Baden braucht ‚Kopfbahnhof21‘ in Stuttgart!

ADFC, Kreisverband Freiburg, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald
BUND, Regionalverband Südlicher Oberrhein e.V.
Klimabündnis Region Freiburg
Mehr Demokratie e.V.
NaturFreunde Baden e.V.
VCD, Regionalverband Südlicher Oberrhein e.V.
Baden braucht ‚Kopfbahnhof21‘ in Stuttgart!        Pressemitteilung, 28.1.2011
Die Umweltverbände ADFC, BUND, NaturFreunde und VCD sowie das
Klimabündnis Region Freiburg und Mehr Demokratie e.V. fordern den sofortigen
Stopp des aus ihrer Sicht unsinnigen und gewaltige Mittel bindenden ‚Stuttgart
21′-Projektes sowie des Ausbaus der A5. Anstatt dessen sollten der Stuttgarter
Kopfbahnhof nach dem Modell ‚Kopfbahnhof21’ modernisiert und die Gelder auf
den raschen sowie menschen- und umweltverträglichen Ausbau der Rheintalbahn
konzentriert werden.
Anders als kürzlich eine Reihe von Oberbürgermeistern aus Baden-Württemberg
sehen die Verbände großen Schaden, den S21 im Rheintal und ganz Baden-
Württemberg anrichtet, wo wirklich wichtige Bahn-Projekte nicht vorankommen.
Mit einer Kundgebung und Demonstration am 5. Februar 2011 in Freiburg und
weiteren Aktionen soll in den nächsten Monaten auf die Problematik hingewiesen
werden.
Während in Stuttgart die Kosten für die Verlegung des Hauptbahnhofs unter die Erde
explodieren und mit den derzeit genannten 4,8 Mrd. € noch lange nicht am Ende sind,
fehlt im Rheintal das Geld, z.B. um den planfestgestellten und wichtigen Rastatter
Tunnel zu bauen.
Während der Stuttgarter Hauptbahnhof noch über ausreichend Kapazitäten verfügt – er
hat in der Vergangenheit bereits viel mehr Züge bewältigt als heute – und bestens an
das ICE-Netz angeschlossen ist, ist die Rheintalstrecke längst an ihrer Kapazitätsgrenze
angelangt. Die Folge ist, dass der notwendige Ausbau des Regionalverkehrs nicht
möglich ist, neue Trassen von der Bahn nicht mehr genehmigt werden.
Mit dem steigenden Güterverkehrs-Bedarf auf der zukünftigen transeuropäischen
Magistrale Rotterdam–Genua wird der ÖPNV weiter in die Defensive geraten. Die
Lärmbelastung für die Bevölkerung wird ohne Ausbau der Strecke in den nächsten
Jahren weiter zunehmen.
Der Ausbau der Rheintalbahn läuft seit 1987, doch erst 45 von 180 km sind fertig
gestellt. Während entsprechend dem Vertrag von Lugano zwischen Deutschland und
der Schweiz die Tunnel in unserem Nachbarland 2019 fertig sein werden, wird im
Rheintal weiter im Schneckentempo gebaut. Auch für die nächsten Jahre sind nur
jeweils 100 Mio. € pro Jahr vorgesehen. So wird die Strecke nicht vor 2050 fertig sein!
Um Mittel für das Rheintal frei zu machen, sollte der Ausbau des Stuttgarter Hbfs
entsprechend des viel kostengünstigeren und modular umsetzbaren Konzeptes
‚Kopfbahnhof 21‘ erfolgen. Und auch der Ausbau der Rheintal-Autobahn A5 sollte nicht
weitergeführt werden, da auch hierdurch große Mittel gebunden werden und weiterer
umweltschädlicher PKW- und LKW-Verkehr erzeugt wird.
Um den umwelt- und menschenfreundlichen Ausbau der Strecke zu beschleunigen,
sollte aus Sicht der Verbände auch auf einen Ausbau der Strecke für Geschwindigkeiten
von bis zu 250 km verzichtet werden. Dies könnte Mittel in bedeutender Höhe einsparen
und die wichtigen Bahnknoten Freiburg und Offenburg mit kurzen Übergangszeiten vom
und zum Regionalverkehr könnten beibehalten werden.
Nach Ansicht der Vereine schadet Stuttgart 21 aber auch der Weiterentwicklung einer
lebendigen Demokratie in unserem gesamten Bundesland. Sie bedauern den
ängstlichen Schlichterspruch Heiner Geißlers, der sich außerstande sah, mehr direkte
Mitbestimmung der Bevölkerung in der Frage des Stuttgarter Bahnknotens einzufordern.
Deshalb fordern die Verbände
– den sofortigen Stopp von ‚Stuttgart 21‘ und des Ausbaus der Rheintal-Autobahn
– den Verzicht auf Ausbau der Rheintalbahn auf 250 km/h
– die Erhöhung der Ausbaumittel für die Rheintalbahn auf mindestens 500 Mio. € pro
Jahr durch Umwidmung der Mittel
– die konsequente Orientierung der Ausbauplanungen an Lärmschutz- und
Umweltkritierien
– den schnellstmöglichen Baubeginn für den fertig geplanten Rastatter Tunnel
– die sofortige Kapazitätserweiterung der Rheintalbahn durch den Einbau von
zusätzlichen Signalen, Weichen und Überholstellen
– bis spätestens 2020 den ausschließlichen Einsatz von lärmarmen Güterwaggons auf
der Strecke und bereits vorher die Lärmminderung durch gestaffelte Trasengebühren
‚Stuttgart 21‘ schadet durch die Bindung großer Summen dem Bahnverkehr im Rheintal
und ganz Baden-Württemberg. Deshalb braucht Baden den kostengünstigen modularen
Ausbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs entsprechend dem Modell ‚Kopfbahnhof 21‘!
Kontakt: Hannes Linck, VCD, Tel. 0761-400 433-5, Email hlinck@ngi.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.