Anschlag in Norwegen – wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

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Ich stelle die persönliche Betroffenheit unserer politischen Vertreter über die teuflischen Morde an jungen und alten Menschen in Norwegen nicht in Frage. Doch ihre Erklärungen reichen nicht aus, um sich auch nur ansatzweise den eigentlichen Ursachen anzunähern.

Es ist nicht nur Fremdenhass oder Hass auf die Anderen, wie Frau Merkel sagt, wenn so viele vornehmlich ganz junge Menschen, eigene Landsleute in bestialischer Mordlust um ihr Leben gebracht werden. Und es gehört auch nicht zum Wesen von Demokratie und Freiheit, dass selbige Mordlust ein Risiko einer freien und demokratischen Gesellschaft sein müsse, wie Herr Seehofer meint. Solche Erklärungsmuster benennen nicht die wahre Ursache von Gewalt und Destruktion und geben auch der Gesellschaft keine Orientierung, die zu einer Vermeidung von Unmenschlichkeit nötig ist. Die aufrichtige Anteilnahme wirkt so blass und kraftlos, stärken sie doch durch das Nichtansprechen der eigentlichen Ursachen genau den Fortbestand der Gewaltspirale.

Ein perfider, menschenfeindlicher Akt, den wir in der Vorbereitung des Anschlages und der Verwendung von schlimmster Munition, im Körper junger Kinder explodierender Geschosse, erleben müssen. Es dreht sich um einen Anschlag gegen die Menschlichkeit schlechthin.

Der Nährboden einer lebensfeindlichen Grundstimmung liegt in vielen Bereichen unserer Gesellschaft.

Die soziale Kälte. Ein an sich soziales Ansinnen „Fördern und Fordern“ wurde auf die Frage der Höhe des H4-Regelsatzes reduziert und zu einer unmoralischen Geldverteilung an Unternehmen mit 1-Euro Jobbern gemacht. Anstatt vornehmlich mit Projekten und Initiativen „Gescheiterte“ zu fördern und sie in die Gesellschaft zurückzuführen, werden die Einzelschicksale zur Belastung des Staatsbudget erklärt. Mit Ausgrenzung statt Einbeziehung wird eine gesellschaftliche Gruppe gebrandmarkt. Eine Stigmatisierung, die jedem droht, der den wirtschaftlichen Gewinnbilanzen nicht mehr entspricht.

Konkurrenz vor Solidarität und Wirtschaftlichkeit vor Menschlichkeit zu setzen, führt zu einem Klima, in dem immer mehr mit dem Finger auf andere gezeigt wird, anstatt sich gegenseitig die Hand zu reichen. Das Gefühl sozialer und innerer Verbundenheit, das Interesse am Schicksal der Anderen, ist aber gerade die stärkste Grundlage einer lebendigen Demokratie.

Gesellschaftswissenschaftler aller Bereiche, Künstler warnen seit Jahrzehnten vor einer gewaltbesetzten Freizeitkultur. Aber man läßt sie reden und stellt sie als versponnene Weltverbesserer hin. Währenddessen erlaubt man weiterhin, dass massenweise destruktive virtuelle Computerspiele vertrieben werden. Damit soll unseren Kindern das Leben in der Familie ersetzt werden. Hauptsache die Kinder sind „versorgt“ und still. Schließlich hat weder Frau noch Mann ausreichend Zeit und Kraft für die Familie durch die Mehrfachbelastung im Job. Hauptsache die Wirtschaft brummt.

Brevik ist unter uns ! Wer erinnert sich denn nicht an die Mordanschläge an deutschen und amerikanischen Schulen? Die Muster sind ähnlich: Hass und der Verlust jeglichen sozialen Mitgefühls. Deckungsgleich sind die Probleme der Ausgrenzung, der persönlichen Verletzung des Täters, seine Vereinzelung und seine Beschäftigung mit medialen Welten der Gewaltszene.

Den Rest an seelischer Verstümmelung erledigt das Kommerzkino – das Kino ohne jeglichen menschlichen Anspruch – mit Verstreuung und Verdrängung des „Alltages“. Es überbietet sich gegenseitig in der Darstellung von Horror und Desaster. Der Bedarf am Ausleben versteckter Frustration und Aggression – man nennt es Abwechslung vom Alltag – spült Geld in die Kassen. Die seelischen und moralischen Empfindungen stumpfen ab und die Verhaltensweisen werden zunehmend vergiftet.

