Wulff und die sieben Geislein

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Rotkäppchen und der Wolf – so hätte man Jauchs Talkshow am Abend des 17. Februar auch bezeichnen können. Die Runde hatte tatsächlich 7 Teilnehmer und Christa Roth saß nicht nur rein körperlich in der Mitte. Sie genoss sichtlich das Beisein ihres Freundes Günther Beckstein – nun , wem’s gefällt?

Man versuchte sich an der Ursachenfindung von Wullfs Abgang und denn auch an der Frage, was denn nun nachkommen soll.(1)

Außer dem etwas exaltiert wirkenden Pärchen Claudia Roth und Günter Beckstein war die Politik noch von Herrn Gerhard Baum vertreten. Dazu gesellten sich Herr Rossmann (Chef der gleichnamigen Drogeriekette) und der Bild-Journalist Blome. Aber auch der Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim war zu Gast.

Eigentlich waren sich die Teilnehmer der Runde mit kleinen Unterschieden einig, wäre die anheimelnde Atmosphäre nicht durch die quälenden Feststellungen von Hans Herbert von Arnim gestört worden. Selbst der auf Friede, Freude, Eierkuchen orientierte Gastgeber Günther Jauch kam ins Schwitzen und zeigte Nerven. “Was ist denn hier los…” war seine hilfloser Kommentar als wirklich einmal richtig diskutiert wurde. Die Zuschauer waren sichtlich angetan von den Stellungnahmen des Verfassungsrechtlers, forderte er doch endlich etwas anderes als das Parteiengekungel und die gewohnten Rituale zur Wahl des Bundespräsidenten.

In der Runde war man sich einig, dass Herr Wulff bei seinem Abschied mehr selbstkritisches Eingeständnis hätte formulieren müssen. Auch sah man ein, dass die Medien teils berechtigt teils etwas fragwürdig agierten und dass sich das Ehepaar Wulff wohl auch persönlich verletzt fühlte. Aber alle Verfehlungen, Anfeindungen und Verdächtigungen konnten bislang Herrn Wulff nicht zu diesem Abtritt veranlassen. Er ließ alles abprallen. Erst die Aufnahme des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft provozierte seinen letzten Schritt.

Herr von Arnim stellte dann die Frage, ob nicht das bisherige Verfahren der Wahl des Bundespräsidenten zu überdenken sei. Schließlich hätten auch die letzten Bundespräsidenten Weizäcker, Herzog und Köhler die Notwendigkeit einer Direktwahl des Bundespräsidenten durch das Volk als Notwendigkeit erkannt. Aber die Runde tat diese Äußerungen als Zweckargumente ab und meinte es komme jetzt darauf an, eine oder einen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten zu finden, der möglichst von allen Parteien akzeptiert und getragen würde – quasi überparteilich.

Herr von Arnim aber ließ nicht locker. Es gehe doch nicht darum, dass der Bundespräsident und die Kandidaten den Parteien, sondern dem Volk recht seien. Der Bundespräsident sollte eine Person sein, die das Volk will. Und die  Art wie sich die Parteien einen Bundespräsidenten wählten, hätte nichts mit dem Willen des Volkes gemein. Denn dies sind nur Absprachen und Übereinkunfte zischen den Parteien und auch das Verfahren der Wahl in der Bundesversammlung sei für ihn nur Parteiengekungel. Gerade das Scheitern der Bundespräsidenten Köhler und Wulff zeige doch auf, dass die parteipolitische Verständigung und die von Parteiinteressen geprägte Wahl des Bundespräsidenten zu einer Beschädigung des Amtes führten.

Die Runde reagierte erhitzt. Eine theatralisch, in Wallung geratene Christa Roth und ein betroffener Gerhard Baum und ein irritierter Günther Jauch konnten und mochten den Gedanken von Herrn Arnim an diesem Abend nicht weiter folgen -und auch nicht mehr zuhören. War dies Ketzerei gegen eine anheimelnde, gemütliche Demokratie?  “Nein jetzt ist genug…” schnitt Herr Jauch die letzten Worte des Verfassungsrechtlers ab, mit Schweiß auf der Stirn, nervös und mit einer viel zu eng gebundenen Krawatte. Das Publikum aber stand ziemlich auf der Seite von Herrn Arnim.

Auch ich und viele Freunde vernahmen mit großer Freude die Worte von Hans Herbert von Arnim.

Wolfgang Theophil

(1) http://www.tagesspiegel.de/medien/ruecktritts-talk-bei-jauch-sonst-sind-die-gaeste-friedlicher/6226268.html

 

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