1200 km – Pipeline durch ein nördliches Paradies

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„Petro-Kanada“ will Global-Player werden – Naturzerstörung generalstabsmäßig angelaufen.

Dass Kanada ein riesiges Territorium umfasst, beinahe so groß wie gesamt Europa und der zweitgrößte Flächenstaat der Erde ist, wird nicht jedem so bekannt sein. Kanada hat mit nur 34 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von 10Millionen Quadratkilometern außer den US-Amerikanern niemanden als Nachbarn. Ballungsgebiete menschlicher Ansiedlungen gibt es nur im Süden des Landes, das von Atlanik und Pazifik in Osten und Westen und vom kalten arktischen Ozean im Norden begrenzt wird.Vielleicht sind es die riesigen Ausmaße des Landes, die räumliche Entfernung zum Standort, die dazu führen könnten, dass die Kanadische Regierung den geplanten Bau der „Northern Gateway Pipelines“ 2012 genehmigen wird? Eher nicht, es sind wie überall in den westlichen Industriestaaten ganz andere Motive. Die Genehmigungsverfahren laufen seit geraumer Zeit und werden bald beendet sein.

Eine Rohöl-Leitung und eine weitere parallel verlaufende Gas-Leitung werden dann quer durch den „Great Bear Rainforest“ gebaut.

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(Quelle: youtube.de EnbridgePipelines)

Die gefährdungserhöhende Gasleitung ist technisch notwendig, um das zähe Schweröl fließfähig zu machen. Der Endpunkt der Pipeline soll der Hafen von Kilmat am Pazifik werden, wo der wertvolle Grundstoff auf Großtanker verladen wird. Der Bau durch eines der letzten Paradiese der Erde wird 5,5Mrd. Kanadische Dollar verschlingen (umgerechnet ca. 4Mrd. Euro) und vom kanadischen Unternehmen Enbridge durchgeführt werden. Von Bruderheim Richtung Westen quer durch Alberta, über die Nördlichen Rocky Mountains und weiter westwärts durch British Columbia bis zum Hafen nach Kilmat wird mit schweren Baumaschinen ein monströses Bauwerk errichtet und seziert damit eine unvergleichliche Natur.

Impressionen aus dem Great Bear Rainforest:

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(Quelle: youtube.de CommonSenseCanadian)


Mit Enbridge gab es zahlreiche Störfälle..

Mit Enbridge gab es zahlreiche Störfälle und ebenso zahlreich war der Protest von nichtstaatlichen Organisationen (NGOs). Sie kritisieren deshalb den Pipelinebau massiv. Die traurige Geschichte der Störfälle mit Enbridge Rohrleitungsinstallationen und Pannen wurden aufgezeigt: Beispielsweise der große „Kalamazoo-Störfall“ von 2010, bei dem sich mehr als 3 Mio. Liter (19.000 Barrel) in den Kalamazoo Fluss ergossen, oder ein anderer Fall im Gebiet von Chikago im gleichen Jahr. Weitere Probleme in 2008 mit Pipeline-Installationen in Wisconsin, wo mehr von als 500 Vorschrifts-Verletzungen in einem einzigen Jahr während des Baus berichtet wurde. Enbridge hat darüber hinaus mehr als 600 dokumentierte Lecks und Brüche im Laufe der letzten 10 Jahre zu vertreten. Alles andere als ein gutes Zeugnis.Das renommierte kanadische Pembina-Institut (9) hat einen Bericht veröffentlicht, der besagt, dass die Pipeline nachteilige Einflüsse auf Boden, Luft, und Wasser haben wird. Einige der besorgten Aktionäre von Enbridge haben ihre Gesellschaft gebeten, die mit dem Projekt verbundenen Gefahren zu untersuchen, das will schon was heißen.

Kanada, das „Saudi-Arabien Nord-Amerikas“ hinterläßt Seen aus Gift

Die Pipelines von Enbridge sind bei weitem nicht das einzige Selbstgefährdungspotenziale, das Kanada hat.

Das Land erlebt einen schwunghaften Aufstieg zum „Saudi-Arabien Nordamerikas“ durch seine zahlreichen Ölvorkommen. Nur bestehen die zur Zeit großflächig im Tagebau ausgebeuteten Vorkommen aus Öl-Sand (Tar-Sand). Man benötigt ca. 2 Tonnen Ölsand, um ein Barrel (159 Liter) Rohöl zu gewinnen. Da im großen Land mit der geringen Bevölkerungsdichte gerne großflächig gedacht wird, hinterläßt der Öl-Tagebau eine ebenso großflächige Landschaftszerstörung und Seen aus Gift (siehe Flugzeugaufnahme von der Mildred Lake Plant, Alberta, CAN). Der Hauptabnehmer sind die USA. Kanadisches Öl braucht nicht sehr weit transportiert zu werden und die Belieferung kann wegen der räumlichen Nähe kontinuierlich über Pipelines erfolgen. Daraus ergibt sich selbstverständlich, das die mächtige USA aus Eigeninteresse daran interessiert ist, dass kanadisches Öl sprudelt bzw. aus dem Sand extrahiert wird.

