Sehr geehrte Damen und Herren des IPPNW, sehr geehrter Herr Matthias Jochheim
Ihre Forderung, dass von unserer Bundesregierung alles unternommen werden soll, damit in Syrien keine weitere Eskalation des Konfliktes geschieht, teile ich. Ebenso dass unser Verhalten und Tun daran gemessen werden muss, dass die Menschenrechte der syrischen Bevölkerung geschützt werden.
Die einführenden Worte ihres Artikels „Keine weitere Militarisierung im Syrien-Konflikt“ finde ich allerdings sehr kritikwürdig. Sie beschreiben an dieser Stelle : „…Die internationale Gemeinschaft muss dringend auf der Gewaltfreiheit der Proteste bestehen, ebenso wie auf den Verzicht der Regierung, gewaltsam zu reagieren. ..“ (1)
Damit unterstellen sie, dass die Demonstrationen nicht gewaltfrei und friedlich waren. Sie nennen die Seite der Demonstranten auch an erster Stelle und stellen die Gewalt des Regimes somit als eine Reaktion auf die Aktivitäten der Demonstranten dar.
Die Demonstrationen in Syrien waren von Anfang an friedlich. Dies ist dokumentiert u.a. in einer Veröffentlichung der Chronik in Wikipedia. (2) Seit Beginn der Proteste gegen das Regime wurden mehr als 5000 Zivilisten von Scharfschützen, mit Panzern und mit logistischem Einsatz von Hubschraubern ermordet. Die gewaltbereiten Gegner des Regimes rekrutieren sich aus Deserteuren der regulären Armee und sind nicht Teil der Demonstrationen. Es ist im Lebensinteresse aller friedlichen Demonstranten, dass von den Demonstrationen keine militärische Gewalt ausgeht. Das wäre doch wohl die beste Argumentation für das blutige Vorgehen von Assad.
Ich halte diese Kritik für absolut notwendig, weil der Ruf nach Verzicht auf Gewalt aus einem sicheren Elfenbeingebäude ,der Bundesrepublik Deutschland erfolgt. Ist es nicht hochnäsig und über allen Dingen erhaben, wenn wir uns das Recht heraus nehmen, gegenüber den Demonstranten den moralischen Zeigefinger zu erheben. Die Menschen, die ihr Leben für Demokratie und Freiheit in jeder Demonstration, bei jeder Beerdigung eines weiteren Opfers, jeden Tag aufs Neue aufs Spiel setzen,
Meine Kritik ist zugleich eine Selbstkritik. Wir müssen uns eingestehen, dass wir bis heute noch nicht in der Lage sind, international und global in Verantwortung für das Lebens- und Freiheitsrecht der Menschheit ein geeignetes Verhalten gefunden zu haben. Darüber müssen wir auch in den europäischen Ländern diskutieren. Es ist nicht angebracht hierzulande „missionarisch“ und selbstherrlich moralisch, über Frieden und Glauben und Verzicht auf Gewalt anderer Völker zu predigen, wenn diese unterdrückt und mit dem Tode bedroht sind. Dies kommt mir vor wie das Missionieren der katholischen Kirche, nachdem die Indianer in Amerika blutigst von uns Europäern ausgerottet wurden.
Wolfgang Theophil
(1) http://www.ippnw.de/startseite/artikel/6bd8b93132/keine-weitere-militarisierung-im-syr.html
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_in_Syrien_2011
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Tags: arabische liga, Flugverbotszone, Freiheit, Frieden, Menschenrecht, syrien, uno
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