Urteil aus Straßburg stärkt Rechte leiblicher Väter

EmailFacebookTwitterPrintFriendlyGoogle+LinkedInBlogger PostWordPressin weitere Soziale Netzwerke verteilen

Erneut wurde Deutschland vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt. Wegen Menschenrechtsverletzungen im Familienrecht. Und wahrlich nicht zum ersten Mal. Erneut wurden die Rechte lediger Väter gestärkt. Was ist denn nun der Kern des offensichtlichen Problems, das der deutsche Gesetzgeber im Familienrecht zu haben scheint und der sich mit dem Rechtsempfinden der restlichen europäischen Bevölkerung offenbar nicht in Einklang bringen lässt? (Ein Kommentar von Roger Lebien)

Nun – es geht um NORMEN und das, was die europäischen Bürger unter „normal“ verstehen. Und da ist nun langsam eine klare Hierarchie ersichtlich:
Platz 1 geht an die „natürliche“ (biologische) Elternschaft. Platz 2 erhält das Rechtsinstitut der „Ehe“ (mit Kindern), wobei nachrangig ist, ob der Ehemann der tatsächliche oder nur der sog. „soziale“ Vater der Kinder ist.

Und dieses europäische Verständnis von einer natürlichen „Familie“ erzeugt leider regelmäßig einen immensen Spannungsbogen zum bundesdeutschen Verständnis diesbezüglicher Normalität. Und zwar einen so großen Spannungsbogen, dass Deutschland bereits zahllose Male verurteilt wurde. Und dennoch scheint es dem deutschen Gesetzgeber Mühe zu bereiten, nun endlich das als „Recht und Gesetz“ zu kodifizieren, was die Masse unserer europäischen Nachbarn als natürliche und vorrangig beachtliche Normalität zu empfinden scheint. Nämlich, dass man sich zur Elternschaft weder „qualifizieren“, noch diese „amtlich“ oder „juristisch“ beantragen müssen sollte. Und das ist auch gut so! Handelt es sich beim „natürlichen Elternrecht“ doch um ein elementares Grund- und Menschenrecht, dessen Zuwachs – wegen seinem überstaatlichen Ursprung – natürlich nicht von vorherigen Antragstellungen der Grundrechtsträger und erst recht nicht von der Zustimmung von Mitbürgerinnen abhängen kann.

Man muss sich fragen: ‚Woher kommt es eigentlich, dass in Bezug auf die Normalform von „Familie“, gerade die Deutschen offenbar so eklatant andere Vorstellungen haben, als der Rest Europas – und das mit scheinbar störrischer Hartnäckigkeit?

Die historisch verwurzelte Antwort lautet: In Deutschland war es seit der Weimarer Republik der Frau und Mutter alleine überlassen, darüber zu befinden, was für die Kinder am besten ist. Kein Mensch, erst recht kein Mann (so diesem in Deutschland überhaupt noch die natürliche Eigenschaft des Menschseins zugebilligt wird) darf es wagen, die angestammte und in dunklen Tagen als „ethischer Anspruch der Mutter auf ihr Kind“ installierte Deutungshoheit einer Frau über ebenso nebulöse Begriffe wie das „Kindeswohl“ in Frage zu stellen. Das ist dramatisch. Zeigt es doch, dass längst nicht alle Begrifflichkeiten aus nationalsozialistisch geprägter Zeit in Deutschland erfolgreich auf- und vor allem verarbeitet wurden.

Es sind die Nachwehen nationalsozialistischer Muttermystifizierung, die es dem deutschen Juristenhirn nach wie vor zu verunmöglichen scheinen, auch nur im Einzelfall entfernt zu erwägen, dass eine Mutter etwas anderes im Schilde führen könnte, als das blütenweiße und von jeglichen egoistischen Interessen ungetrübte „beste Interesse des Kindes“. Dabei lassen uns Nachrichten über die Verwahrlosung von Kindern – besonders in Alleinerziehendenhaushalten – schon länger ahnen, dass exklusive Mütterlichkeit für Kinder auch verheerend enden kann.

Aber wir Deutsche haben halt einen besonderen historischen Bezug zur „Vaterlosigkeit“, der die klare Sicht trübt: Denn „der männliche Deutsche“, er ist der Aggressor des Holocaust und der Judenvernichtung. Wir durften und dürfen es uns nicht leisten, die „Vaterlosigkeit““ unserer Nachkriegskinder auch noch zu betrauern. Denn die getöteten Großväter und Väter einer vaterlosen Nachkriegskindergeneration waren ja als mutmaßliche „Täter“ selber schuld. Ihre Täterschaft und ihr bisweilen kriegsbedingter Tod erklärte ihre Abwesenheit auf eine Art und Weise, die gleichwohl jegliche Trauer zu verbieten schien.

„Selbstredend“ auch, dass alleine deutsche Männer Schuld am Nationalsozialismus trugen. Kein Wort der Aufarbeitung wurde deswegen an die passive Zustimmung der Frauen und Mütter verschwendet. Ein bedauerliches Versäumnis, nicht auch die Kehrseite der Aufarbeitungsmedaille (die der Frauen) einmal beleuchtet zu haben. Frauen, die für ein schäbiges Mutterkreuz und eine Handvoll Privilegien bereit waren, Nachwuchs „für den Führer“ zu gebären und ihn für „den Endsieg“ in den Krieg zu schicken. Die deutsche, männliche Schuld an Krieg, Verderben und Holocaust ist hinlänglich aufgearbeitet. Was gänzlich fehlt, ist genau dieser Teil der Aufarbeitung. Der weibliche Teil.