Ein Blick aus dem Flugzeug zeigt die Dimensionen:


Quelle Wikipedia: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Syncrude_mildred_lake_plant.jpg&filetimestamp=20070426214637

 

Schmutzige Öl-Sande in Kanada bedrohen längst das Leben in den letzten Paradiesen

Ein Dokumentarfilm über die „schmutzige Wahrheit“ der Gewinnung von Öl aus „Tar-Sand“ mit eindringlichen Bildern über die Umweltbeeinträchtigung des Tagebaus, toxischen Seen -halb so groß wie Deutschland- nennt Roß und Reiter und die wirtschaftlichen Interessen dahinter. Der kanadische Journalist Andrew Nikiforuk zeigt in seinem Bericht auf, welche Dimensionen das alles bereits jetzt hat. Er zeigt die Verbindungen zum mächtigen Nachbarstaat USA. Er sagt: Canada handelt wie ein Petro-Staat“, er führt aus und belegt, wie Minister in Kanada mit der Öl-Wirtschaft verbandelt sind. Mit dem Satz„Canada – the industrie´s best friend“ beschreibt er die dortige Situation und führt als Beispiel den Fall der Heather Kennedy an, stellvertretende Ministerin in der Regierung des Öl-Ressorts im Bundesstaat Alberta. „Heather Kennedy, die Frau kenne ich vom Energie-Konzern Suncor“ sagt Pat Marcel, Berater im Fort Chipewyan/Alberta, der im Interview nur mühsam seinen Zorn unterdrücken kann. „Und jetzt ist sie in der Regierung für Genehmigungen zuständig! – Und ich frage Sie, was würden Sie da denken?“ Der Staat scheint auf die Steuereinnahmen aus dem Öl-Sand-Abbau fixiert und das überwiegt alle anderen Aspekte.


Der Dokumentarfilm von Andrew Nikiforuk „Canadas Dirty Oil Challenge“

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(Quelle: youtube.de SustainableGuidance)

Die Pipeline, der heilige Bär, die Indianer, die Fjorde versus Petro-Industrie – ein ungleicher Fight.

Für das Pipeline-Projekt und dessen Planung haben asiatische Öl-Konzerne be reits hunderte Millionen ausgegeben. An erster Stelle der staatliche chinesische Mineralölkonzern „Sinopec“, der lt. Reuters 100 Mio. Can. $ bereitstellte (6) – im Raffineriegeschäft Chinas das größte Unternehmen.
Wer hier die größere Lobby hat, steht außer Zweifel. Die Fjorde, der heilige Bär und die im Bereich der geplanten Pipeline lebenden Menschen sind es derzeit bestimmt nicht. In den schwer zu navigierenden Fjord-Systemen kam im Jahr 2006 zu einem Unglück mit dem Fährschiff „Queen Of The North“, das nicht annähernd die Ausmaße eines Öl-Tankers hat. Die „Queen Of The North“ sank, weil der von einem Gespräch kurz abgelenkte Steuermann einen Fehler machte. Das Schiff lief mit 17,5 Knoten Geschwindigkeit auf einen Felsen. Etwa 90Minuten später lag das Fährschiff 430Meter tief auf Grund. Trotz eines Sturmes kamen die Einwohner aus Hartley-Bay mit ihren Fischerbooten zu Hilfe und retteten 99 der 101 Passagiere. (3) «Wir mussten viele neue Wörter lernen», sagt Helen Clifton, eine Matriarchin der Gitga᾿at-Indianer in einem Interview mit der National-Geographic.  «Ölfilm, Ölsperre, Ölboom – das kannten wir bis dahin nicht. Diese Katastrophe hat uns die Augen geöffnet.» (2) Zehntausende Liter Diesel aus den Tanks ergießen sich aus der „Queen Of The North“ bis heute in den Fjord.

Die Northern-Gateway-Pipeline wird eine grundlegende Änderung im Leben der Einheimischen mit sich bringen. Die schwer zu befahrenden, ökologisch empfindlichen Gewässer an der kanadischen Westküste werden nach Fertigstellung der Pipeline von hochseetauglichen Öl-Tankern durchkreuzt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass kleinstes „menschliches Versagen“ viel größere Katastrophen mit sich bringen werden als die Fährschiff-Havarie. Doch wer wird den „Dreck wegmachen“? Werden die Fjorde diese Schiffahrtsbelastung überhaupt verkraften? Man schätzt 220Tanker werden jährlich dort kreuzen.

