Die Macht der Medien – der Fall „DSK“

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Quelle: http://de.wordpress.com/tag/deutsche-hausaufgaben/

Nun kommt sie also. Zögerlich und mit Fragezeichen zwar, aber so vorhersehbar wie der Wechsel der Jahreszeiten. Die Wende im Fall des ehemaligen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn offenbart die ganze Verlogenheit der Medien. Noch vor Wochenfrist war kein Superlativ groß genug, um einen der bis vor kurzem mächtigsten Männer der Finanzwelt zum Monster zu stempeln. Der in Frankreich enorm populäre „DSK“, Präsidentschaftskandidat mit allerbesten Chancen auf die Ablösung des keinesfalls beliebten Sarkozy, konnte nicht schnell genug vorverurteilt werden. Feministinnen und Obermoralisten hatten als weit entfernte Unbeteiligte erstaunlicherweise sofort das Urteil parat: Lebenslänglich, ersatzweise Tod durch den Strang. Zu klar wollten sie den Fall sehen, der vor Klischees nur so strotzt: auf der einen Seite die arme alleinerziehende Mutter aus dem sozial schwachen Milieu, die sich als Putzfrau für kleines Geld abstrampelt, auf der anderen Seite der mächtige, wohlhabende Politiker und Finanzfachmann. Das reichte der linken Journaille bereits, mehr musste man nicht wissen. Wie kann in solch einer Konstellation der erfolgreiche Finanzpolitiker das Opfer und die arme Migrantin aus Guinea die Täterin sein? Das passt nicht ins Bild der vielen selbsternannten Weltverbesserer.

Da spulen sie also wieder ihre Sondersendungen ab, die Nachrichtensender der Republik. Eher unwillig und kleinlaut wird nun relativiert, was gerade noch sonnenklar war. Und scheibchenweise werden nun auch die DSK entlastenden Details präsentiert, die den Medienschaffenden schon Ende Mai bekannt waren. Die Vergangenheit des angeblichen Vergewaltigungsopfers ist dabei ein nicht zu unterschätzender Fakt. Als vermutlich HIV-Positive mit nur noch wenigen Jahren ausreichender Kraft zum Erwerb des Lebensunterhalts für sich und ihre Tochter hatte die 32-Jährige jede Motivation, rasch an viel Geld zu gelangen. Dies dürfte ihr zunächst mit ihrer Rolle in der Inszenierung geglückt sein. Offen ist derzeit die Frage, ob sie spontan der Versuchung erlag, über eine erfundene Geschichte Kapital aus der Vorverurteilung einer weltweit bekannten Persönlichkeit zu schlagen, oder ob dies – wie nicht wenige klar Denkende von Anfang an vermuteten – von politischen Kräften gesteuert war. Wie immer die Wahrheit aussieht, ihr Ziel schnell zu viel Geld zu kommen, dürfte die Frau, die nichts mehr zu verlieren hat, erreicht haben.

Was aber wird aus Strauss-Kahn? Seinen IWF-Posten, den er ohnehin in Kürze abgegeben hätte, hat er unehrenhaft verloren. Da helfen auch keine künftigen Rehabilitierungsversuche. Seine Kandidatur für die französische Präsidentschaft hängt am seidenen Faden. Werden die Franzosen den ehemals sehr beliebten Politiker jetzt gerade unterstützen? Oder ist der Makel, der künftig an ihm haften wird, zu groß? Wird die Intrige vielleicht sogar zum Bumerang für jene, die sie inszeniert haben? Zu wünschen wäre es ihnen. Ein erheblicher Makel haftet aber auch an der amerikanischen Justiz, wobei sich amerikanische Institutionen bekannterweise wenig um Kritik scheren. Das Rechtsverständnis der USA, in dem Rache und Zurschaustellung der Bestrafung das treibende Element sind, passt so gar nicht zum zivilisierten Umgang des „alten Europa“ mit Beschuldigten und Angeklagten. Den größten Vorwurf müssen sich aber diejenigen machen lassen, die so überaus freiwillig und unkritisch das schlagzeilenträchtige Trauerspiel befeuerten.

Es ist unvermeidlich, dass es in jeder Berufsgruppe fachlich gute und eher schlechte Repräsentanten gibt, da bilden die Journalisten keine Ausnahme. Viele Vertreter dieser Zunft verkennen aber, welche Macht gerade heute von den Medien ausgeht. Wer da seine eigene Ideologie, seine tief sitzende Wut über die Ungerechtigkeiten dieser Welt und seinen Nazismus nicht unter Kontrolle halten und von der Recherche trennen kann, hat den Beruf verfehlt. Es ist in höchstem Maße unseriös und zu verachten, dass die Gier nach der Aufdeckung des größtmöglichen Skandals der Antrieb für eine nicht unerhebliche Zahl von Journalisten zu sein scheint. Die grenzenlose Eitelkeit, der alles zum Opfer fällt, lässt von einem wie auch immer gearteten Berufsethos nicht mehr viel übrig. Pfui, Teufel!

Ramin Peymani

3 comments for “Die Macht der Medien – der Fall „DSK“

  1. DeutschMichel
    7. Juli 2011 at 07:23

    Bemerkenswert:
    1. Der „Aufdecker“ Assange wurde wegen Vergewaltigung gejagt.
    2. Der Israel-Pröäsident Katsav wegen Sexualdelikte
    3. Kachelmann wegen Vergewaltigung
    4. Strauss-Kahn wegen Vergewaltigung.
    Nicht nur, dass bestimmte Kreise keine Moral mehr haben, sondern dass das Mittel solcher Anklagen verwendet wird, um brisante Personen zur Unperson (Assange) zu machen, um die wirtschaftliche Konkurrenz (Kachelmann) auszuschalten, um einen unliebsamen Konkurrenten (DSK) aus dem Weg zu räumen. Sowas nennt man im wahrsten Sinne des Wortes DOPPELMORAL, oder einfach POLITIK.
    Bemerkenswert auch, wie eine Alice Schwarzer und eine weibliche Journalistin (in France) sich ausersehen sehen, das Treiben mit zu organisieren. Aus freien Stücken – welch eine Emanzipation. Feminismus als Mittel der Intrige ?

  2. ego
    7. Juli 2011 at 05:00

    Wie man den Presseberichten entnehmen kann bricht wohl die Anklage gegen Dominique Strauss-Kahn zusammen. Naja schon blöd, wenn der Staatsanwalt seine Karriere auf den Füssen einer Kriminellen zimmern wollte. Wenn schon die Staatsanwaltschaft sagt: „Ihre Glaubwürdigkeit ist mittlerweile so gering. Wir wissen, dass wir den Fall mit ihr nicht durchstehen können.“, ja dann. DSK könnte sich entspannen, wenn da nicht eine Journalistin Tristane Banon, welche DSK auf eine angebliche Vergewaltigung im Jahre 2002 bezichtigte. Nun ja, das werden dann die französischen Gerichte beurteilen, ob es wohl so war oder ob die Journalistin Tristane Banon ihren erfolglosen Leben etwas Glanz verleihen wollte.

  3. Flaschenpost
    2. Juli 2011 at 10:52

    Ein gut geschriebener Kommentar, der die Unschuldsvermutung in den Vordergrund stellt.

    „Die auf den französischen Kardinal Jean Lemoine (1250-1330) zurückgehende Unschuldsvermutung ist eines der Grundprinzipien eines rechtsstaatlichen Strafverfahrens und wird heute von den meisten Ländern der Welt zumindest dem Anspruch nach anerkannt.“
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Unschuldsvermutung

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