Solarpark im Westerwald? Ja, im Ernst.

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Es ist bereits beschlossene Sache. Auch die Schildbürger trafen eine Entscheidung – dem Märchen nach, ein Rathaus zu bauen, vergaßen aber Fenster und haben dann versucht, mit Säcken Licht in den Rathaussaal zu bringen. (3)

Der Westerwald ist sprichwörtlich bekannt für seinen permanenten Wind; man erinnere sich an das Volkslied „da pfeifft der Wind so kalt, jedoch der kleinste Sonnenschein, dringt tief ins Herz hinein“. Und nicht weit von der höchsten Erhebung des Westerwaldes, der Fuchskaute (657m ü.NN), liegt die geplante neue Heimat ausgerechnet eines Solar-Parks und in ähnlicher Höhe.
Der kleinste Sonnenschein, genau das ist es, was jetzt energetisch genutzt werden soll. In unmittelbarer Nähe, entlang der Bundesstraße B414 und B255, (siehe Bild) drängen sich ansonsten zahlreiche Windkrafträder, und das erwiesenermaßen wirtschaftlich.

Genau dort sind die begehrten „windhöfigen Standorte“. Und in der Gegend, auf Höhen zwischen 500 und 650m, im Grenzgebiet zwischen Rheinland-Pfalz und den hessischen Westerwaldorten hat man sich schon an die optische Verschandelung gewöhnt. Es wurde sogar wider alle Einsprüche der Bau von 4 WKAs im Knoten-Gebiet genehmigt, mitten in einem Naherholungs- und Naturschutzgebiet, Wander- und Ski-Wandergebiet und Vogelschutzgebiet, in der Nachbargemeinde Greifenstein. (siehe 2: <Das Knoten-Dilemma> )

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13 Hektar (130.000 qm) Solarpark im Windgebiet

Ineffektiver Solarpark wird gebaut – Wasserkraft vielerorts ungenutzt

Jetzt soll dort zusätzlich ein Solarpark entstehen. Auf der Sonnen-Energie-Karte von „Renewal-energy-concepts“ (1) ist das Gebiet in der von der Sonne am wenigsten verwöhnten Region zu finden. Im Volksmund sagt man, es sei im Westerwald -ausser windig- auch 9 Monate Winter und 3 Monate kalt. Die Sonnendauer, sagte ein heimischer Ingenieur, sei bestenfalls in etwa so wie manchen Gebieten Alaskas einzuschätzen.

In den Mittelgebirgslandschaften des Dreiländerecks Hessen – Rheinland-Pfalz – Nordrhein-Westfalen setzt man seit geraumer Zeit auf Windkraft und die Gemeinden nutzen den Trend und versuchen dem Problem klammer Kassen mit der Ausweisung von zahlreichen Windernergie-Flächen zu begegnen.

Die vorhandenen Talsperren allerdings, haben teilweise keine Turbinen zur Stromerzeugung, obwohl das technisch sehr einfach zu managen wäre. Die Wasserrechte seien das Problem, weswegen der Strom aus Wasserkraft an vielen Stellen bisher brach liege, hiess es.

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Beschlossener Solarpark in Driedorf – Gewerbegebiet „Potsdamer Platz“

Viel zu wenig Rendite mit Solar – Warum nicht Windenergie?

Der Driedorfer SPD-Bürgermeister Dirk Hardt (SPD) und sein Gemeindevorstand wollen das Gewerbegebiet „Potsdamer Platz“ nun zu einem Solarpark machen. Das komplette Gewerbegebiet umfasst 13 Hektar (130.000 qm). In namentlicher Abstimmung stimmten 16 (von25) Kommunal-Politiker der Gemeindevertretung einem entsprechenden Antrag des Finanz- und Bauausschusses zu. Sie beauftragten ein Planungsbüro einen entsprechenden Bauantrag im Namen der Gemeinde Driedorf einzureichen. Dieser beinhaltet einen fünf Megawatt (fünf Millionen Watt) starken Solarpark in dem Gewerbegebiet auf eigene Kosten. Acht Parlamentarier sprachen sich dagegen aus, und zwei enthielten sich der Stimme.

Das Gewerbegebiet wurde bereits 2001 ausgewiesen, jedoch nie ernsthaft beworben, noch nicht einmal ein Schild wies darauf hin – und jetzt argumentieren die SPD-Politiker, das Gebiet würde ja nichts abwerfen.

