Das Schweigen der Politik: Spekulation mit Nahrungsmitteln

Auch Dirk Müller findet die Petition sehr gut !

Spekulation mit Nahrungsmitteln — dieses Thema taucht immer mal wieder auf in den Medien, verschwindet dann aber regelmässig auch wieder. Die Meinung in der Bevölkerung ist eindeutig: 84 % halten diese Spekulationen für unakzeptabel (Quelle: forsa). Doch aus Berlin ist nicht viel zu hören zu dem Thema. Wieso tut sich dort so wenig? Warum lässt der Souverän es zu, dass die von ihm beauftragten Politiker sich in dieser Sache kaum bewegen.

Seinen sichtbaren Ursprung hatte der eigentlich als Skandal einzustufende Sachverhalt im Oktober 2011: foodwatch veröffentlichte mit dem Report „Die Hungermacher“ und einem offenen Brief an Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, gleich zwei Dokumente, die eigentlich zu einem Sturm der Entrüstung hätten führen müssen.

Andere Organisationen wie Misereor oder Weed brachten eigene Untersuchungen heraus, die die Vorwürfe von foodwatch bestätigten: Durch Spekulation mit Nahrungsmitteln hungern und verhungern Menschen auf dieser Erde.

Was aufgrund der weitgehend untätigen Politik eigentlich lange hätte geschehen müssen, wurde am 6. März 2012 endlich begonnen: Eine Gruppe von Aktivisten aus der Occupy-Bewegung veröffentlichte eine Petition an den Deutschen Bundestag, Spekulation mit Nahrungsmitteln zu verbieten. Wer sind diese Leute?

Die als Occupy:Occupy auftretenden Aktivisten haben ihre Kernzelle in der Frankfurter Occupy-Bewegung.  Im Internet fand sich eine Handvoll Unterstützer, arbeitete die Petition aus und stellte sie online. Das war’s eigentlich schon — wenn nicht danach erst die „richtige“ Arbeit zu erledigen gewesen wäre. Die Petition bekannt machen, Unterstützer für die Sache zu gewinnen, möglichst Prominente mit Zugkraft zur Unterzeichnung zu bewegen, Infostände zur organisieren, Plakate und Flyer zu entwerfen, auf die Strasse zu gehen und Unterschriften auf Papier zu sammeln, das ist momentan eine Mammutaufgabe.

Dabei gilt es gar nicht so sehr, die Menschen davon zu überzeugen, sich für die Abschaffung dieser Spekulation einzusetzen: Das Thema ist in der Bevölkerung weitgehend bekannt, die Ablehnung der unmoralischen Finanzmachenschaften fast einhellig.  Allerdings schwingt vielleicht auch ein wenig Misstrauen mit gegenüber diesen seltsam gemischten Gruppen ganz normaler Bürger jeglicher Couleur, die dort etwas von ihnen erbitten. Es stehen ja noch nicht mal Spendendosen auf den Tischen, die Arbeit ist ehrenamtlich und wird von den Aktivisten aus eigener Tasche finanziert. Das ist sicher ungewöhnlich.

Ausserdem nicht zu unterschätzen: Die meisten Menschen haben noch nie eine Petition unterzeichnet und sind — bis auf ein paar Kreuzchen an Wahltagen — noch nie politisch aktiv geworden. Vielleicht ist auch das Misstrauen mancher Passanten in die eigene Courage nicht zu unterschätzen?

Erste Erfolge sind trotzdem sichtbar: Eine gut frequentierte Homepage (occupy-occupy.de), ein kostenloses Unterstützungspaket mit Material für Infostände in der ganzen Republik und nicht zuletzt erste Namen mit Zugkraft, die die Sache unterstützen. Sahra Wagenknecht (Bundestagsmitglied der Linken) und der Frankfurter SPD-Oberbürgermeisterkandidat Peter Feldmann sind erste Zeichner aus der politischen Ecke.

Als besonders wichtig allerdings sehen die empörten Occupier die Unterstützung durch Dirk Müller an, dem als „Mr. Dax“ bundesweit bekannten Börsenexperten, der seit langem den Finger in die Wunde dieser menschenverachtenden Spekulationsmöglichkeit legt. Ausdrücklich lobte er die sachliche und gut begründete Petition — und hat natürlich auch selber unterschrieben.

Wenn die Zeichnungsfrist dieser öffentlichen Petition am 5. Juni 2012 endet, wird die spannende Frage sein:
Was machen die Politiker im Bundestag und die Regierung mit diesem Anliegen?
Wird Volkes Stimme laut genug sein, wird sie gehört werden?
Oder wird der Verdacht ein weiteres Mal bestätigt werden, dass wir letztlich von ganz wo anders „regiert“ werden?

Die meisten bisher zum Thema befragten Parteien und Politiker üben sich jedenfalls in Zurückhaltung, wenn sie um eine Stellungnahme zu diesem Thema gebeten werden:  Antworten bleiben aus. Dieses Schweigen der Verantwortlichen wird dokumentiert auf der Homepage der Bewegung. Hier sind auch weitere Details zur Petition und der Link für die Unterzeichnung der Petition zu finden: www.occupy-occupy.de

Frank Jermann
(engagiert sich bei Occupy Frankfurt und ist Initiator der Petition „Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln“.)

Hier gehts zur Petition:

http://openpetition.de/petition/online/spekulationen-mit-nahrungsmitteln-sind-gesetzlich-zu-verbieten

Auch sehr zu empfehlen:  http://tv-orange.de/2011/10/deutschlandradio-mit-jean-ziegler-spekulation-auf-nahrungsmittel-ist-eine-totale-katastrophe/

2 comments for “Das Schweigen der Politik: Spekulation mit Nahrungsmitteln

  1. Frank Jermann
    23. März 2012 at 03:11

    Um die Sache voran zu treiben, wäre es gut, wenn Plattformen wie handle-fair.de die Petition bewerben würden. Auch eine Zeichnung der Petition wäre hilfreich, Herr Gaufer.

    Mit freundlichem Gruss

    Frank Jermann

  2. 22. März 2012 at 16:58

    Protest gegen Nahrungsmittel-Spekulationen
    Spekulanten profitieren vom Handel mit Nahrungsmitteln, während die Zahl der Hungernden weltweit steigt! Die Initiative handle-fair.de protestiert dagegen!

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