„Gekaufte“ französische Gewerkschaften für AKW Fessenheim

Axel Mayer BUND-Geschäftsführer, Freiburg

oder: „Wie viel ist ein Prozent vom Umsatz der EDF?“ fragt sich der Bund für Umwelt und Naturschutz.  „Mehrere französische Gewerkschaften haben eine Internetpetition gegen eine mögliche Stilllegung des französischen Atomkraftwerks Fessenheim am Oberrhein gestartet. Der Aufruf richte sich an die Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr, erläuterte am Mittwoch der Vertreter der pro-kommunistischen Gewerkschaft CGT in dem AKW, Philippe Huck. Bisher sei die Petition von 3000 Menschen unterzeichnet worden. In der Petition greifen die Gewerkschaften vor allem den sozialistischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande an. Er hatte für den Fall eines Siegs die Stilllegung von Fessenheim versprochen.“ berichten heute die Medien.

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Nach Ansicht der französischen Umweltbewegung und von BUND-Geschäftsführer Axel Mayer geht es den Gewerkschaften vor allem um die gigantischen Summen mit denen der Atomkonzern EDF die Gewerkschaften seit vielen Jahrzehnten schmiert.
„So zahlt der Konzern seit 1946 jedes Jahr ein Prozent seines Umsatzes an die Sozialkasse CCAS. Diese hat rund 3700 Beschäftigte und besitzt Ferienzentren, Sanatorien und Restaurants, in denen sich EdF-Mitarbeiter mit ihren Angehörigen für wenig Geld verwöhnen lassen können. Zudem ist die CCAS eng mit der mächtigen, kommunistisch orientierten Gewerkschaft CGT verflochten. Mithilfe der einprozentigen Abgabe hat sich EdF über Jahrzehnte das Wohlwollen der Gewerkschaft erkauft“, sagt ein Branchenkenner.“ berichtet die Zeit Quelle

Auch brandeins zeigt diese Verfilzung und ökonomische Abhängigkeit auf: „Ein unbestimmter Teil der jährlichen Zuwendungen für die Sozialkassen blieb über die Jahrzehnte auch im gewerkschaftlichen Filz hängen. Zum populären politischen Gemeingut in Paris gehört die These, dass es die Kommunistische Partei ohne verdeckte Transfers aus der CCAS nicht mehr gäbe. Aber daran störte sich in Frankreich kaum jemand, schon gar nicht die EdF-Führung, sicherte die CGT doch dauerhaft innerbetrieblichen Frieden und damit konstanten Energiefluss in einem Land, das durch fast jede größere Berufsgruppe, von den Bauern über die Fischer bis hin zu den Lehrern und Schaffnern, in regelmäßigen Abständen lahmgelegt wird.“ Quelle

Das undemokratische „atomare Dorf“ gibt es nicht nur in Japan sondern auch in Frankreich. An der Spitze stehen die EDF und AREVA. Die bilden eine dauerhafte habgiergeprägte Atomallianz aus Parteien, Regierung, Medien und den Technokraten, die diesen Hochschulen entstammen und hält die gut dotierten Posten in den staatlichen Aufsichtsgremien und der Nuklearwirtschaft besetzt. Es ist traurig, dass gerade die Gewerkschaften in Frankreich ein zentraler Teil des undemokratischen „atomaren Dorfes“ sind. Die Aufregung zeigt aber auch, dass das altersschwache AKW-Fessenheim tatsächlich „auf der Kippe“ steht.
Der Streit gegen Atomkraft ist immer auch ein Kampf für Demokratie und gegen Filzokratie.

Axel Mayer BUND-Geschäftsführer, Freiburg

http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/franzoesische-gewerkschaft-akw-cgt-ccas-edf.html

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