Fessenheim: Aus „Kataströphchenschutz“ wird Katastrophenschutz

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Fessenheim, das älteste und gefährlichste französische Atomkraftwerk im Elsass steht direkt an der Grenze Deutschlands. Frankreichs Atom- und Energiepolitik ist wahrlich eine abenteuerliche. Aber nicht nur abenteuerlich, sondern fahrlässig und verantwortungslos. Diese geistige Beschränktheit, die kaum ausreichend mit Naivität umschrieben werden kann, veranlasste die französische Regierung unter Sarkozy  sogar mit dem Staatsterroristen Gaddafi über die Lieferung einer Atomindustrie nach Libyen unter Kontrolle von Gaddafi zu verhandeln – noch 2009 ! Siehe auch im Artikel: http://tv-orange.de/2011/02/gaddafi-der-libysche-diktator-und-die-libysch-franzoesische-atombombe/

AKW Fessenheim: Realistische Evakuierungsradien


Zu Fessenheim schreibt der BUND aus Freiburg: Seit Jahrzehnten kritisiert der BUND den offiziellen, deutschen Katastrophenschutz für das älteste französische AKW in Fessenheim. Jetzt gibt es Informationen aus dem RP-Freiburg und dem Kreistag Breisgau-Hochschwarzwald, dass das zuständige Regierungspräsidium Freiburg den alten Katastrophenschutz überarbeitet und weiter entwickelt. Die Kritik des BUND war nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima auch von vielen südbadischen Gemeinden aufgegriffen worden. Die BUND-Kritik am bisherigen Katastrophenschutz lässt sich folgendermaßen zusammen fassen:


„Die alte Notfallschutzplanung für Atomunfälle war unrealistisch und ein politischer Kniefall vor den Atomkonzernen EnBW und EDF. Insbesondere die viel zu kleinen Evakuierungsradien von 8 Kilometern um das AKW Fessenheim gingen an der erschreckenden Realität eines Atomunfalls weit vorbei. Der alte Katastrophenschutzplan für Atomunfälle konnte bei kleineren Atomunfällen, die erst nach mehreren Tagen zu einer „Freisetzung“ von Radioaktivität führen, zu einem gewissen Schutz der Bevölkerung beitragen. Er sollte auch Panikreaktionen verhindern, also beruhigen. Er sollte vor allem Akzeptanz für Atomkraftwerke und Laufzeitverlängerung schaffen.“
Jetzt gibt es erste Informationen aus dem Regierungspräsidium, dass der Katastrophenschutz aktualisiert und ein Hauptkritikpunkt des BUND aufgegriffen wird. Die viel zu kleine, unrealistische Evakuierungszone soll von 8 Kilometer auf 25 Kilometer erweitert werden. Der BUND begrüßt diese vorsichtige Anpassung der Katastrophenschutzplanung an die Realität der Atomunfälle in Fukushima und Tschernobyl.
Eine Überarbeitung der Katastrophenschutzpläne der leider weiter laufenden AKW in Deutschland und der grenznahen AKW (in Südbaden insbesondere Leibstadt und Beznau) ist ebenfalls dringend erforderlich. Dies gilt auch für den französischen Plan für die Katastrophe. Sobald dem BUND die geänderten Pläne im Original vorliegen, werden wir uns auch differenziert dazu äußern.
Der Gedanke, 450.000 Menschen (nur deutsche Seite?) in einem Gebiet von 25 Kilometern um das AKW Fessenheim im unwahrscheinlichen, aber jederzeit möglichen, Katastrophenfall schnell räumen zu müssen, ist unvorstellbar. Schon jetzt bricht in Freiburg manchmal der Verkehr fast zusammen, wenn ein Spiel des SC mit irgend einem anderen „Großevent“ zusammen fällt.
Die Reaktorunfälle in Tschernobyl und Fukushima zeigen, dass selbst Evakuierungsradien von 25 Kilometern noch zu klein sind. Gefährliche radioaktive „Hotspots“ werden auch weit außerhalb der 25 Kilometer Zone von Fukushima gefunden. Bei einem Atomunfall in Fessenheim würden die Einen aus der Stadt fliehen, die Anderen würden in die Stadt drängen, um Kinder aus Schulen und Kindergärten abzuholen. Ein solches Chaos mit einem Plan „bändigen“ zu wollen ist eine mehr als anspruchsvolle Aufgabe.
Eine Studie des Ökoinstituts Darmstadt im Auftrag der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen besagt, dass sich bei einem schweren Unfall in Fessenheim und lebhaftem Südwestwind mit Regen eine bis zu 370 km lange Schadensfahne von Fessenheim bis in den Raum Würzburg-Nürnberg erstrecken könnte. In deren Bereich müssten alle Siedlungen auf 50 Jahre geräumt werden, sollten die Richtlinien von Tschernobyl zur Anwendung kommen. Betroffen wären u.a. die Städte Freiburg, Emmendingen, Freudenstadt, Tübingen, Stuttgart, Heilbronn und Schwäbisch Hall. Sollte der Wind am Katastrophentag in eine andere Richtung wehen, so wären natürlich andere Städte und Gemeinden betroffen.
Der jetzt in Planung befindliche, runderneuerte Katastrophenschutz zeigt, dass ein schwerer Atomunfall in allererster Linie Leid, unsichtbare Zerstörung und dauerhaften Heimatverlust bedeutet. Der beste Katastrophenschutz ist die schnelle Abschaltung aller AKW, am Oberrhein gilt dies insbesondere für die alten AKW in Fessenheim und Beznau. Aus diesem Grund werden die grenzüberschreitende Umweltbewegung und der BUND am 26. Juni 2011 um 14 Uhr das altersschwache AKW Fessenheim friedlich, selbstbewusst und gewaltfrei umzingeln, um den Druck auf die Betreiber zu erhöhen.
Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer

Der ganze Artikel: http://vorort.bund.net/suedlicher-oberrhein/fessenheim-katastrophenschutz.html mit Anhängen und weiteren Erklärungen


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