Die Finanzkrise ist eine Krise des Systems und die Folge der Entwertung menschlicher Werte

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Offener Brief an die Occupy-Bewegung in Deutschland, Sven Giegold, Attac, Campact, Naturfreunde, DGB, Grüne Jugend, Jusos, Linksjugend und katholische Arbeitnehmerbewegung.

Selbst die Höflinge der Finanzbörse können die internationale Krise der Finanzwirtschaft nicht mehr wegdiskutieren.  Auch die Mehrheit in Deutschland erahnt die Gefahren, die den Einzelnen treffen werden, und daß sämtliche Handlungen von Bundesregierung, von europäischer Regierung und G20 Gipfel  keine Lösung dieses Problems darstellen. Und es ist so, wie es der Kabarettist Hagen Rether besingt: „Wir wissen Alles, tun aber NIX“.  Umso wichtiger ist es, Klarheit über die eigentlichen Ursachen und die Auswirkungen zu gewinnen. Verdrängung und Vernebelung der Wirklichkeit sind keine Lösung.

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Sven Giegold bezeichnet die Politik der Regierungen als „Durchwurschteln“.  Dagegen spricht er von den Forderungen nach einer Transaktionssteuer, die Banken in die Schranken zu weisen, strengere Regeln der Bankenregulierung, Aufspaltung der Großbanken, Besteuerung von großen Vermögen, Begrenzung der Macht der Finanzlobby.

Sind diese Forderungen aber geeignet, die eigentlichen Ursachen zu beheben?

Bereits in dem Artikel „Bürgerrechtsbewegung und Umarmungsversuche der Parteien“  wiesen wir daraufhin, dass die Erhebung einer Transaktionssteuer zugleich eine prinzipielle Anerkennung der Ursache dieses Übels darstellt. Denn gerade die Transaktionen, die Spekulationsgeschäfte der Finanzwirtschaft sind die Triebkräfte, die weltweit nicht nach den Prinzipien der Verträglichkeit der Natur und zum Wohle der Menschheit agieren, sondern ausschließlich nach dem Gewinndenken „aus Geld mehr Geld“ durch geschicktes Umverteilen zu erzielen.

Wollte jemand die Rauschsucht bekämpfen, dann wohl nicht dadurch, indem etwas Steuer auf Rauchmittel auferlegt wird, sondern durch eine Veränderung in der Einstellung der Menschen. Will jemand die Atomkraftwirtschaft durch naturverträgliche Energiepolitik ersetzen, dann wohl auch nicht durch Steuern, sondern durch Umdenken der Menschen und politischen Druck der Öffentlichkeit.

Eine solche Steuer auf Finanztransaktionen bejaht das teuflische Spekulationssystem des weltweiten Finanzimperiums und ist ein Freischein für die Zerstörung der Natur und das friedliche Zusammenleben der Menschen.

Die weiteren Forderungen „Verschärfte Regeln in der Bankenregulierung, Aufspaltung der Großbanken, Begrenzung der Macht der Lobby“ sind allgemeine Formulierungen, die die Frage der eigentlichen Ursache umgeht. Diese Forderungen wirken wie zusätzlicher Dunst im Nebel. Sie nennen die Wirklichkeit nicht beim Namen und verbauen somit den Blick auf alternative Perspektiven.

Es geht nicht um eine Reform des internationalen Finanzimperiums, nicht um die Verminderung, nicht um „Weiniger“ Spekulation und Transaktion und auch nicht um Machteinschränkung desselben. Das wäre nur Makulatur des bestehenden Übels. Es geht um die Frage einer alternativen Wirtschafts- und Lebensweise der heutigen Zivilisation. Die Diskussion hierüber ist notwendig. Wir wollen hier nur einige Aspekte anreißen.

Banken müssen sich wieder ihrer ursprünglichen Aufgabe des Sparens und der Kreditverleihe widmen. Sämtliche Spekulationsgeschäfte sind abzuschaffen. Die internationale Börse ist kein notwendiger Bestandteil einer funktionierenden Weltwirtschaft, sie ist der Ort der Spekulation. Alle Banken sollen sich ausschließlich der Aufgabe widmen, die regionalen und nationalen Wirtschaften und ihre Kunden zu bedienen und zu dienen.

Das Prinzip der Konkurrenz in Wirtschaft, Gesellschaft und am Arbeitsplatz ist zu überdenken. Im Zeitalter des Finanzimperiums – aus Geld mehr Geld zu machen – wurde Konkurrenz zu einer Geisel, zu einem Instrument der Angst des Einzelnen vor dem Anderen. Im eigentlichen Sinne bedeutet konkurrieren wetteifern. Aber nicht mit dem Ziel der Ausschaltung des Konkurrenten, sondern durch Qualität und Güte zusammen  eine Verbesserung des Lebens der Gemeinschaft herbei zu führen.

Die Monopolisierung sollte rechtlich nicht mehr zugelassen werden.  Nicht nur, weil der Kunde immer weniger Alternativen des Vergleiches hat, sondern weil Monopolisierung das Ziel der Ausschaltung des Konkurrenten zum Zwecke hat. Schon das Kind wird durch das Spiel „Monopoly“ in der Vernichtung der Mitspieler geübt. Eine Rückkehr zu dem unternehmerischen Prinzip  der mittelständischen Wirtschaft – ein Unternehmer pro Unternehmen – sollte erfolgen.

Die fiebrigen Börsenkurven haben schon längst die Grenzen gesunden Wachstums durchbrochen, wir vernichten unsere Welt, Naturräume wie die Regenwälder von Süd- Mittelamerika bis Nordamerika, wir vernichten Arten, Ureinwohner und zerstören unsere eigenen Lebensgrundlagen. (Siehe auch Artikel zur Petro-Industrie)(2) Der blinde Fortschrittswahn hat die Ethik für überflüssig erklärt. Doch wir brauchen mehr denn je eine Rückbesinnung auf ethische und moralische Werte in Gesellschaft und Wirtschaft. “Der Fortschrittsglaube zieht den Wagen; die Ethik braucht vorerst bloß mitzulaufen. Wo aber dann der Wagen immer schwerer und das Gelände immer schwieriger wird und die Ethik auch ihre Kraft miteinsetzen sollte, versagt sie, weil sie keine eigene Kraft hat. In rückläufige Bewegung kommend, reißt der Wagen den Fortschrittsglauben und die Ethik mit sich den Abhang hinunter.”
Albert Schweitzer (4)

Dies sind nur einige Denkanstöße für einen Ausweg aus dem System, sie verstehen sich nicht als Vorschlag für Reformen des Krisensystems Finanzimperium, sondern als ein Weg aus einem System, das keine Zukunft für die Menschen hat. Wir hoffen mit diesen Ideen die Diskussion um eine Neubestimmung der moralischen und ethischen Werte von Wirtschaft und Gesellschaft zu befruchten. In diesem Zusammenhang weisen wir auch gerne auf das Modell „Gemeinwohl-Ökonomie“ hin. (3)

 Wolfgang Theophil,   Hans-Udo Sattler

(1) http://tv-orange.de/2011/10/brgerrechtsbewegung-und-umarmungsversuche-der-parteien/

(2) http://tv-orange.de/2011/10/1200-km-pipeline-durch-ein-noerdliches-paradies/

(3) http://www.gemeinwohl-oekonomie.org/

(4) Erfurchtsethik von Albrecht Schweitzer

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