Prognostiziert werden 6,8% Rendite. „Viel zu wenig“ sagen die CDU-Abgeordneten. Und gleichzeitig sei das Risiko viel zu hoch, auf die 20 geplanten Jahre Laufzeit gesehen, sagte Elke Würz (CDU). Die Grünen Vertreter äußerten ihr Unverständnis darüber, wieso man keine Windkraft-Anlagen baue, die erheblich weniger Fläche benötigten und bis zu 20% Rendite abwerfen würden. Diese Meinung vertrat Jürgen Heckmann (Grüne).

Gegenargumente? Gibt’s denn sowas?

Der Bürgermeister Hardt hatte mit einer Mehrheit für die Solaranlage, die Entscheidung durchgebracht und will nun nichts mehr hören von Gegenargumenten. Er sagte wörtlich: „Jetzt können wir mal etwas für den Klimaschutz tun, und da kommen Gegenargumente“ Nicht zu fassen, Gegenargumente!(Anmerkung d.Red) „Heute wollen wir das Ding auf den Weg bringen, über alles andere können wir noch ausgiebig beraten“ sagte er abschliessend zum Thema.

In der gleichen Sitzung wurde in einem weiteren Tagesordnungspunkt sehr schnell und einig Zustimmung zu einem Antrag auf Errichtung zweier Windkraft-Anlagen durch zwei heimische Privatinvestoren erteilt. In Blickweite des Solarparks, ganz ohne Diskussionsbedarf.

„Plötzlich rief der Schuster aufgeregt: „Da! Ein Lichtstrahl!“ (3)

Nicht jede Entscheidung, die dieser Tage im Windschatten des Energie-Wandels durchgedrückt wird, scheint sinnvoll zu sein. Oftmals fragt man sich, welche Interessen wirklich dahinter stecken und vor allem, wie schnell und ohne große Öffentlichkeit man die Bürger vor vollendete Tatsachen stellt. Den Piraten wird allenthalben Naivität und politische Unerfahrenheit nachgesagt, doch diese leben mit öffentlichen Online-Übertragungen ihrer Sitzungen und Parteietagen Transparenz vor. Beispielhaft hierbei ist der Landkreis Waldeck-Frankenberg, wo jetzt durch eine Initiative von SPD und Grünen online mit einem Live-Ticker aus den Sitzungen heraus informiert wird (5) Dass es Konsequenzen haben kann, wenn die Bürger Online vom Inhalt öffentlicher kommunalen Sitzungen erfahren, ist klar. Das meiste ist sicher wenig spannend. Doch Transparenz bei den Entscheidungsfindungen der bisher wenig beachteten und wenig kontrollierten Lokalpolitiker kann unter Umständen Schildbürgerstreiche verhindern helfen. (5)

Ein Artikel von Hans-Udo Sattler

 

(1) Karte der zu erwartenden Sonnen-Ausbeute – am geringsten in den „hellgelb“ markierten Gebieten: http://www.renewable-energy-concepts.com/fileadmin/user_upload/bilder/photovoltaik-sonnenkarte-deutschland.jpg

(2) Das Knoten-Dilemma: http://tv-orange.de/2011/08/das-knoten-dilemma-fr-die-energiewende-aber-im-einklang-mit-mensch-und-natur/

(3) „Die Schildbürger bauen ein Rathaus“ Quelle:
http://www.internet-maerchen.de/maerchen/schild02.htm

„Hurra!“, riefen sie alle. „Das ist die Lösung!“

Am nächsten Tag hättet ihr auf dem Marktplatz sein müssen! Das heißt, ihr hättet gar keinen Platz gefunden. Überall standen Schildbürger mit Schaufeln, Spaten, Besen und Mistgabeln und schaufelten den Sonnenschein in Eimer und Kessel, Kannen, Töpfe, Fässer und Waschkörbe. Andre hielten große, leere Kartoffelsäcke ins Sonnenlicht, banden dann die Säcke geschwind mit Stricken zu und schleppten sie ins Rathaus.

(4) Das ungenutzte Potenzial der Wasserkraft in Europa, Joseph Auer, Deutsche Bank Research

http://bit.ly/Hhsquh

(5) Live-Übertragung erstmals aus dem Kreistag Waldeck-Frankenberg: http://bit.ly/GWerby

4 comments for “Solarpark im Westerwald? Ja, im Ernst.