Politik kennt keine Moral. Jahrzehntelang mutet die Politik der Bevölkerung das „Restrisiko der Atomkraft“ zu. Damit wird den Menschen Gewalt angetan. Was hat sich geändert an den wirtschaftlichen und finanziellen Hindernissen für einen Umstieg in der Energiepolitik. Nichts! Plötzlich fallen die wirtschaftlichen Zweifel weg. Die Energie-Giganten satteln schrittweise um. In den Augen der Bevölkerung erscheint die Politik nicht als dir Ihre, sondern als Vermittler anderer Interessen. Wer soll da noch an Unbestechlichkeit und Ehrlichkeit als Grundfeste der Demokratie glauben?

Wir kennen eine Geschichte, bei der die Verurteilung des Bösen im Wesentlichen mit den Nürnberger Prozessen endete. Bis heute sind weder die Atombombenanschläge auf Japan in Hiroshima und Nagasaki, weder die Massaker im Kriege gegen die indochinesischen Völker, noch die illegitime Besetzung des Irak durch die Bush-Administration, noch die unmenschliche Behandlung der Palästinenser in Gaza und viele andere Gräueltaten als Kriegsverbrechen oder als Verbrechen an der Menschlichkeit geahndet.

Sind es keine Verbrechen, wenn diese von Siegern der Geschichte begangen werden?
Wie soll so eine moralische, ethische Richtschnur weltweit entstehen?
Wie können wir den jungen Generationen irgendetwas von Gerechtigkeit und Vertrauen vermitteln, bleiben doch alle diese Verbrechen ungesühnt?

Dieses Schreiben beinhaltet absichtlich keine konkreten Handlungsanweisungen für den Politikalltag. Denn allzu gerne kehren wir bei einem nicht fassbaren Geschehen zur täglichen Beschäftigung zurück. Und wenn unser Verstand keine Erklärung für solch grausige Tat zulässt, bezeichnen wir diese gerne als die Tat eines Irren. Doch diese Erklärungsversuche sind nur Verdrängung und keine Lösungsansätze.

Die direkte, gezielte Ermordung durch Brevik erinnert viel mehr als alle anderen Attacken der jüngsten Vergangenheit an die Liquidierung menschlichen Lebens in der Nazi-Zeit. Die gezielte, massenhafte Tötung an Massengräbern. Es ist ein Verbrechen an der Menschlichkeit.

Der Anschlag Breviks ist nur die Spitze eines Eisberges, ein Brennpunkt im Spiegel der “modernen Welt”, die vom menschlichen Miteinander abgerückt ist. Und die Art unseres Umganges mit diesem Verbrechen entscheidet über unser weiteres gesellschaftliches Klima.

Schließt euch der Kette an : Hold sammen – hold hender

http://www.vg.no/nyheter/innenriks/oslobomben/lenke.php?start=262152

Das norwegische Massenblatt VG (Verdens Gang=Der Lauf der Welt) macht gerade eine virtuelle Menschenkette als Symbol der Ablehnung von Gewalt und des Mitgefühls mit den Betroffenen. 845058 sind schon dabei.  …auf den Link über den Nationalflaggen klicken: „Klikk her for å styrke lenken“ – und dann die Felder ausfüllen.  In der Liste nach Tyskland / Germany suchen !

Ein Kommentar von Wolfgang Theophil

1 comment for “Anschlag in Norwegen – wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen

  1. 31. Juli 2011 at 21:08

    Als kurzfristig praktikable Lösung dieses gesellschaftlichen Problems sehe ich den Aufbau von Kohärenz erzeugenden Gruppen in der Größenordnung von weltweit einigen 10.000, die den Maharishi-Effekt im Weltbewusstsein erzeugen. Nur der Abbau von kollektivem Stress wird derartige Massaker beenden können. Siehe http://www.lebensqualitaet-technologien.de/maharishi-effekt_und_weltfrieden_f.html und http://www.Bewusstseinstechnologie.de. Der Aufbau derartiger Gruppen und damit der Weltfrieden, wirtschaftliche und kulturelle Blüte ist lediglich ein finanzielles Problem. http://www.lebensqualitaet-technologien.de/initiative3000.html.

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