Arbeit ist das halbe Leben?

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Thomas Eck, Geschäftsführer der Fa. Pfeiler Metallbau, Jahrgang 1959, beschäftigt 3 Mitarbeiter Vollzeit, 1 Halbtagskraft und zwei Aushilfen. Er ist verheiratet, hat zwei Söhne im Alter von 24 und 19 Jahren. Der ältere der Söhne studiert, der 19 Jährige hat nach seinem Abitur eine Lehrstelle angenommen.

Seit 1974 arbeitet Thomas eigenverantwortlich in der Metallbranche, seit 1984 selbständig. Auf meine Frage, wie seine Arbeitszeiten seien, lacht er mich an und sagt: „Werktags stehe ich von 7-20Uhr in meiner Firma, im Büro und später im Produktionsbereich, Samstag fange ich etwas später an, um 8Uhr und mache so 13Uhr Schluss. Wenn ein Projekt für einen wichtigen Kunden fertig werden soll, mache ich in der Woche auch schon mal länger, bis spätabends“.
Wann er das letzte Mal so richtig Urlaub gemacht habe, frage ich dann. „Letztes Jahr war ich 1 Woche und – ja – vorletztes Jahr auch 1Woche im Urlaub. Länger geht einfach nicht.“ „Wenn ich heute meine Firma länger alleine lasse, schaffe ich die Aufarbeitung im Büro nach meinem Urlaub kaum noch. Auch der Zahlungsfluss muss am Laufen gehalten werden.“ An einen Erholungsurlaub von 2 oder mehr Wochen konnte er sich nicht mehr genau erinnern. Es muss in den 80gern gewesen sein, meinte er.

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Auf die Frage, wie er die Arbeitsbedingungen für seine Mitarbeiter einschätze sagt er: „Meistens ist es so, die ersten 2,3 Jahre läuft alles bestens mit den Vollzeitmitarbeitern, der Lohn ist ok und branchenüblich und in einer kleinen Firma ist es eben anders als in einem Großkonzern, mit all den Vor- und Nachteilen. Doch mit der Zeit werden die für mich wichtigen Arbeitskräfte zusehends unzufriedener, feiern schon mal länger krank. Die Belastungen aus dem Privatleben und die steigenden Preise sorgen dafür, dass der Lohn für die Arbeit draussen nicht mehr mit dem eigenen Anspruch an die Lebensführung zusammenpasst und der Frust in die Firma getragen wird. Man kann sagen – und das bestätigen mir eigentlich alle, die eine Firma in ähnlicher Größe haben – nach 3-7 Jahren kommt es dann zur Unzufriedenheit, zur Klimaverschlechterung, zum Leistungsabfall, zum Wechsel. Selten gibt es wirklich Streit. Einige versuchen sich mit Selbständigkeit in der Metallbranche oder wechseln zu größeren Firmen, wenn sie können. Aber nur selten verbessern sie sich wirklich.

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Die frischgebackenen Selbständigen beuten sich meistens selbst stärker aus, als sie das in einem Angestelltenverhältnis zulassen würden – und haben letztendlich noch weniger Freizeit oder sie verschulden sich erheblich und belasten, was sie besitzen. Und wie gefährlich das in diesen Zeiten sein kann, ist jedem bekannt. Wer bei einer größeren Firma anheuert, hat meist erhebliche Anfahrten in Kauf zu nehmen oder ist bei der nächsten Flaute wieder draußen. Für mich bedeutet diese „normale“ Fluktuation, immer wieder Schwankungen in der Produktivität und letztenendes Mehrarbeit für mich selbst, um das auszugleichen.“