The Spirit Bear“, der heilige Bär, Wahrzeichen der Region und wichtiger Bestandteil indianischer Kultur, Glaubens und Lebensweise, hatte vom „weißen Mann“ traditionell nichts Gutes zu erwarten. Noch bevor die Planung der Pipeline anlief, stapften wohlorganisiert genauso wohlhabende, teuer bewaffnete pseudo-Jäger durch den „Rainforest“ um Bären als Trophäen zu jagen.


(Quelle: raincoast.org)

Im letzten Jahr begannen in der „Raincoast“ Verhandlungen, um ein sehr exklusives Jagdterritorium – das primäre Gebiet, das die weissen „Spirit-Bears“, die heiligen Bären, durchstreifen. Trotz eines Verbots, die „Spirit-Bears“ zu töten, wird nun die reine Trophäen-Jagd von schwarzen Bären – die das rezessive Gen tragen, das das weiße Fell verursacht – erlaubt. Von Initiativen wird versucht, zahlreiche Grundstücke in diesem Territorium zu erwerben, um diese seltenen Bären zu schützen und gleichzeitig den genetisch einzigartigen Wolf zu schützen, der dort beheimatet ist und über den seit einem Jahrzehnt geforscht wird. (7) Ein mühsames Unterfangen, das jetzt durch Enbridge’s Pipeline-Bau noch viel schwieriger wird.Bären und Wölfe, steht zu befürchten, sind eher lästig beim Bau einer Pipeline, die „schwarzes Gold“ für alle liefert, die davon profitieren.

Eindrücke vom “Great Bear Rainforest”

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«Der technische Zivilisationsmensch mit seiner zwanghaften Manie, Natürliches zu verdrängen, zu vermindern und zu zerstören, um es durch gigantisches Wachstum von Unnatürlichem zu ersetzen, hat eine fatale Ähnlichkeit mit Krebs! Seit diese Geisteskrankheit wuchert und wuchert, breiten sich ihre Folgen wie Metastasen über die Erde aus. Indianer sagen das seit mehr als dreihundert Jahren. Man kann es nachlesen. Aber wie sollte man einem Tumor begreiflich machen, dass gerade das, was er für einen großartigen Erfolg hält, in Wirklichkeit Selbstmord ist.» (8)


Ein Bericht von Hans-Udo Sattler 



Quellennachweise:

  1. Quelle für die Störfälle mit entsprechenden Belegen und Publikationen übernommen aus dem englischsprachigen Wikipedia bei „Enbridge’s history of incidents“: http://en.wikipedia.org/wiki/Enbridge_Northern_Gateway_Pipelines

  1. National Geographic http://www.nationalgeographic.de/reportagen/pipeline-durchs-paradies

  2. Simulation des Fährunglücks  http://www.youtube.com/watch?v=MC1GF95aPxk

  3. Die Indianer-Stamme der Subarktis http://www.indianerwww.de/indian/staemme_subarktis.htm

  4. Für Interessierte: 45-minütige Dokumentation über die Region und die Beeinträchtigungen durch Öl-Sand-Abbau und wunderschöne Naturaufnahmen (englisch) siehe: http://www.youtube.com/watch?v=S3bKmz4od3g

  5. Reuters: Sinopec part of consortium providing C$100 mln

     http://www.reuters.com/article/2011/01/20/enbridge-sinopec-idUSN2013274620110120

  6. Mehr zum Thema Schutz des Spirit-Bears auf:  http://www.raincoast.org/

  7. Zitat aus dem Beitrag Prof. Dr.Dr. Frederic Vester über „Biokybernetik und der Weg zur Nachhaltigkeit“ Seite 10 (4) zitiert : Aus einem Gespräch von Bruce Eliah mit H.J. Stammel, dem Autor von «Die Apotheke Manitous», Hamburg 1986

  8. Über das Pembina-Insititut: http://de.wikipedia.org/wiki/Pembina_Institute

 

 

 

1 comment for “1200 km – Pipeline durch ein nördliches Paradies

  1. Sonnenkind
    14. Dezember 2011 at 09:30

    „Die Öl-Gewinnung aus Teersand ist eine richtige Sauerei!“

    Volker Angres – ZDF Umweltexperte sagt nach Kanadas Ausstieg aus
    dem Kyoto-Protokoll am 13.12.2011 – „Kanada macht alles schwerer!“

    Weiter: „Kanada hat nichts gemacht.
    Versagen auf der ganzen Linie.
    Der Umstieg auf andere Energien ist noch nicht mal angedacht. Eine schallende Ohrfeige auch für die Entwicklungsländer. „

    Zum Interview: http://bit.ly/sqetZD

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