Interview mit Frau Eva Quistorp zur Lage in Nordafrika

Frau Eva Quistorp gründete 1979 mit Petra Kelly und Joseph Beuys die Grünen und später das europäische Netzwerk „Frauen für den Frieden.“ Von 1989 bis 1994 reiste sie als Europaabgeordnete der Grünen in die Maghrebregion und ist Mitglied der Scheherezade-Inititative.Seit 1995 wirkt sie als Publizistin und Beraterin von Frauenrechts-, Umwelt- und Friedens-NGOs und war an einer internationalen Friedenskonferenz in ALexandria 2007 beteiligt.
MdEP a.D., internationales Friedensbüro www.berlin-declaration.org
Das Interview führte Wolfgang Theophil

 
Was empfinden sie, wenn die die demokratischen Bewegungen in Nordafrika sehen?

Bewunderung und Respekt.
Ich habe sie in den letzten Jahren praktisch zu unterstüzten versucht,habe mich gefreut, Nawaal El Sadaawi auf dem Tahrirplatz zu sehen und zu lesen, dass einige bei einem alten Bekannten von mir, Prof Gene Sharp und otpor freunden gewaltfreies Training gemacht haben um auf schwierige Konfliktsituationen vorbereitet zu sein,wie wir dann sehen durften. Ich bin begeistert von der  Gewaltfreiheit und Kreativität der jüngeren säkularen Generation , denen, die aus alten Ideologien ausbrechen wollen und von Tunesien aus sozuagen den Jasminduft die ganze Region durchdringen ließen und den wind of change.Doch die Träume sind in Gefahr von verschiedenen Seiten.
Ich zittere für alle die, die mit großem Mut  sich vor den bezahlten Schergen und Folterknechten des Gaddafi clans zu retten versuchen, die fliehen muessen, die sich vom Regime losgesagt haben und ihre Städte zu sichern versuchen, die Jugendenlichen, die die Wasser und Stromleitungen bewachen, die Ärzte und Ärztinnen, die versuchen Verwundete zu retten und zu pflegen, die, die voller Verzweiflung ihre Toten zu beerdigen versuchen, die von den  afrikanischen Söldnern, die aus brutalen Kriegen kommen, einfach weggeworfen werden. Ich hoffe, dass das neue Ägypten und Tunesien nicht destabilisiert und überfordert werden durch den Wahnsinn des Gaddafi clans ,dass sie den Flüchtlingen helfen koennen wobei ihnen wiederum die EU und die UNO schnell helfen sollte mit einem Flüchtlingsfond und mit polizeilichem Schutz für die Flüchtlinge, damit sie nicht angegriffen werden von den Söldnertruppen und den Gangs des Gaddafis Regime.

 

Welche Möglichkeiten sehen sie zur Zeit insbesondere die Lybische Bevölkerung vor weiterem Blutvergiessen zu bewahren? Wie die EU und der deutsche Aussenminister jetzt richtig fordern, muessen Sanktionen gegen das Regime sofort greifen und dürfen nicht durch Berlusconi oder Geschäftemacher unterlaufen werden doch das reicht wohl nicht, es geht darum, die mutigen Soldaten und die Offiziere und Piloten und sogar Minister, die sich vom Regime losgesagt haben zu stärken und allen denen, die ihnen folgen Sicherheit zu bieten, sie zur Desertion aufzurufen
und sie dann nicht im Stich zu lassen in den nächsten Monaten, da der Gaddafi clan den arabischen Frühling der Demokratie und die wunderbar friedlichen und freundlichen sozialen Kämpfe in Tunis und auf dem Tahrirplatz nun mit seinen sadistischen Beleidigungen
seines Volkes und der Drohung mit weiteren Massakern an seinem Volk und eventuell sogar mit einem Gasangriff oder einer Ölverseuchung des Mittelmeeres bedroht, muessen wir alle zusammenstehen und unsere Vorurteile gegenseitig und auch alten Konflikte in diesen Schicksalstunden überwinden
Die arabische Liga sollte Gaddafi natürlich auf Dauer ausschliessen, einen, der Massaker an seinem Volk verübt sollte man da sofort ausschliessen. Dann sollte die arabische Liga mit der Afrikanischen Union und der ägyptischen Armee und der Nato verhandeln, ob es nicht eine gemeinsame Spezialkräfte und Einsatztruppe doch schnell geben muss, um die Eskalation von Gaddafi abzubremsen und die Flüchtlinge zu schützen und die Städte, die sich in Opposition begeben haben.

Was kann UN und EU ihrer Meinung nach tun ?

Wir koennen doch nicht zusehen so wie in Sararjevo und Sebenica, so wie bei den Massakern gegen die Kurden im Irak so wie bei Ruanda und dem Völkermord im Sudan und dem Krieg im Kongo, wo nicht nur Regierungen des Westens und Medien ,sondern viele wegschaut haben in den letzten Jahren.Wir muessen auf die Dauer vollkommen alle Rüstungsetats und Rüstungsexporte und Importe auf mindestens die Hälfte reduzieren. Gaddafi kann jetzt die 180 Millionen Rüstungsimporte aus der EU gegen einen grossen Teil seines eigenen Volkes einsetzen. Daher sollten wir so viel Geld auch einsetzen, damit das gestoppt wird und die Menschen in Lybien ihr Land einigermassen demokratisch und sozial aufbauen koennen und nicht alle ausländischen Arbeiter vertreiben oder eine neue Diktatur errichten oder den Staat zerfallen lassen.

Welche Hoffnungen haben sie ?
Jetzt muss erst einmal auch im Interesse der demokratischen Aufbrüche in der arabischen Welt die teils auch Hungerrevolten und soziale Kämpfe sind wie um Bürgerrechte der düstere Schatten, den der Gaddafi clan über die Mittelmeerregion wirft, das apokalyptische Szenario aufgehalten werden! Es ist eine schwere Beleidigung der Millionen von Ägyptern und Tunesiern, die der Welt ein Beispiel von BürgerInnenmut gegeben haben und von einer friedlichen Massenbewegung für eine bessere Zukunft, was der Gaddaficlan mit seinen Söldnern und Killern mit seinem vielen Ölgeld jetzt anrichtet. Das sind Verbrechen gegen die Kulturen, gegen die Religionen, gegen die Jugend der Region !!

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