Gebet vor dem KZ Le Struthof Natzweiler

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Schweigend sitze ich in mich versunken und bete.
Ich bete zu meinem Gott, daß sich das Vergangene nicht wiederholen möge.
Ich bete, daß der Mensch zum Menschen im Alltag menschlich sei.

Ich denke daran, daß die Amerikaner unser Haus besetzten und die Leica meines Onkels stahlen und unsere Familie wegen seiner Försteruniform für Nazis hielten.

Ich sitze unter einem Baum in der wunderschönen Landschaft der Vogesen und denke an die Menschen, die hier im KZ Struthof ihr Leben ließen.
Juden,Franzosen der Resistence, Deutsche, Polen, Russen, Sozialisten und Kommunisten.
Bewacht von eigenen Landsleuten, von Deutschen und Franzosen, die nachts betrunken grölend selbst wie Tiere, die Menschen wie Tiere schunden.

Ich denke an die Bewohner unserer Dörfer und Städte, die zusahen, als man ihre behinderten Söhne und Töchter abholte, um sie im benachbarten Hadamar zu ermorden.

Ich denke an den Gemüsegarten des KZ-Leiters, der mit der Asche der Toten aus dem Krematorium gedüngt wurde.

Und ich denke daran, daß ich mit den Tätern, den Opfern und deren Kindern aufwuchs.
Daß es die, die nur zusehen immer noch gibt, daß es die,die wieder Täter werden wollen, immer noch gibt.

Ich denke daran, daß ich Teil dieser ganzen Geschichte bin und Ich bin froh, ich sein zu können, Vater, Freund, Sohn, Ehemann.
Ich bin froh, nicht unterdrückt zu sein und andere nicht zu unterdrücken.
Ich denke daran, daß alles im Kopf beginnt, im Bewußtsein und im Gefühl.
Das eine und das andere.

Ich bete für mich und meine Mitmenschen.

Arnold Thuesat

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