Wie gut können Deutsche die Vorstellung ertragen, dass eine Mutter nicht zwingend und in jedem Falle etwas „heiliges, mystisches und lebensspendendes“ sein muss, sondern im Einzelfall auch durchaus nicht mehr als das Wesen einer dreckigen Hure des Nationalsozialismus beinhalten könnte? Den Gestus einer Schlampe, die sich seinerzeit als Gebärmaschine am Führer prostituiert hat, gerade so, wie es heute Teenage-Girlies auf einem Robbie Williams Konzert tun, wenn sie dem Star ihre getragenen Schlüpfer entgegenwerfen? Oder gerade so, wie sich heute perspektivenlose Hauptschülerinnen alleine deswegen schwängern lassen, um ihrer Verhaftung im „neuen Leitbild der erwerbstätigen Mutter“ zu entgehen?

Und so hat als einziges Merkmal des Faschismus ein ekelhafter Muttermythos, eine grenzenlose Überhöhung alles Mütterlichen und Weiblichen überdauert. Dieses völlig deplatzierte und überhöhte Frauenbild konnte nicht durch Aufarbeitung überwunden werden, weil es gar nicht erst mitangeklagt worden war. Und so hat die Überhöhung der „guten deutschen Mutter“ als einziges Relikt des Nationalsozialismus es vermocht, unterhinterfragt in unseren bürgerlichen Gesetzbüchern zu überdauern. Bis heute.

Dass die deutsche Frau nicht besser und nicht schlechter sein kann, als die restlichen Frauen in Europa, erscheint logisch. Es sei denn, man nähme tatsächlich an, sie gehörte tatsächlich einer „überlegenen Rasse“ an, die sich infolge nationalsozialistischer Rassengesetze heraus entwickelt habe. Und tatsächlich ist auch zu konstatieren, dass keine Frau in Europa  in den vier Nachkriegsdekaden privilegierter und befreiter von der Verpflichtung zum Familienunterhalt beizutragen leben durfte, als die westdeutsche Hausfrau und Mutter.

Gleichzeitig jammerte jedoch keine Frauengruppe in Europa im Zuge der Frauen- und 68´er-Bewegung so laut und so vehement über vermeintliche Benachteiligung, wie die (west-)deutsche Frau. Auch entfernte sich emotional keine Frauengruppe vergleichbar weit vom anderen Geschlecht. Das wirkt befremdlich und irritierend. Und es bewirkte vor allem Verwunderung bis vollkommenes Unverständnis bei den übrigen Frauen in Europa. Während die Klagen der sonstigen Europäischen Frauen über Doppelbelastungsstrapazen zu allen Nachkriegszeiten eine gewisse Berechtigung hatten, scheint das Gejammer der deutschen Frauen alleine dem Zweck gedient zu haben, „mit den Wölfinnen zu heulen“ um über ihre tatsächliche Privilegierung hinwegzutäuschen und sich die faktischen und materiellen Vorteile bis weit in die Zukunft hinein zu bewahren. Und auch heute ist Frauenpolitik in Deutschland nicht von emanzipatorischen Gedanken gekennzeichnet, sondern vorwiegend von nervtötendem Benachteiligungsgejammer.

Das einzige wirksame Korrektiv, um dieser Verlogenheit oder der völlig ungerechtfertigten Überbewertung weiblicher Bedürfnisse entgegen zu wirken, scheint der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte zu sein. Der deutsche Mann jedenfalls ist längst bereit, den Rechtsweg auszuschöpfen, um sich um seinen Nachwuchs kümmern zu dürfen (und sich damit eine tatsächliche Doppelbelastung aufzubürden). Und zwar unbeschadet der Tatsache, ob dieser Nachwuchs nun ehelich oder unehelich, ein „mutmaßlicher“ oder auch „tatsächlicher“ Nachwuchs ist. Das zeigt das heutige Urteil.

Damit hat der deutsche Mann – ganz ohne millionenschwere institutionelle Unterstützung – zumindest vereinzelt ersichtlich einen Grad an „Selbstermächtigung“ erreicht, den deutsche Frauen auch nach vierzig Jahren institutionalisierter Frauenbewegung noch nicht zu Wege gebracht haben. Sie bringen – millionenfach – noch nicht mal eine eigene Erwerbsbiografie zustande, die ihre eigene bescheidene Existenz sichert. Schuld daran sind – wie seit nun mindestens vier Generationen – natürlich alleine deutsche Männer, weshalb es als unumstößlich gerechtfertigt für deutsche Frauen erscheint, sich lebenslängliche Privilegien zu sichern.

Und auch in Zukunft ist damit zu rechnen, dass man dem „deutschen Mutterprimat“ in der Rechtsprechung nur von europäischer Ebene aus den Garaus machen kann. Der heilige Muttermythos des Nationalsozialismus jedenfalls, er scheint auch fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ohne höchstrichterliche europäische Hilfe nicht zu besiegen zu sein.

Demokratie darf nicht so weit gehen, dass in der Familie darüber abgestimmt wird, wer der Vater ist.“   (Willy Brandt)

Ein Kommentar von Roger Lebien

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *