Sancto – No! Die Bergpredigt – christliches Mass für Seligsprechung?

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Zur Seligsprechung Papst Johannes Paul II. durch Papst Benedikt XVI.

Manchmal empfinde ich es als Segen, im Geiste des reformierten Glaubens erzogen worden zu sein, so sehr stört mich der Popanz, der in der römisch-katholischen Kirche veranstaltet wird.

Wenn auf Erden ein Mensch „Selig-spricht“, dann der Sohn Gottes, sein Name war Jesus und der durfte das kraft seiner Vollmacht auch. Er tat es. Er sprach normale Menschen selig, merkwürdigerweise keine Kirchenfunktionäre, Kaiser oder Grafen, sondern Leute aus dem Alltag, Menschen wie Du und ich, die auf ihrem Lebensweg nach Frieden und Gerechtigkeit und Erlösung suchten.

Es ist auch nach kritisch-historischer Bibelexegese möglich und wahrscheinlich, daß aus den in der als Bergpredigt überlieferten Aufzählung von Makarismen (Seligsprechungen) einige Sätze auf den historischen Jesus zurückgehen könnten.  Dies Vorab für die Gläubigen, die nicht in Gänze an die Verbalinspiration des heiligen  Buches zu glauben imstande sind, sondern darin durchaus menschliche, redaktionelle Einflüsse finden und sich von wissenschaftlichen Arbeiten und Erkenntnissen bereichern lassen.


Religionswissenschaflter stellen die Bibel und die Zusammenstellung -oder „Kanonisierung“ der Bücher als Menschenwerk dar: Teilweise ist die These zu lesen, die Schriftsammlung „Bibel“ sei unter anderem Produkt früher kirchengeschichtlicher Machtpolitik, die dazu führte, daß nicht ins damalige Weltbild passende vorhandene Schriften nicht für die Nachwelt überliefert wurden.

Ansonsten glauben wir als Christen natürlich an Jesus und die Bibel. Die Reformierten so, die Katholen eben etwas anders und zusätzlich: an die katholische Kirche und den Papst, Heilige, insbesondere die hl. Jungfrau Maria, Selige, Schutzpatronen und an die heilende Kraft zahlreicher Reliquien.

Ich glaube nicht an den Papst, glaube nicht an seine Unfehlbarkeit und noch viel weniger glaube ich daran, daß eine Seligsprechnung seines Amtsvorgängers mit der christlichen Lehre vereinbar ist. In Wirklichkeit glaube ich, die Seligsprechung  Papst Johannes Paul II. durch Papst Benedikt XVI.  einen zutiefst gegen den Glauben gerichteten, religionskitischigen Götzendienst und Personenkult befördert, der mehr dem Machtanspruch, den die katholische Kirche ihrer eigenen Heiligkeit zukommenlassen möchte, geschuldet ist und aus taktischen Gründen geschieht. Vielleicht fürchtet man um den Einfluss als Kirche in Polen und Osteuropa?

Kein Papst sollte einen anderen Papst heutzutage noch selig oder heilig sprechen und sich anmaßen, katholisch-objektive überprüfbare Indizien für eine Wunderheilung dazu liefern zu können.
Es wäre mir aus glaubensbrüderlicher Sicht nicht nachvollziehbar, daß der unbestreitbare – Beweis bzw. die Quelle, eine wundergeheilte Parkinson-Patientin sein soll. Deren Gebete sollen ausgerechnet durch den im Logenplatz des Himmels residierenden verstorbenen Papst Johannes Paul II. erhört und quasi verstärkt als top urgent an unseren Gott weitergereicht & die Heilung genehmigt worden sein?
All das während er andere leidenden Katholen nicht erhörte und diese so ohne „Gebetsbooster“ vor Gott scheitern mußten?

Da biete ich bei Bedarf konfessionsübergreifende  Solidarität im Zweifel an. Religionswissenschaftliche Betrachtungen sind bei der Legitimation der Zweifel m.E. nicht erforderlich. Es genügt schlichtes Nachdenken über diese Form der Seligsprechungs-Legitimierung.

Aber nicht genug der Kritik, selbst bei allem Wohlwollen und Würdigung des verblichenen Papstes als historischer Figur mit Verdiensten um Polen, dem Wandel in Osteuropa und als moralische Instanz in seinem Heimatland, bleiben mir erhebliche Negativa vor Augen, die das Aufheben der Seligkeit als Vorstufe der Heiligkeit nach meinem Dafürhalten erzwingen.  Seine Rolle in Polen und bei der Veränderungen im Europa  der späten achtziger Jahre stand im krassen Gegensatz zu seiner Rolle für Lateinamerika und Afrika. Dort dient/e Kirche und Religion als eine der Stützen der Unterdrückung der armen Bevölkerung. Die Befreiungstheologie, die dies anprangerte und für ihre Thesen erheblich weniger konstruierte Beweise benötigte und sich an simplen Beispielen aus der Realität bediente, wurde von diesem Papst -Gott hab ihn…- sozusagen endgültig als Kirche der Gar aus gemacht. Priester erhielten Maulkörbe, Lehrverbot, man eskalierte mit Exkommunikationen herum, der Einsatz für Arme wurde wieder spirituell und karitativ. Blos nicht  solidarisch an der Seite der Armen, Amen.
Das „Nein zu Kondomen“ trotz tödlicher Aids-Bedrohung in Afrika und in anderen betroffenen Ländern, das sozusagen „gnadenlose“  Absägen von Kritikern, wovon man häufiger in der Presse las, beförderte in meinen Augen ein weniger seliges Bild des Papstes: ein Bild eines machtbewussten Erzkonservativen, der mit seinen Entscheidungen für Leichen sorgte und für Endsolidarisierung mit den  Armen, den Land- und Rechtlosen in Lateinamerika und anderswo sorgte und engagierte Glaubensbrüder ausschloss. Die Misbrauchsvorwürfe gegen katholische Priester wurden in seiner Amtszeit weitgehend unter den Teppich gekehrt, die Diskussion über das Zölibat, Priesterkinder und andere brisante Themen – nichts davon packte er an.

Sancto? – No! Für mich kein Seliger, kein Heiliger-Kandidat, nur ein Mensch mit Licht- und Schattenseiten, ein hoher Kirchenfunktionär mit Macht, der nach langem Leiden an einer bisher unheilbaren Krankheit starb.

 

Hans-Udo Sattler

 

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