen kann.

Lohnarbeit ist Ausbeutung.

Auch in Deutschland geht die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander. Der gut ausgebaute Niedriglohnsektor hat zwar zu einem formalen Anstieg der Beschäftigungsverhältnisse geführt, die Qualität der Lebensverhältnisse hat sich jedoch dramatisch verschlechtert. Dies drückt sich auch in Deutschland in der Zerrütung vieler Ehen, Drogenmißbrauch, dem dramatischen Anstieg psychischer Erkrankungen, prekärer Lebensverhältisse etc. aus.

Wir sind empört !

Die noch kommende Verschärfung der Finanzkrise, wird auch in unserem Land, ein lange nicht gesehenes Maß an Massenelend erzeugen. Wo dies enden wird, davon haben wir heute noch keine rechte Vorstellung. Griechenland zeigt die Marschrichtung an.

Die Strukturen des griechischen Einzelhandels sind komplett zusammengebrochen. Dies wird in einer Weltmetropole wie Athen durch den Versuch, eine Art Subsistenzwirtschaft (Selbstversorgung) aufzubauen, aufgefangen. Das wirtschaftliche Elend wird zum Grund für öffentliche Selbstmorde. Die Gewinner der Krise sind Betrüger und Gauner. Der bürgerliche Parlamentarismus ist am Ende.

Die wachsende Kriegsgefahr und systematische Zerstörung unserer Umwelt im Zuge der Krise sehen wir mit besonderer Sorge. Ein Beispiel dafür ist die Anwendung von Crackingverfahren zur Ausbeutung von Öl- und Gasfeldern.

Insbesondere wendet sich unser Protest gegen die systematische Entrechtung und Entwurzelung breiter Massen in den osteuropäschen Ländern der EU. Wanderarbeit, Obdachlosigkeit, Organhandel und Zwangsprostitution sind Erscheinungen, die mit Neoliberalen Konzepten in Europa nicht verschwunden, sondern im Gegenteil auf dem Vormarsch sind.

Davon können wir gerade auf dem Camp von Occupy Frankfurt zwischen Rotlicht- und Bankenviertel in Lied singen. Es gibt kaum einen Ort in Europa, der die konkreten Erscheinungen des Neoliberalismus deutlicher ausdrücken würde, als das Camp an der EZB in Frankfurt.

Mitte Mai werden wir mit Blockupy den friedlichen Massenprotest wieder auf die Straßen von Frankfurt bringen. Damit werden wir eine neue Qualität des Protestes erreichen. Bereits jetzt haben wir übermenschliches geleistet. Aktivisten des Frankfurter Camps betätigen sich seit der kurzen Aufbauphase in Frankfurt, als Aktivisten in Kairo. Eine Delegation aus Frankfurt hat vor kurzem Protest in Athen organisiert. Die Welt schaut nach Frankfurt und wir schauen in die Welt.

Wir sind keine Eintagsfliegen.

Infostände, Küche vor den Zelten der OCCUPY-Bewegung

Wer geglaubt hat, uns könnten einige wenige Wintertage erledigen, hat sich geirrt. Die Kälte hat uns beflügelt und neue Energien freigesetzt. Es sind neue Probleme aufgetreten, die wir lösen müssen. Dies ist nun einmal so, wenn man systematisch Quantität in Qualität umwandelt, um weiter an Stärke zu gewinnen. Wenn das politische persönlich wird und das persönliche politisch. Wir haben uns in Frankfurt auf einen revolutionären Pfad begeben, der nach unserer Meinung mit nichts an politischem Protest in der Geschichte der alten und neuen BRD vergleichbar ist. Wir meinen es ernst, wenn wir sagen:

Wir wollen die Macht der Banken und Konzerne zerschlagen.

Viele Akivisten sind in den letzten 6 Monaten psychisch oder materiell ausgebrannt. Davon werden wir uns nicht abhalten lassen, weiter an Stärke zu gewinnen. Wir werden in Phasen des neuen Frühlings uns erholen und neu erstarken und wir werden immer wieder kommen, solange bis unser Traum Wirklichkeit wird. Dabei werden wir den Marsch nach Berlin dazu nutzen , unseren Protest in jeden Winkel unseres schönen Landes zu tragen. Wenn wir erfolgreich sein wollen, brauchen wir die Solidarität jedes Einzeln und jeder Einzelnen.

