Misrata und der Verrat der Welt an der Menschlichkeit

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Pablo Picasso malte sein Bild des Schreckens  als Reaktion auf die Zerstörung der spanischen Stadt Guernika durch den Luftangriff der deutschen Legion Condor während des Spanischen Bürgerkrieges. Während Franco- und Hitlerfaschisten gemeinsam die demokratische Bewegung Spaniens zerschlugen, schaute die Welt tatenlos zu. Die Regierungen aller Länder ließen das Schlachten der Despoten zu. Nur einzelne freiwillige Menschen, die sogenannten internationalen Brigaden setzen ihr Leben für die Freiheit Spaniens ein.

Pablo Picasso  bestürzt über die Verweigerung internationaler Hilfe fasste dies in die Worte: „ der mit geistigen Werten lebt und umgeht, angesichts eines Konflikts, in dem die höchsten Werte der Humanität und Zivilisation auf dem Spiel stehen, sich nicht gleichgültig verhalten kann.“

Diese Enthaltung und Verweigerung menschlicher Hilfe führte zu der bisher größten gesellschaftlichen Katastrophe, der Vergasung von Menschen, der systematisch betriebenen Vernichtung von Millionen Menschen im 2.Weltkrieg.   WAS HABEN WIR DARAUS GELERNT ?

Picasso: Dezember 1937

März 2011 in Misrata und andere Städte Libyens. Navi Pillay, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte stellte fest, dass die libyschen Regierungstruppen mit dem Einsatz schwerer Waffen gegen die Zivilbevölkerung in Misrata Kriegsverbrechen begehen. Die Truppen Gaddafis „sollten sich bewusst sein, dass ihre Handlungen in Misrata vom Internationalen Strafgerichtshof untersucht würden“, sagte Pillay. In Misrata werden gezielt medizinische Einrichtungen, Krankenhäuser, Pflegepersonal und Patienten von Gaddafis Militär unter Beschuss genommen.

Seit die friedlichen Protest im Februar in Libyen begannen, wurden alle Proteste mit Waffengewalt Gaddafis angegriffen. Hunderte Zivilisten starben in den ersten Tagen des friedlichen Protestes. Ausländische Milizen, von Gaddafi angeheuert und seine Elite-Revolutionsgarden machen seitdem Jagd auf die gesamte Bevölkerung. Scharfschützen von den Dächern, Vergewaltigung und Erschlagen von Frauen, Kindern, Alten und Jungen sind an der Tagesordnung. Gaddafi setzt international geächtete Streubomben gegen die Bevölkerung ein. Dies berichten einstimmig international tätige Hilfsorganisationen.


Wer heute noch die Luftangriffe der Nato auf die Raketenstellungen, Panzer und schwere Artillerie als Angriff auf Libyen hinstellt, spricht die Sprache Gaddafis. Wer heute noch jeglichen humanitären und militärischen Schutz der Zivilbevölkerung durch UN-Schutztruppen als feindselige Invasion hinstellt, handelt im Geiste der Despoten. Es sind gerade sogenannte „kritische“ Stimmen die die internationale Hilfe diskreditieren. Es sind Leute, denen die Stabilität und Zusammenarbeit mit despotischen und autokratischen Regimes wichtiger ist als die Angelegenheit der Menschlichkeit.

Die offiziellen Vertretungen, die Regierungen der Weltgemeinschaft haben kein positives politisches Konzept. War der „Westen“ jahrzehntelang selbst Unterstützer despotischer Militärregime, erkennen sie nicht die historische Chance eines freien demokratischen Mittelmeerraumes. Sie haben keinerlei positive Vorstellung einer gleichberechtigten und friedlichen Gemeinschaft von Orient und Okzident. Sie haben durch ihre ausnahmslose Verbindung mit den autokratischen Herrschaftshäusern keinerlei Schritte unternommen, um wirtschaftlich und kulturell eine Zusammenarbeit mit der modernen aufgeklärten Zivilgesellschaft, mit ihrer Intelligenz und der Jugend des Orients aufzunehmen.

Notwendige militärische Hilfe ist von keiner politischen Strategie geleitet. Unkoordinierte Aktionen, schwindelerregende Pirouetten Deutschlands und ein demokratieunfähiges  China und Russland sabotierten wichtige gemeinsame Schritte, die allen despotischen Regierungen ein Stoppschild gesetzt hätten. Mit dieser „Enthaltung“ praktizierten sie nichts anderes als eiskalte Vorenthaltung menschlichen Beistandes.  Konnte die demokratischen Staaten mit dem Mauerfall in Deutschland noch erfolgreich verkrustete Feindbilder und verfeindete Machtblöcke in großem Umfang abbauen, so sind sie angesichts der demokratischen Bewegungen in nun 17 Staaten der arabischen Welt absolut überfordert und reagieren kopflos.

Nur wenige Personen in den westlichen Entscheidungsgremien, und ausgerechnet der Präsident der Weltbank Robert Zoellick zeigen Weitblick. Der demokratische Aufbruch in Nordafrika und Nahost ist Ausdruck der Veränderung in diesen Gesellschaften. Eine aufstrebende Unternehmerschicht, junge Intelligenz und mit ihr im Verbund eine breite durch die Regimes verarmte Masse begehren eine offene zivile Gesellschaft.  Die despotischen Regimes stehen in unversöhnlichem Widerspruch zu diesem gesellschaftlichen Wandel einer demokratischen Zivilgesellschaft. Werden die um Freiheit und Demokratie kämpfenden Menschen im Stich gelassen, werden Regimes wie in Libyen , Jemen, Bahrain, Syrien nicht beendet, dann droht eine weitere Verschärfung der nationalen Probleme und der internationalen Konflikte.  Verrät die Welt weiterhin die Menschen in Nahost, Nordafrika und dem ganzen Orient, dann wird eine verzweifelte Minderheit von extremistischen Kräften vereinnahmt werden.

Die Welt und Europa läuft größte Gefahr den Ruf nach Demokratie zu überhören.

 

 

 

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