  1. 29. März 2012 at 14:01

    Den Artikel verstehe ich absolut nicht.
    Warum soll man da keinen Solarpark bauen?
    Nach meiner Online-Recherche hat man an dem Standort bei Freiflächen-Installation und 30° Modulneigung einen Jahresertrag von ca. 980kWh/kwp! Das ist zwar nicht die allererste Sahne, aber doch ein sehr solides Ergebnis! Was soll dieser Wert mit der „Sonnenscheindauer in manchen Gebieten Alaskas“ zu tun haben?
    Und mir ist jedes kWh SonnenStrom, auch abseits von allen kapitalwertigen „Renditeberechnungen“, lieber als die althergebrachte Energiegewinnung. Siehe aktuell gen mögliche ‚Großfackel‘ vor Schottland!

    • hus
      29. März 2012 at 17:44

      Ein Gewerbegebiet mit einer Fläche von 130.000 Quadratmetern mit Solartechnik auf min. 20Jahre zubauen, für eine Mini-Rendite – auf einem Areal mit vergleichsweise wenig Sonnenschein, während Wind üppig vorhanden ist, scheint wenig angebracht. Es geht nicht um das technisch Machbare alleine. Die teure Anlage, füllt ein komplettes Gewerbegebiet aus. Der Park soll mit einer Investitionssumme von über acht Millionen Euro bis 30. Juni dieses Jahres realisiert werden – im Turboverfahren sozusagen. Während Windkraftanlagen standortbedingt wie aus dem Artikel hervorgeht, ein Erfolgsmodell sind, erheblich weniger Raum benötigen und erheblich höhere Renditen versprechen, muss die hoch verschuldete Gemeinde nun millionenschwere zusätzliche Kredite aufnehmen. Es ist eine politische Entscheidung über Geld, das die Bürger aufbringen müssen. Wenn Privatleute, vielleicht sogar aus einer Guthabensituation heraus mit eigenem Geld hantieren würden, um eine Solaranlage zu bauen wäre das was ganz anderes. Mit Schottland und der verunglückten Tiefsee-Gasbohrung hat das nun rein gar nichts zu tun.

      • Jürgen Heckmann
        29. März 2012 at 21:46

        Bei der Betrachtung des Solarparks an diesem Standort geht es für die Bürger aus Driedorf in erster Linie, um den best möglichen Einsatz ihres Kapitals. Es handelt sich schließlich nicht um Geld des Bürgermeisters oder der Gemeindevertretung. Das wird oft vergessen! Wir sind als Vertreter der Bürger verpflichtet mit diesem Geld sorgfältig umzugehen. In diesem Fall, die beste Rendite zu erzielen und für mögliche Investoren ein atraktives Industriegebiet vorzuhalten bzw. aktiv zu vermarkten. Wir brauchen Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze für unsere Zukunft und keine Solarmodule an diesem Standort.
        Eine Investition der Gemeinde kommt nur in Frage, wenn die Kommunalaufsicht diese Neuverschuldung genehmigt. Wenn wir das Geld bekommen, dann müssen wir handeln als wenn es unser Geld wäre. Ich glaube jeder von uns möchte für sein Geld die höchste Verzinsung erzielen. Solarpark 6,9 % , Windkraftanlage 20 %, was gibt es da zu überlegen?
        Beteiligen wir uns nicht an dem Solarpark erhalten wir für diese Fläche nur eine Pacht von 15000,– € und hätten für eine industrielle Ansiedlung kein Platz mehr. „Dann hätten wir halt Pech gehabt“, so ein gewählter Vertreter der Bürger aus Driedorf. Ich nenne diese Aussage unverantwortlich!
        An dieser Stelle möchte ich noch betonen, ich bin für die Energiewende aber mit Augenmaß und an Standorten wo es Sinn macht. Ein Solarpark gehört dahin wo wenig Wind weht! Eine Windkraftanlage somit in den Westerwald.
        Es gibt unzählige künstliche Hanglagen in südlicher Ausrichtung an Autobahnen. Bei einer vernünftigen Planung könnten beispielsweise diese Flächen durch Solartechnik genutzt werden. Bei meinem letzten Urlaub in der Tschechische Republik gesehen. Frage: Warum geht so ewas nicht auch in Deutschland?
        Jürgen Heckmann

        • 21. Mai 2017 at 12:57

          A pleglinasy rational answer. Good to hear from you.

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