 

Unseren Protestmarsch verbinden wir mit der konkreten Forderung nach gleichen menschenwürdigen Lebensverhältnissen in:

West, in Süd, in Nord und Ost.

Die Erde ist eine Kugel. Der Mensch ist ein solidarisches Wesen. Schluß mit jeder Art von Ausbeutung, Diskriminierung und Ausgrenzung.

Nie wieder Krieg und Faschismus irgendwo auf dieser Welt.

Kein Mensch ist berechtigt Macht und Gewalt über einen anderen Menschen auszuüben.

Wir fordern die konsequente Anwendung der UN Menschenrechtscharta.

Wir fordern die konsequente Ausmerzung jeder Form von Sklaverei.

Wir fordern, dass sich jeder Mensch frei nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen entwickeln kann.

Armut ist ein Verbrechen an der Menschheit, solange 99% des Vermögens in der Hand einer Machtelite von 1% ist.

Im übrigen sind unsere produktiven Kräfte so weit entwickelt, daß kein Mensch in Armut leben muß.

Wir fordern einen weltweiten Mindestlohn und wir fordern einen sofortigen Stop des ESM und aller weiteren Rettungsschirme.

Wir fordern einen weltweit gültigen Arbeitstag von 6 Stunden.

Wir fordern gleiche Bildungschancen für jede/n.

Wir fordern ein strenge Reglementierung des Finanzsektors im Sinne des Wohls der Allgemeinheit. 

Wir fordern das Verbot der Spekulation mit Lebensmitteln und Energieressourcen.

Wir fordern das Verbot der Spekulation mit Immobilien. 

Wir werden jetzt diesen Protest in Tagsmärschen von Frankfurt aus nach Berlin vor den Reichstag bringen. Wir werden die örtliche Presse auf unseren Tagesetappen informieren und fordern die Bevölkerung auf, uns auf unseren Tagesetappen ein Stück des Weges zu begleiten. Proteste auf der Straße und Streiks in der Fabrik sind unsere Antwort auf eure Politik ! Nächste Woche wird die Route veröffentlicht und dazu auch die Informationen zu Kontaktpersonen auf dem Marsch. Die Wanderer freuen sich über jegliche Unterstützung aus der Bevölkerung. Akut könnten sie gebrauchen:

  • 10 Regenkapes
  • Turn-/Wanderschuhe (Gr. 42-44)
  • Wanderrucksäcke
  • Verbandszeug (Pflaster, Mullbinden, Sportsalbe etc.)

Solidarische Spenden können jederzeit am Infostand abgegeben werden.“

 

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Wer macht die Geschichte aus „Proletenpassion“, mit freundlicher Genehmigung von Herrn Heinz Rudolf Unger, Herrn Wilhelm Resetarits und Herrn Georg Herrnstadt.

Die Redaktion von TV-ORANGE

1 comment for “Aufruf von OCCUPY Frankfurt – Protest nach Berlin tragen

  1. 22. April 2012 at 16:21

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    Im Internet erscheinen immer mehr Grafiken wie diese: “In diesem Land sind wir alle Kriminelle! *ich bin kriminell*”

    Es braucht keine Gewalt mehr – auch “passiver Widerstand”, ein reiner Interpretations-Tatbestand, soll jetzt mit Haftstrafen ab zwei Jahren belegt werden.

    Twitter und Facebook glühen jedenfalls. Man will in Spanien nicht für möglich halten, dass eine demokratisch gewählte Regierung jetzt zu den Methoden der finsteren Franco-Diktatur zurückkehrt, die man endlich hinter sich zu haben glaubte und schnellstens vergessen wollte.

    Quelle:
    http://uhupardo.wordpress.com/2012/04/14/back-to-franco-passiver-widerstand-und-aufruf-zu-demonstrationen-werden-strafbar/

    http://a1.sphotos.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-ash3/555578_332698846792592_109043239158155_904948_450234205_n.jpg

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