Neue DeeJays braucht das Land

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Beatclub  Author  Tasma3197 at de.wikipedia

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Ein Kommentar zur musikalischen Monotonie in den Radiostationen. Im Auto und in der Küche, am Arbeitsplatz wird Radio gespielt. Wer viel mit dem Auto unterwegs ist oder seinen Arbeitsplatz auf 4Rädern hat, schaltet nicht zuletzt wegen des Verkehrsfunks das Radio ein.  Als die drahtlose Telegraphie durch Radio-Übertragungen abgelöst wurde, wurde als erstes kabellos per Funk übertragenes Klangerlebnis überhaupt das „Largo“ von Händel übertragen.

Jetzt hört man das „Beste der 70,80,90er und von heute“.  Dieser Spruch begleitet einen Deutschlandweit auf den Öffentlich-Rechtlichen und den privaten Sendern. Doch das Resultat ist ernüchternd. Mit „das Beste“ ist lediglich das „meistverkaufte“ gemeint, symptomatisch für die Begriffsumdeutungen der letzten Jahrzehnte, nach denen nur „gut“ ist, was gut verkauft wird.  So kann es sein, dass man auf einer langen Fahrt von Hamburg nach München, mit Abba begrüßt wird, mit Micheal Jackson am Vormittag, Lady Gaga und DJ Ötzi am Nachmittag berieselt wird und bei Ulm an der Donau mit irgendeinem schon tausendmal gehörten, beliebigen Top-10-Mainstream wieder so langsam in den Feierabend geleitet wird. Umschalten? Sinnlos!

Man entgeht dem immer gleichen Kommerzgedudel aus vier Jahrzehnten nicht. Nur das „Beste“ überall, in Stereo, in Hi-Fi, aber monoton. Analog dazu, die Unterbrechungen der Soundsoße: mit den immer gleichen Nachrichtenschlagzeilen des Tages, nur das „Wichtigste“, extra ausgewählt für den mündigen Bürger. 

Radio – Der Tod der Phantasie?

„Mut zum Wagnis“ schreibt der Produzent Frank Plasa im Stern den Djs ins Stammbuch. Er wünscht sich von den Radiostationen mehr Mut. Er kenne kein Medium, das so ängstlich sei wie dieses. Er erhoffe sich von den Redakteuren, dass auch mal Titel gespielt würden, die nicht getestet seien, und dass sie mehr aus dem Bauch heraus entschieden. (1)

Dieser Gedankengang würde idealistischerweise voraussetzen, dass alle Radio-Sender deutschlandweit ihre Musikauswahl von wirtschaftlichen Interessen der Musikindustrie unabhängig gestalten und ihre Plattenaufleger und MP3-Knöpfchendrücker und Reglerschieber die Freiheit hätten, dem Hörer eigene Vorschläge zu unterbreiten.
Kaum vorstellbar! Denn das akustische Ergebnis, der Erguss der immer gleichen Kommerzsoße auf die vergewohltätigten Hörer könnte andernfalls ja nur durch ein ansteckendes musikalisch-demenzielles Syndrom epedemiehaft bei allen Rundfunkhäusern entstanden sein. Vom Robert-Koch-Institut wurde solches bisher nicht berichtet. Allerdings liegen unserer Redaktion erste Fälle von akuten Aggressionsschüben deutscher Autofahrer vor, die nach dem 10. mal Hören von Nenas 99Luftballons in Höhe des Frankfurter Kreuzes in psychisch grenzwertige Zustände gerieten. Die Alternative, den eigenen, individuellen Hörgenuss zusammenzustellen, erfreut sich großer Beliebtheit. Die mit USB-Stick, SD-Karten, Bluetooth und CD-MP3-Abspielmöglichkeiten ausgestatteten heutigen Geräte geben genügend Möglichkeiten dazu. Man koppelt sich ab, bleibt auf seinem musikalischen Planeten, entzieht sich der permanent gleichen „Audio“-Zwangsjacke. Doch irgendwann hat man seine eigenen Lieblingsmusikwelt wieder satt – und sehnt sich nach neuen Höreindrücken, nach Bands, die man noch nicht kennt, nach Sounds, die noch nicht da waren, nach Texten, die einem Gefallen, der Gemeinsamkeit mit den anderen Hörern, mit denen man sich im Radio verbunden fühlt. Eine Chance für die Radio-Sender jenseits des reinen Kommerzes. Wann wird sie genutzt?

Ein Kommentar von Hans-Udo Sattler

(1) Quelle: http://www.stern.de/kultur/musik/deutsche-musik-neue-kuenstler-braucht-das-land-531056.html

 

 

2 comments for “Neue DeeJays braucht das Land

  1. Sonnenkind
    9. September 2011 at 07:34

    Was waren das noch Zeiten als Piratensender vor der Küste funkten und Radar Love von Golden Earring die Top-Ten eroberte. Heute scheint alles so aalglatt, professionell und so wenig wild. Alle warten auf das Pflegeheim, schon jetzt kriegen wir unseren Einheitsbrei.

  2. Klaus K. Wagner
    8. September 2011 at 17:44

    Aber Hallo, wie richtig ER das doch erfaßt und bewußt macht!!
    Ich höre mit wachsender Begeisterung den Holländer!
    fm – classic über Satellit. De moist klassische musik!

    Zu den Nachrichten melden die sich meist mit: Wi sin dat Volk! Also ganz nach meinem Geschmack. Wobei ich dat Annere auch nitt verachte oder links liegen lasse. Wie sie das für en guten Koch gehört.

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