Thomas Eck kommt etwas in Fahrt und sagt: „Bei der Gelegenheit möchte ich Gesetzesänderungen zur Entlastung des Mittelstands anmahnen!“ Es sei kaum zu erwarten, dass die ärmeren Schichten noch zahlen könnten und die Oberschicht vermeide es schon sehr lange, sich in einem angemessenen Maße an den Allgemeinkosten dieses Staates zu beteiligen. So sehe er, dass der Mittelstand erheblich überbelastet sei, aber „beinahe die einzige Stütze des Systems“ darstellt. Große Konzerne würden zwar teilweise auch einen Beitrag für das Gemeinwohl leisten. „Doch im Verhältnis zu ihren Gewinnen versuchen sie sich meistens aus der sozialen Verantwortung zu stehlen und schaffen das auch durch ihre internationalen Standorte und Möglichkeiten.“
Auch im Geschäftsleben, im Umgang mit den Konzernen würde bei der Auftragsvergabe „immer das letzte herausgepresst -Top-Qualität wird sowieso verlangt – und bist Du einmal ein paar Cent teurer, ist der nächste Auftrag wieder weg.“ Das habe mit vertrauensvoller Zusammenarbeit wenig zu tun. Es sei auch schwierig unter diesen Bedingungen längerfristig sicher zu planen.

Hören Sie sich an, was Thomas Eck noch zu sagen hat:      <mit Klick auf den Startpfeil.>

Auch unser formaler Aufwand wächst immer stärker. 30-40% unserer Zeit kriegen wir gar nicht bezahlt!“ 

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„Dokumentationen für Kleinteile fressen die Gewinne auf, das Wasserhaushaltsgesetz ist überzogen.“ 

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„Der Arbeitsschutz für Kleine Firmen ist maßlos überzogen, da müsste ein Unterschied gemacht werden“ 

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„Insgesamt – Die Arbeitsbelastung ist enorm – und wenn wir das bekommen würden, was wir verdienen, wären wir reich – aber in Wirklichkeit müssen wir immer mehr leisten und anstelle auch einmal innehalten zu dürfen und sagen zu können „Das war ein gutes Jahr – wir freuen uns auf ein gutes nächstes Jahr“ arbeiten wir am Limit.
 Wenn alles gut läuft und keiner krank wird, können wir alle Rechnungen bezahlen, das wars aber auch schon.

Warum ich so weiterarbeiten muß? – Das ist recht einfach zu beschreiben. Zum einen komme ich nicht mehr so leicht aus den eingegangenen Verpflichtungen heraus, zum anderen, selbst wenn ich das versuchen würde, bekäme ich mit 52 Jahren keine Stelle mehr, mit der ich einen Ausstieg finanzieren könnte.

Da geht es mir ganz anders, als dem Herrn Wulff, mit dem ich nur den Jahrgang 1959 gemeinsam habe.

Zu dem Ehrensold von Herrn Wulff: „Wo ist da die Gerechtigkeit? Wo ist das Maß geblieben?“

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Zu den Politikern möchte ich sagen: „Die wissen doch gar nicht, was hier an der Basis los ist!“

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Abends
 schaue ich nach den langen Arbeitstagen meistens nur noch selten Fernsehen. Früher habe ich mir gerne Frontal 21, Panorama und andere politische Magazine angesehen. Aber es ist auch so, dass meine Frau und ich in unserer verbliebenen Freizeit uns dann noch zusätzlich aufregen und ärgern, wenn wir uns über das, was aktuell läuft unterhalten. Bis wir dann wieder „runtergekommen sind“, ist es dann oft sehr spät.


Wie schätzen Sie Ihre Rentensituation ein, Herr Eck? „Da habe ich noch was dazu zu sagen:…„

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„Der Hammer ist… wir werden im Alter noch bestraft für unsere Verantwortung und Eigeninitiative “

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Deswegen lassen wir abends die aktuellen Magazine und Nachrichten nach anstrengenden Tagen aussen vor. Wir entspannen uns lieber, um Kraft für den nächsten Tag zu sammeln. Vielleicht möchte unser Jüngster auch noch studieren – dann heisst es wieder „Vollgas geben bis zur Rente“.


das Interview führte Hans-Udo Sattler

 

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