Traurig aber wahr – Kommentar zum Gedenken an Rosa und Karl

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bz-berlin 15.Januar 2012

Unter dem Titel: Randale bei Rosa Luxemburg-Demo berichtet die „bz-Berlin“ am 15. Januar 2012 Ungeheuerliches! Am Grab von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht versammelten sich Trauernde. Wie jedes Jahr. Und wie bei jeder Beerdigung sind einige tief gerührt, andere mit den Gedanken woanders, wieder andere mit ganz anderen Gedanken.

So mag es auch der Eindruck mancher Gedenkender auf den Fotos wiedergeben. Das Bedürfnis nach Ablenkung auch bei Trauerfeiern ist menschlich.

Nicht mehr nachvollziehbar ist jedoch, was die „BZ-Berlin“ – nicht aber andere Medien – am 15.1.2012 berichtete: „… Am Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus dann die Eskalation: Unter lauten „Stalin!“-Rufen umzingelte eine Gruppe Jugendlicher das Mahnmal, trat auf Kränze und Stein ein, bespuckte sie. Als andere Demonstranten einschritten, kam es zur Schlägerei, bei der auch zwei Fotografen angegriffen wurden. Die Polizei erteilte zwölf Platzverweise und nahm zwei Anzeigen wegen Beleidigung und Nötigung auf. “ (1)

Über Schändigung von Gräbern wird zu Recht stets berichtet. Warum aber bekommt die Nachricht über Verhöhnung von Stalinismusopfern nicht mehr Aufmerksamkeit?

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Über die Ursachen, warum solches Handeln von Menschen geschieht, die sich selbst als Wahrer von Menschenrechten ausgeben, gab uns kürzlich die DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld in einem Interview Auskunft. (2) Ausschnitt aus dem Interview:

„…TV-ORANGE: Können sie unseren Lesern erklären, warum besonders im Osten Deutschlands, der ehemaligen DDR rechtspopulistische Gruppen soviel Zulauf haben? Die gesellschaftliche Aufklärung in der DDR hätte doch gerade das Gegenteil bewirken sollen, glauben wir einmal zumindest Herrn Krentz oder Herrn Modrow.

Vera Lengsfeld: Das hat historische Gründe. In der DDR gab es eine aktive Neonaziszene, zum Teil mit Verbindungen zur Staatsicherheit. Neonazis wurden ab 1986 eingesetzt, um Veranstaltungen der Opposition zu stören oder zu verhindern. Nicht wenige Neonazis waren Funktionärskinder, oder gingen als Offiziere oder Fallschirmjäger in die Nationale Volksarmee.

Antifaschismus war das Tarnmäntelchen der DDR, unter dem es jede Menge ehemalige Nazifunktionäre in Schlüsselstellungen gab. Um ein bezeichnendes Beispiel zu nennen: Der Philosophieprofessor Hermann Klenner, Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR, heute im Ältestenrat der Linken, war Mitglied der NSDAP Breslau, in der DDR bald SED-Mitglied und mutmaßlich Stasimitarbeiter, was er natürlich bestreitet….“

Diese Schilderung von Frau Lengsfeld macht verständlich, dass gerade in der ehemaligen DDR genau das nicht erreicht und durchgeführt wurde, was die DDR-Propaganda (Arthur Schnitzler) dem Westen immer vorwarf. Das Unvermögen einer grundlegenden Aufarbeitung von Unrecht und Willkür. Die Verteidigung und Wahrung der Werte der Freiheit , des Rechtes auf persönliche Meinung, die Ehrfurcht vor dem Anders Denkenden.

(1)  http://www.bz-berlin.de/bezirk/lichtenberg/randale-bei-rosa-luxemburg-demo-article1363324.html

(2) http://tv-orange.de/2012/01/vera-lengsfeld-buergerrechtlerin-der-ddr-im-gespraech-mit-tv-orange/

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