Krisenmanager: Die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht mehr los

EmailFacebookTwitterPrintFriendlyGoogle+LinkedInBlogger PostWordPressin weitere Soziale Netzwerke verteilen

Orientierungslosigkeit – kein anderes Wort kennzeichnet treffender den Zustand heutiger Wirtschaft und Politik. Die Hohepriester des immer schnelleren Hamsterrades, die Fürsprecher des stetigen wirtschaftlichen Wachstums, des “immer mehr in immer kürzerer Zeit”, wollen sich selbst kurieren. Rating Agenturen, Börsenaufsichten als Zaumzeug und Zügel unkontrollierter Staatsverschuldung, trifft erst die kleinen schwachen Wirtschaften wie Griechenland, dann die größeren wie Italien und macht auch vor dem Symbol des Turbokapitalismus „Wallstreet“ USA nicht halt.

Was nur tun – müsste man doch mit der Beseitigung des Übels seine, die Grundfesten der eigenen Wirtschaftspolitik in Frage stellen? Ein Junkie, der andere entzieht – ein Spekulant und Börsianer, der die Geisel des Nur-Profit-Denkens selbst grundsätzlich in Frage stellt?

So doktern sie, injizieren mit Billionen Euros und Dollars – unsere Euros und Dollars. Und riesige Banken streichen derweil höchste Gewinne ein. Bankrotte Staaten wie Griechenland mit bankrotten Banken, die wiederum Weltbanken gehören, sind hoffnungslos verschuldet. Diese Staaten werden mit Milliarden Euros der Bürger Europas – unser aller Geld und nicht das von Ackermann & Co. – gedopt, damit diese Staaten wieder ihre Schulden bei den Banken abzahlen. Vor unseren Augen geschieht eine riesige Enteignung der europäischen Bürger durch die Politik. Eine Umverteilung unseres Geldes zugunsten der Zentralen des Finanzkapitals. Ein so offensichtlicher, staatlich und politisch organisierter Diebstahl solchen Ausmaßes, dass kaum ein Mensch den eigenen Augen und Ohren, noch dem einfachen Verstand und dem kleinen „1 mal 1″ Glauben schenkt. Es findet für den Bürger nicht statt, weil dies in seiner Vorstellungswelt nicht sein darf. Man nennt dies Verdrängung nackter Wahrheit.

Das System der Orientierungslosigkeit in Wirtschaft und Politik findet ihre Beute am besten, wenn auch das Opfer in Orientierungslosigkeit und somit in geistiger Starre verharrt. Der Leitsatz des Marxisten August Bebel „Wissen ist Macht“ wird heute von den modernen Staaten unter Kontrolle der Hochfinanz angewendet, indem eine unüberschaubere und nicht mehr kontrollierbare Menge von Medieninformation und falscher Information das geistige Aufnahmevermögen der Menschen erlahmen läßt. In solch einem Ausmaß, dass der Normalmensch schließlich sagt: „Was tun, wenn es nicht mal die Großen schaffen”. Ist diese turbulente Informationsflut der Medienberichte nicht mehr ertragbar und macht Orientierungslosigkeit breit, dann werden die Sinne betäubt. Reiz- und Informationsüberflutung machen gefügig. Sie lähmen den Rest an eigenständiger Denkfähigkeit.

Der Mensch der Moderne wird gänzlich zur orientierungslosen Beute, ist er doch stets der Befürchtung und Angst um den Erhalt von Arbeitsplatz, Einkommen und des sozialen Status ausgesetzt. Keiner will Loser und Verlierer sein, oder als unfähig erscheinen. Wer heute nicht mithalten kann, hat Angst, ausgegrenzt zu werden. Der Mensch als Teil einer Gemeinschaft ist über viele Generationen außer sich geraten. Er findet seine Stärke und Prinzipien und Werte nicht mehr in sich, sondern in Anforderungen von außen, unterwirft zwangsläufig sein eigenes persönliches Wesen äußeren Erwartungsmaßstäben und verinnerlicht diese Anforderungsliste in sich selbst. So entsteht sein vermeintliches Selbstgefühl.

Sowohl die Orientierungslosigkeit des bestehenden gesellschaftlichen Systems von Wirtschaft und Politik, als auch die Orientierungslosigkeit der “Opfer” legen den Gedanken nahe, dass sich beide Umstände gegenseitig bedingen. Ein wirkliches Selbstwertgefühl des Menschen benötigt kreatives Denken und Zivilcourage, benötigt aber auch andere soziale Zusammenhänge, andere Lebens- und Arbeitsgemeinschaften.

Es gab eine Zeit, in der Volkswirtschaft wirklich eine Wirtschaft des Volkes war. Menschliche Lebewesen, die eine soziale Struktur und Gemeinschaft lebten, die sämtliche Lebensnotwendigkeiten erschufen und ohne Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes leben konnten.  Sie produzierten, tauschten und es war ihnen über Generationen möglich, einen Lebensstandard zu erreichen, welcher Zeit und Mittel für Künste, für medizinische Leistung und für wissenschaftliche Tätigkeit erübrigte. Solche Bedingungen werden auch heute noch in vielen Lebensgemeinschaften und alternativen Lebensprojekten gelebt und verwirklicht – und dieses Leben ist möglich.

Es gab aber auch immer die Minderheiten, die mit Fron und Knechtschaft, mit Leibeigenwesen diese freiwillige und gleichberechtigte Gemeinschaft der Menschen ausbeutete. Vom Zeitalter der Pharaonen bis zu den Stammesfürsten, zu Königen und Kaisern. Mit dem Durchbruch der Geld- und Finanzwirtschaft eines Fugger in Deutschland und eines Giro in Italien, ein Ergebnis der bürgerlichen Revolutionen zur Abschaffung der Aristokratie, übernahm die Leitkultur der Finanzwirtschaft die Rolle der alten Ausbeuter. Die Fähigkeit der Menschen wurde den politischen und gesetzlichen Bedingungen des sich vermehrenden Geldes, der Finanzaristokratie unterworfen. Ein System maximalen Leistungsdruckes wurde erzeugt. Ein Leistungsdruck, der in kürzester Zeit äußerst effektiv Mensch und Gesellschaft durch Profit-, Gewinn-, und Wachstumsdenken für die Vermehrung der Produktion einspannte. Eine Produktions- und Lebensweise die aber nicht auf die natürliche Entfaltung der menschlichen Fähigkeiten abzielte. Ein System, das nicht mit den eigentlichen Interessen der Produzenten – der einfachen Menschen – übereinstimmt, kann auf Dauer keine Stabilität bieten. Krisen, Orientierungslosigkeit in allen Bereichen, das Fehlen von Sinnhaftigkeit für eine menschliche Gemeinschaft sind deutlichste Zeichen des Verfalls.

Keine Währungsreform, keine Finanzspritzen, keine Fonds und Aktien können den Sündenfall ungeschehen machen. Es braucht eine selbstbestimmte, freie Gemeinschaft von Menschen, die direkt und demokratisch ihre eigenen Geschicke in die Hand nehmen. Es gibt viele Projekte und Initiativen in Europa und auch in Deutschland, die solche freien Gesellschaften freier Produzenten leben.

http://tv-orange.de/2010/06/friland-neue-wege-in-denmark/

http://tv-orange.de/2010/07/longo-mai/

http://tv-orange.de/2010/09/solidarische-okonomie/

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *